25.07.12ihrPlatz und Schlecker XL
Am Donnerstag beginnt der Ausverkauf in den Drogerien
Auch die insolventen Schlecker-Töchter müssen ihre Warenregale räumen und geben zum Räumungsstart einen Rabatt von 30 Prozent.
Von abendblatt.de
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Die insolventen Schlecker-Töchter IhrPlatz und Schlecker XL geben zum Räumungsstart 30 Prozent Rabatt
Ehingen/Osnabrück. Erst die Mutter, dann die Töchter: Die insolventen Drogerieketten IhrPlatz und Schlecker XL starten den Ausverkauf. Schlecker ist bereits vom Markt verschwunden. IhrPlatz findet derweil weitere Käufer, doch den Namen wird es künftig nicht mehr geben. Ehingen/Osnabrück (dpa) – Die insolventen Drogeriemarktketten IhrPlatz und Schlecker XL ereilt das Schicksal ihres Mutterkonzerns - sie werden bald vom Markt verschwinden. An diesem Donnerstag startet der Ausverkauf in 358 Schlecker-XL- und 367 IhrPlatz-Märkten mit einem Rabatt von 30 Prozent, wie die Schlecker-Insolvenzverwaltung in Ehingen am Mittwoch mitteilte. Die Filialen von Schlecker XL werden im August schließen, hieß es weiter. Von den Preissenkungen ausgenommen seien die Franchise- und Bahnhofsmärkte von IhrPlatz sowie die bereits an Rossmann verkauften Märkte.
Bislang ist der Verkauf von mehr als 200 IhrPlatz-Filialen an mehrere Investoren in trockenen Tüchern. Weitere Übernahmen seien in den nächsten Tagen zu erwarten. Da außer beim Käufer Rossmann nur Interesse an den Räumlichkeiten bestehe, starte auch der Ausverkauf bei IhrPlatz, ließ Insolvenzverwalter Werner Schneider mitteilen. Alle IhrPlatz-Filialen werden umgeflaggt oder eine andere Branche im Einzelhandel bedienen.
Das Bundeskartellamt hat inzwischen Deutschlands zweitgrößter Drogeriemarktkette Rossmann die Übernahme von gut einem Fünftel aller IhrPlatz-Filialen erlaubt. Die Wettbewerbshüter hätten keine Bedingungen zum Einstieg in 104 der insgesamt 490 Läden gestellt, teilte das Unternehmen von Gründer Dirk Roßmann am Mittwoch in Burgwedel bei Hannover mit. Die Bonner Behörde bestätigte dies.
+++ IhrPlatz wird zerlegt – Mäc Geiz, Kik und Co.
greifen zu +++
+++ Insolvenzverwalter ist nicht überrascht von Razzien
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Rossmann konkretisierte auch seine Pläne zur Übernahme von Personal bei IhrPlatz. 1150 Mitarbeiter würden weiterbeschäftigt, 350 mehr als zunächst angekündigt. Rossmann bietet zudem allen IhrPlatz-Auszubildenden an, ihre Ausbildung in der nächstgelegenen Rossmann-Filiale fortzusetzen. Das gelte auch für Auszubildende aus Filialen, die nicht von Rossmann übernommen werden. Welche Standorte genau ins Rossmann-Netz einbezogen werden, will die Firma in den kommenden Tagen mitteilen.
In der vergangenen Woche hatte der Bieterwettstreit um die Reste des insolventen Schlecker-Imperiums neuen Schwung bekommen. Die österreichische MTH-Gruppe (Mäc-Geiz) kauft 109 Geschäfte von IhrPlatz. Die Textildiscounter Kik und NKD haben ebenfalls Interesse, Drogerie-Branchenprimus dm übernahm neun Märkte. Zuletzt arbeiteten gut 4000 Menschen bei IhrPlatz. Durch die im Januar bekanntgewordene Schlecker-Insolvenz verloren bisher 25 000 Beschäftigte ihren Job. (dpa/abendblatt.de)
Der lange Niedergang von Schlecker
Schlecker war einst nach Anzahl der Filialen und Umsatz die größte Drogeriekette Deutschlands. In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen in immer größere Bedrängnis. Im Januar meldete die Firma mit Sitz in Ehingen Unternehmen Insolvenz an. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts auf Untreue und Insolvenzverschleppung aufgenommen. Die Entwicklung bei Schlecker seit Ende 2010:
19. November 2010: Schlecker kündigt Investitionen von 230 Millionen Euro in das Filialnetz an sowie ein "Fit for future"-Programm, mit dem die Märkte freundlicher und einheitlicher gestaltet werden sollen. Damit will das Unternehmen den Umsatzrückgang der vergangenen Jahre stoppen.
12. Juni 2011: Lars Schlecker, der seit 2010 mit seiner Schwester Meike mehr Verantwortung im Unternehmen übernommen hat, kündigt an, dass Schlecker an die zehn Prozent seiner mehr als 8.000 Filialen in Deutschland schließen werde.
19. Dezember 2011: Berichte über finanzielle Schwierigkeiten häufen sich. Die Gewerkschaft ver.di teilt mit, dass Schlecker die Mitarbeiter um einen Beitrag zur Sanierung gebeten habe.
20. Januar 2012: Schlecker kündigt an, sich über ein Insolvenzverfahren sanieren zu wollen.
23. Januar 2012: Schlecker meldet Insolvenz beim Amtsgericht Ulm an. Betroffen sind 5.400 Märkte mit etwa 25.000 Mitarbeitern. Die Auslandsgesellschaften und die Tochter Ihr Platz sind davon zunächst ausgenommen.
26. Januar 2012: Auch Ihr Platz stellt Insolvenzantrag. Betroffen sind rund 670 Filialen und etwa 5.800 Mitarbeiter.
30. Januar 2012: Schlecker gibt die erste Pressekonferenz seit über 20 Jahren. Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz tritt erstmals öffentlich auf.
29. Februar 2012: Geiwitz kündigt härtere Einschnitte an als zunächst gedacht. Er will 2.400 Filialen schließen und 11.750 Mitarbeiter entlassen.
2. März 2012: Auch für die Mitarbeiter von Ihr Platz wird es bitter: 142 Märkte sollen schließen, 908 Stellen wegfallen.
8. März 2012: Geiwitz will einem Zeitungsbericht zufolge bei der staatlichen Förderbank KfW ein Darlehen für die Drogeriekette beantragen.
11. März 2012: Das Bundeswirtschaftsministerium lässt das Darlehen platzen. Schlecker erfülle nicht die Kriterien für einen Kredit der Förderbank, sagt ein Ministeriumssprecher.
17. März 2012: Geiwitz einigt sich mit der Gewerkschaft ver.di auf einen geringeren Stellenabbau als geplant: Demnach sollen 11.200 Mitarbeiter gehen und 2.200 Filialen geschlossen werden.
28. März 2012: Das Amtsgericht Ulm eröffnet offiziell das Insolvenzverfahren.
29. März 2012: Die Finanzierung von Transfergesellschaften, in denen die entlassenen Frauen aufgefangen und weitergebildet werden sollen, ist endgültig vom Tisch. Eine Bürgschaft der Länder für einen 70-Millionen-Euro-Kredit zu deren Gründung scheitert. Geiwitz verschickt kurz darauf die Kündigungsschreiben.
10. April 2012: Zu diesem Zeitpunkt liegen nach Angaben des Insolvenzverwalters sechs Angebote von Investoren vor.
12. April 2012: Die Drogeriemarktkette Rossmann hat nach eigener Angabe von der Pleite des Konkurrenten Schlecker profitiert. Nach der Schlecker-Insolvenz und der folgenden Schließung von über 2.000 Filialen nehme Rossmann mit einem Marktanteil von über 27 Prozent nun den zweiten Platz unter den deutschen Drogeriemarktunternehmen ein, teilte das Unternehmen mit. Branchenprimus bleibt dm.
10. Mai 2012: Die "Wirtschaftswoche" berichtet, dass Ihr Platz einzeln an den Münchener Investor Dubag verkauft wird. Der Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider dementiert: Es werde weiterhin ein Paketverkauf – Schlecker und Ihr Platz gemeinsam - angestrebt.
24. Mai 2012: Medien berichten, dass auch Nicolas Berggruen Interesse an Schlecker hat. Der deutsch-amerikanische Milliardär hatte bereits Karstadt aus der Insolvenz übernommen. Ein Sprecher bestätigt einen Tag später Gespräche mit dem Insolvenzverwalter.
25. Mai 2012: Geiwitz stellt den Investoren nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses ein Ultimatum. Sie sollen innerhalb einer Woche ein für die Gläubiger akzeptables Angebot einreichen. Ansonsten müsse der Betrieb von Schlecker eingestellt werden. Zu dem Zeitpunkt seien noch zwei Interessenten im Rennen.
1. Juni 2012: Der Gläubigerausschuss beschließt in Berlin die Zerschlagung des Konzerns. Über das Schicksal der Schlecker-Töchter Schlecker XL und Ihr Platz sei noch nicht entschieden, heißt es.
8. Juni 2012: Die bereits sicher geglaubte Übernahme der bundesweit rund 800 Ihr-Platz-Filialen und Schlecker-XL-Märkt durch den Finanzinvestor Dubag scheitert am Veto des Warenversicherers Euler Hermes.
11. Juni 2012: Marktführer dm bekundet sein Interesse an Schlecker- oder Ihr-Platz-Filialen in lukrativer Lage und gibt die Übernahme von neun Filialen bekannt.
13. Juni 2012: Nach dem gescheiterten Verkauf der Schlecker-Tochter Ihr Platz kämpft der Münchner Investor Dubag einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge weiter um die verbliebenen 490 Filialen der insolventen Drogeriekette, wo zu diesem Zeitpunkt noch rund 4.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Auch dm sei an der Übernahme von insgesamt 90 Filialen interessiert.
27. Juni 2012: Die verbliebenen rund 2.800 Schlecker-Filialen werden geschlossen, die Beschäftigten zum 1. Juli freigestellt.
28. Juni 2012: Insolvenzverwalter Werner Schneider verkündet das Aus auch für die 350 Schlecker-XL-Märkte mit 1.110 Mitarbeitern. Es gebe keine wirtschaftlich vertretbare Perspektive für deren Weiterführung. Für Ihr Platz würden die Gespräche mit einem Investor fortgesetzt.
2. Juli 2012: Ein Sprecher des Insolvenzverwalters teilt mit, dass überraschend zwei weitere Interessenten für Ihr Platz auf den Plan getreten sind. Dabei soll es sich um ein deutsches Unternehmen und eine Firma "mit multinationalem Hintergrund" handeln. Ungeachtet dessen gehen die Gespräche dem dritten möglichen Investor weiter.
17. Juli 2012: Aus einer Anmeldung beim Bundeskartellamt geht hervor, dass Rossmann 120 der verbliebenen 490 Ihr-Platz-Drogerien übernehmen will.
18. Juli 2012: Auch der Textil-Discounter NKD und die österreichische MTH Retail Group sollen Interesse an Ihr Platz haben.
18. Juli 2012: Mehr als 160 Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchen Wohnungen und Geschäftsräume. Der Verdacht lautet den Angaben zufolge auf "Bankrott, Untreue und Insolvenzverschleppung". Ermittelt wird gegen 14 Personen, nach Medienberichten ist darunter auch der Firmengründer Anton Schlecker. (dapd)
Die Vorwürfe im Schlecker-Ermittlungsverfahren
Anton Schlecker führte sein Drogerie-Imperium als eingetragener Kaufmann (e.K.). Mit dieser Rechtsform gibt es keine Handhabe gegen ihn wegen möglicher Insolvenzverschleppung. Das heißt aber nicht, dass er ungeschoren davonkommt, falls er sich etwas zuschulden kommen ließ. Die Vorwürfe im Ermittlungsverfahren:
Dieser Straftatbestand (Paragraf 15a der Insolvenzordnung) besagt im Kern, dass im Falle einer Firmenpleite Geld- oder Freiheitsstrafen drohen, wenn die Insolvenz "nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig" bei Gericht angezeigt wird. Es gibt jedoch eine Einschränkung: Anders als etwa bei einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft greift das Gesetz nicht für den eingetragenen Kaufmann (e.K.), weil der nämlich keine juristische Person ist. Beim Dachunternehmen Anton Schlecker e.K. ergibt sich somit keine Handhabe, sehr wohl aber bei den Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker XL, die als GmbH & Co. KG beziehungsweise GmbH firmierten.
Dieser Straftatbestand (Paragraf 283 Strafgesetzbuch) hängt eng mit einer Insolvenz zusammen, denn "wer bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit" beispielsweise Werte für die mögliche Insolvenzmasse zur Bedienung der Gläubiger verheimlicht oder verschwinden lässt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. Belangt werden kann auch jemand, der die Bücher einer Firma nicht oder nicht ausreichend führt oder aufbewahrt.
Kann laut Paragraf 266 im Strafgesetzbuch vorliegen, wenn jemand die ihm anvertraute Macht missbraucht und die Pflicht zur Betreuung eines Vermögens verletzt. Bei dem Geschäftsführer einer Firma kann das zum Beispiel der Fall sein, wenn er Firmenvermögen unter Wert verkauft und so nicht den Gegenwert erzielt, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Es drohen fünf Jahre Haft oder Geldstrafen. (dpa)