25.07.12

Insolventer Versandhändler

Post liefert keine Neckermann-Pakete mehr aus

Nur eine Woche nach der Insolvenzverkündung drückt die Post Neckermann noch tiefer in die Krise. Geschäftsbetrieb ist damit offen.

Foto: dpa/DPA
Neckermann
Ohne Zustellung der Pakete kann der insolvente Versandhändler Neckermann den Geschäftsbetrieb kaum aufrecht erhalten

Düsseldorf. Der Neckermann-Insolvenzvewalter hat eine herbe Schlappe erlitten bei seinen Bemühungen, den Geschäftsbetrieb des Versandhändlers aufrecht zu erhalten. "Der P aketdienst der Deutschen Post hat die Auslieferung von Neckermann-Sendungen bis auf Weiteres gestoppt ", sagte ein Post-Sprecher am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht des Wirtschaftsmagazins "Der Handel". Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen. Insolvenzverwalter Michael Frege wie auch Neckermann wollten zum Auslieferungsstopp keine Stellungnahme abgeben.

Neckermann hat bislang allein über die Post seine Waren den Kunden zugestellt. Durch den Stopp spitzt sich die Lage für Neckermann dramatisch zu, da ohne Versand ein Geschäftsbetrieb nicht aufrecht zu erhalten ist. Insolvenzverwalter Frege hatte vergangene Woche aber genau dies erklärt: "Die Kunden können bei neckermann.de weiter einkaufen."

+++ Neckermann.de-Pleite: Was passiert mit bestellten Waren? +++

+++ Pleite könnte die Gewinne der Deutschen Post kappen +++

Der Versand werde spätestens im Laufe dieser Woche planmäßig erfolgen. Allerdings hatte da schon die Deutsche Post angekündigt, etwaige Auswirkungen der Neckermann-Pleite prüfen zu wollen.

Der traditionsreiche Versandhändler hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet, nachdem der Gesellschafter, der US-Finanzinvestor Sun Capital, den Geldhahn für die nötige Sanierung abgedreht hatte. Damit stehen rund 2000 Arbeitsplätze auf der Kippe. (Reuters/abendblatt.de)

Niedergang von Neckermann – eine Chronologie
Niedergang von Neckermann – eine Chronologie
Neckermann hat am 18. Juli 2012 Insolvenz angemeldet. Damit endet vorläufig eine über 60-jährige Unternehmensgeschichte. Den fetten Jahren folgten Krisenzeiten – eine Übersicht.
1. April 1950: Der Kaufmann Josef Neckermann gründet in Frankfurt/Main die Neckermann Versand KG.
1. Januar 2006: Das Unternehmen wird in "neckermann.de" umbenannt. Damit soll der gewachsenen Bedeutung des Internethandels Rechnung getragen werden.
28. November 2006: Der Handelskonzern Arcandor, zu dem neckermann.de gehört, gibt bekannt, sich von der Versandsparte zu trennen, um sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.
12. Dezember 2007: Mit 51 Prozent geht die Mehrheit der Neckermann-Anteile ohne direkte finanzielle Gegenleistung an den amerikanischen Finanzinvestor Sun Capital Partners.
8. Oktober 2010: Nach der Insolvenz von Arcandor gehen auch die restlichen 49 Prozent Beteiligung an Sun Capital.
27. April 2012: Der Versandhändler kündigt an, den Kataloghandel komplett einzustellen. Zugleich gibt das Unternehmen bekannt, wegen anhaltender Umsatzeinbrüche mehr als jeden zweiten Arbeitsplatz in Deutschland streichen zu wollen. Von gut 2500 Stellen sollen 1380 wegfallen.
10. Mai 2012: Das von der Belegschaft erarbeitete Sanierungskonzept ist endgültig gescheitert. Das geben Arbeitnehmervertreter nach einem Gespräch mit Geschäftsleitung und Eigentümer bekannt.
21. Mai 2012: Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) lehnt staatliche Hilfe für Neckermann ab.
8. Juni 2012: Der Streit um Stellenkürzungen geht in die nächste Runde. Ver.di fordert die Einrichtung einer Transfergesellschaft.
2. Juli 2012: Die Neckermann-Beschäftigten rufen zu einem zweitägigen Streik auf. Damit will ver.di den Druck auf die Geschäftsführung und den Eigentümer Sun Capital erhöhen, die Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungen wieder aufzunehmen. Zugleich äußert die Gewerkschaft Befürchtungen, wonach weitere 1.500 Beschäftigten entlassen werden könnten.
11. Juli 2012: Der Druck auf neckermann.de wächst. Die Verhandlungen in den Einigungsstellen seien endgültig gescheitert, teilt das Unternehmen mit. Dabei geht es um mögliche Abfindungen für von Entlassung bedrohte Mitarbeiter, auf die die Gewerkschaften pochen. Vergeblich: "Die dazu notwendigen finanziellen Mittel sind jedoch nicht vorhanden", teilt Neckermann mit.
18. Juli 2012: Neckermann stellt Insolvenzantrag. Die Verhandlungen über einen Sanierungsplan seien gescheitert, teilen das Unternehmen und die Gewerkschaft in Frankfurt am Main mit. (dapd)
Die größten Versandhändler in Deutschland
Die größten Versandhändler in Deutschland
Online schlägt Katalog: Der reine Internet-Händler Amazon schlägt beim Umsatz die alteingesessenen Versandhäuser in Deutschland – allerdings nur, wenn die Konzernfirmen Bonprix, Heine und Witt nicht zur Otto Group gerechnet werden.
Neckermann belegt nach den Zahlen des EHI Retail Institute für 2010 Platz vier.
1. Amazon (Umsatz 2800 Mio. Euro)
2. Otto Group (2100 Mio. Euro)
3. Weltbild (geschätzt 1150 Mio. Euro)
4. Neckermann (871 Mio. Euro)
5. Conrad Electronic (geschätzt 785 Mio. Euro)
6. Klingel (geschätzt 740 Mio. Euro)
7. QVC (719 Mio. Euro)
8. Heine (666 Mio. Euro)
9. Witt Weiden (603 Mio. Euro)
10. Bonprix (geschätzt 600 Mio. Euro) (dpa)
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