25.07.12

Kreditwürdigkeit im Visier

US-Ratingagentur Moody's droht Bundesländern

Moody's sorgt erneut für Wirbel: Nach Deutschland drohen jetzt sechs Bundesländer ihre Topbonität zu verlieren. Was sind die Gründe dafür?

Foto: dapd
Die Ratingagentur senkte den Ausblick einiger Bundesländer
Die Serie der Hiobsbotschaften in der Euro-Schuldenkrise reißt nicht ab. Die Warnschüsse der Ratingagentur Moody's richten sich jetzt auch gegen deutsche Bundesländer und den Eurorettungsfonds EFSF

Frankfurt/Main. Rundumschlagschlag der Ratingagentur Moody's: Nicht nur Deutschland, sondern auch sechs Bundesländern drohen schlechtere Noten. Was bedeutet dies für München, Berlin oder Potsdam?

Welche Bundesländer sind im Visier von Moody's?

Moody's bewertet in Deutschland die Kreditwürdigkeit von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Allen sechs verpassen die Bonitätsprüfer nun einen negativen Ausblick. Ihre guten Noten behalten die Länder aber vorerst. Andere Bundesländer lassen sich von den Konkurrenten Standard & Poor's (S&P) und Fitch überprüfen, zum Beispiel Hessen und Rheinland-Pfalz. Nordrhein-Westfalen ist sogar Kunde bei allen drei Agenturen.

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+++ Ratingagentur Moody's droht Deutschland – zu Recht? +++

Wieso brauchen Bayern, Baden-Württemberg und Co. ein Rating?

Die Bundesländer finanzieren sich zu einem großen Teil aus Steuereinnahmen. Daneben leihen sich München, Stuttgart oder Berlin aber auch Geld auf dem Kapitalmarkt. Wie hoch die Zinsen dafür sind, hängt mit vom Urteil der Ratingagenturen ab. "Je mehr Anleihen ein Bundesland begibt, desto wichtiger ist das Rating", heißt es in der Branche.

Warum beschäftigen manche Länder mehrere Agenturen?

Die Gutachten kosten Geld. Nicht jedes Land ist bereit, mehrere Agenturen zu bezahlen. Senkt eine Agentur den Daumen, kann es jedoch von Vorteil sein, wenn das Land auf ein gutes Rating einer anderen Agentur verweisen kann.

Was ist der Grund für die drohende Herabstufung?

Das geschieht Moody's zufolge quasi automatisch wegen der großen Abhängigkeiten zwischen Bund und Ländern. Sie sind eng miteinander verflochten und stehen im Notfall füreinander ein – Moody's hatte am Tag zuvor mit einem schlechteren Ausblick für Deutschland für Wirbel gesorgt. Nicht alle Länder haben die gleiche Note. Bayern und Baden-Württemberg glänzen derzeit noch mit der Bestnote von "Aaa" - wie auch die Bundesrepublik als Ganzes. Die anderen Bundesländer bewertet Moody's dagegen mit "Aa1" etwas schlechter.

Welches Gewicht haben die Urteile der Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten, ob Unternehmen oder Staaten geliehenes Geld zurückzahlen können – und zwar pünktlich und vollständig. Davon hängt die Bonität des Schuldners ab, also gewissermaßen sein Ansehen bei Gläubigern. Auch wenn die Ratingagenturen nicht immer richtig liegen, hat ihr Urteil großes Gewicht. Die Faustregel besagt: Je besser die Note für die Kreditwürdigkeit, desto billiger kommt ein Land oder ein Unternehmen an Geld.

Gilt diese Faustregel immer?

Nein: Die USA haben trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, zu niedrigen Zinsen Geld aufzunehmen. Ein Grund ist, dass viele Investoren angesichts der Schuldenkrise in Europa nicht wissen, wohin mit ihren Milliarden. Nach der Moody's-Drohung könnten die Kreditkosten für Deutschland und die sechs Bundesländer steigen. Doch ist sich beispielsweise Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) sicher, dass Potsdam ein verlässlicher Partner am Kapitalmarkt bleibe.

Drei US-Ratingagenturen beherrschen den Markt
Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten:
Standard & Poor's (S&P): Der Ratingriese ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill – ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt. An McGraw-Hill wiederum sind große Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw. Bis Ende 2012 soll der US-Konzern aufgespalten werden in eine Bildungs- und eine Finanzmarktsparte, zu der dann auch S&P gehört.
Moody's: Der härteste Konkurrent von S&P ist selbst börsennotiert. Anteile halten bekannte, eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf mehr als zehn Prozent der Moody's-Anteile kommt. Als S&P Anfang August die Kreditwürdigkeit der USA von der Topnote AAA auf AA herabstufte, kritisierte Buffett dies scharf. Moody's blieb zunächst bei der Top-Note.
Fitch: Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US-amerikanischen Gründer zurück, gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac. Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst ("Cosmopolitan", "Elle", ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière. Fitch sitzt in New York und London. (dpa)
Die Buchstabencodes der Ratingagenturen
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreich auf den Finanzmärkten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Hauptgeschäft ist jedoch die Bewertung einzelner Wertpapiere. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt beispielsweise bei S&P und Fitch mit der Bestnote AAA (englisch: "Triple A"), bei Moody's mit Aaa. Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch "Ramsch" genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist.
Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen meist über eine Veränderung des Ausblicks ("Outlook") an. Dafür gibt es die Stufen "positiv", "stabil" und "negativ". Anstelle des Ausblicks gibt es bei S&P auch die etwas schärfere Kategorie "CreditWatch", eine Art Beobachtungsliste. Dabei geht es um eine kurzfristigere Überprüfung. Bei der jüngsten Einschätzung der Euro-Länder ging es genau um diesen Punkt.
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Für Investitionen in Staatsanleihen gilt dies jedoch nur eingeschränkt, da es zum Beispiel wegen der Größe des Marktes zu Papieren wie US-Treasuries keine gleichwertigen Alternativen gibt.
So funktionieren Ratingagenturen
AAA: Steht für "Beste Qualität und geringste Ausfallwahrscheinlichkeit.
AA: Hohe Qualität. Hohe Fähigkeit den laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
A: Angemessene Deckung von Zins und Tilgung. Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld können sich aber negativ auswirken.
BBB: Aktuell erscheinen Zins und Tilgung gedeckt. Aber mangelnder Schutz gegen wirtschaftliche Veränderungen.
BB: Enthält spekulative Elemente. Bedienung der Anleihe nur gesichert, wenn das wirtschaftliche Umfeld stabil bleibt oder sich verbessert.
B: Auf lange Sicht nur geringe Sicherung von Zins und Tilgung: hat nicht die Charakteristika eines dauerhaften Investments.
CCC: Ein Zahlungsaufall ist während der Laufzeit wahrscheinlich
CC: Hochgradig spekulativ, akute Gefahr des Zahlungsverzugs
C: Bei Moody's: Im Zahlungsverzug
DDD/DD/D: Bei Fitch und S&P: Gläubiger befindet sich im Zahlungsverschub
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