27.07.12Großbank Barclays
Trotz Zinsskandal auf Gewinnkurs
Die Briten, die wegen Zinsmanipulationen fast eine halbe Milliarde Dollar Strafe zahlen müssen, präsentieren dennoch schwarze Zahlen.
Von abendblatt.de
Foto: AFP
Trotz Libor-Skandal: Im zweiten Quartal stieg der Gewinn von Barclays dank deutlich reduzierter Kosten im Vergleich zum Vorjahr leicht auf knapp 1,8 Milliarden Pfund (rund 2,3 Mrd Euro)
London.
Die vom Skandal um den
manipulierten Referenzzins Libor
gebeutelte britische Großbank Barclays ist zumindest im laufenden Geschäft weiter auf Kurs. Im zweiten Quartal stieg der um Sondereffekte bereinigte Gewinn dank deutlich reduzierter Kosten im Vergleich zum Vorjahr leicht auf knapp 1,8 Milliarden Pfund (rund 2,3 Mrd Euro). Das ist mehr als von Experten erwartet. Zudem lief das Geschäft im Juli besser als im Vorjahr, wie die Bank am Freitag in London mitteilte.
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Wegen der weiter hohen Unsicherheit an den Finanzmärkten und der sich abschwächenden Konjunktur sei aber Vorsicht geboten. "Es bleiben weiter herausfordernde Zeiten für Barclays und die gesamte Industrie", sagte der derzeit noch amtierende Verwaltungsratschef Marcus Agius.
Die Zahlen werden aber vom Libor-Skandal überschattet. Mitarbeiter hatten versucht, den Libor-Satz zu beeinflussen - den Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Agius entschuldigte sich für die Vorfälle der vergangenen Wochen: "Wir entschuldigen uns für die Probleme, die in den vergangenen Wochen aufgetreten sind", erklärte Verwaltungsratschef Marcus Agius. "Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Kunden und Aktionäre enttäuscht haben." Barclays hatte als erstes Geldhaus Manipulationen des Zinssatzes Libor eingeräumt und bekam eine Geldstrafe von fast einer halben Milliarde Dollar aufgebrummt.
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Anfang Juli musste dann der
Vorstandschef Bob Diamond wegen des Libor-Skandals seinen Hut nehmen
. Verwaltungsratschef Marcus Agius hat ebenfalls seinen Rückzug angekündigt, bleibt aber vorerst noch an Bord, bis ein Nachfolger gefunden ist. (dpa/Reuters/abendblatt.de)
Libor, Euribor, Interbankenhandel: Zinssätze für Billionengeschäfte
Die Manipulationsskandale um die Referenz-Zinssätze Libor und Euribor haben das Vertrauen in die Bankenbranche weiter erschüttert. Die Bedeutung der beiden Richtzahlen ist immens: Von ihnen hängen Finanzprodukte im Umfang von mehr als 500 Billionen Euro ab. Eine Begriffsklärung:
Libor (London Interbank Offered Rate):
Der Libor soll den durchschnittlichen Zinssatz angeben, den die Banken für Geldverleih-Geschäfte untereinander verlangen. Er beruht wie sein Gegenstück im Euroraum, der Euribor, aber nicht auf echten Transaktionen. Er wird berechnet aus Schätzungen der 18 weltweit wichtigsten Banken, zu welchen Sätzen sie Geld am Interbankenmarkt aufnehmen können.
Grundlage sind also nicht tatsächliche Zinsen, sondern die Einschätzung der Banken über ihre Finanzierungsbedingungen.
Der Libor wird täglich durch den britischen Bankenverband BBA festgestellt. Die höchsten und niedrigsten Werte werden gestrichen. Das sollte Manipulationen eigentlich ausschließen. Den Libor gibt es seit den 80er Jahren.
Der Referenz-Zinssatz ist ausschlaggebend für die Zinsen von zahlreichen Finanzierungen in Dollar. Darunter Hypotheken, variabel verzinste Immobilien-Kredite oder die Zinsen für Kreditkarten.
Euribor (Euro Interbank Offered Rate):
So wird der durchschnittliche Zinssatz bezeichnet, zu dem 57 europäische Banken einander Anleihen in Euro gewähren. Der Euribor ist die Grundlage für zahlreiche Zinsprodukte, die in Euro laufen. Täglich um 11.00 Uhr werden die Euribor-Werte – 15 verschiedene Euribor-Zinssätze mit unterschiedlichen Laufzeiten – festgesetzt.
43 Institute melden dafür ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken.
Den Euribor gibt es seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. In Deutschland ersetzte er den Fibor (Frankfurt Interbank Offered Rate). Die Höhe der Euribor-Zinssätze wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dazu kommen Faktoren wie etwa das Wirtschaftswachstum, die Höhe der Inflation, die Kreditwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen der Banken sowie das Vertrauen der Verbraucher.
Auf dem Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Institute, die kurzfristig Geld überhaben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Dabei wechseln sich Geber- und Nehmerbanken ab. Der Markt funktioniert nur, wenn sich die Banken gegenseitig vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten.
Das Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 immer wieder gestört. Deswegen sind die Notenbanken immer wieder eingesprungen, um die Geschäftsbanken mit billigem Geld zu versorgen. Zur Jahreswende 2011/2012 pumpte die Europäische Zentralbank rund 1.000 Milliarden Euro in die Geschäftsbanken. (dapd)