27.07.12

Formel 1

Ecclestone: Niemand hat mir gesagt, dass ich verhaftet würde

Er will womöglich schon bald nach Deutschland reisen. Die Nöte am Nürburgring liegen Bernie Ecclestone am Herzen. Er glaubt nicht an Verhaftung.

Foto: REUTERS
Formula One supremo Bernie Ecclestone arrives at the Hungaroring circuit near Budapest
Bernie Ecclestone ist Deutschland nach eigenen Angaben nicht aus Angst vor einer Verhaftung ferngeblieben

Budapest. Da kam der sorgenvolle Vater in Bernie Ecclestone durch. Auch die privaten Probleme von Tochter Tamara hielten den Geschäftsführer der Formel 1 von dem fest angekündigten Besuch auf dem Hockenheimring am vergangenen Wochenende ab. Probleme, "die ich regeln musste", wie Ecclestone in einem Interview der "Bild"-Zeitung sagte. Weil er sich zudem mit Vertretern des Olympischen Komitees und eines amerikanischen TV-Senders traf, war der 81-Jährige dem deutschen Grand Prix ferngeblieben, so die Erklärung Ecclestones.

Mit den Ermittlungen gegen ihn in München und aus Angst vor einer Verhaftung, hatte es seiner Aussage nach nichts zu tun: "Nein. Niemand hat mir gesagt, dass ich verhaftet würde", sagte er. "Ich glaube nicht, dass die Justiz in Deutschland so vorgeht", betonte Ecclestone, für den alles wie üblich fein hergerichtet war. Nur anwesend war der Brite nicht. Am Freitag erschien er dafür aber auf dem Hungaroring zum Auftakt des Großen Preises von Ungarn.

+++ Achteinhalb Jahre Haft für Ex-Banker Gribkowsky +++

In weiter Ferne liegt eine Reise nach Deutschland jedoch wohl auch nicht. Er wisse noch nicht genau, wann er komme. "Aber möglicherweise schon sehr bald", sagte Ecclestone. Der Grund: Die schweren Finanznöte am Nürburgring. Dort soll im kommenden Jahr das Heimrennen für Sebastian Vettel & Co steigen. "Wir wollen sehen, ob wir ihnen helfen können", sagte Ecclestone.

Seelische Unterstützung als Vater musste er am vergangenen Wochenende aber offenbar bei Tochter Tamara leisten. Sie hatte sich nach der Bekanntwerden eines pikanten Videos von ihrem Freund getrennt.

Ecclestone hätte ungeachtet der Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft keine Bedenken gehabt, nach Deutschland zu reisen. Dass er hätte verhaftet werden können, nahm Ecclestone nicht an. "Ich gehe davon aus, dass die deutschen Behörden mir so etwas vorher mitteilen würden", meinte Ecclestone. "Mag sein, dass sie anders handeln, wenn jemand einen Mord begangen hat oder wenn er ein Terrorist ist."

Den Vorwürfen des verurteilten Ex-Bankers Gerhard Gribkowsky zufolge soll es bei Ecclestone um Bestechung gehen. Laut dem ehemaligen BayernLB-Vorstand soll Ecclestone ihm 44 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit dem Verkauf der Königsklasse des Motorsports an das Investmentunternehmen CVC gezahlt haben. Ecclestone beteuert seine Unschuld und sagte bereits mehrfach, dass er von Gribkowsky erpresst worden sei.

Hintergrund: Die BayernLB und die Formel 1
Hintergrund: Die BayernLB und die Formel 1
Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der "Muppets Show" erworben.
Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab.
Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.
Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen.
In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende – und profitable – Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.
Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.
Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC- Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist.
Der heute 81-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema. (dpa)
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