25.07.12

Euro-Krise

Bundesländer und Euro-Rettungsschirm unter Druck

Agentur Moody's prüft jetzt auch deutsche Bundesländer und den EFSF-Fonds. Ökonomen warnen – Politiker kritisieren Ratingagenturen.

Foto: dpa/DPA
Deutschland droht Verlust des Spitzenratings
Die schlechten Botschaften reißen nicht ab: Nach Deutschland nimmt die Ratingagentur Moody's auch einzelne Bundesländer und den Rettungsfonds der EU ins Visier

Frankfurt/Berlin. Paukenschlag auf Paukenschlag in der europäischen Finanz- und Schuldenkrise: Nach dem Warnschuss für Deutschland hat die US-Ratingagentur Moody's auch die sehr gute Bonität einzelner Bundesländer und des Euro-Rettungsschirms EFSF in Zweifel gezogen . Eine Gruppe internationaler Wirtschaftsexperten sieht Europa vor dem Abgrund. "Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu", heißt es in dem Appell von 17 Ökonomen. Berlin wies die Warnungen am Mittwoch zurück: Vieles sei schon getan. Die EU-Kommission kritisierte die Rolle der Ratingagenturen.

Die Überprüfung der Länderratings erfolgt laut Moody's, weil Bund und Länder eng verflochten sind und im Notfall füreinander einstehen. Die gegenseitige Abhängigkeit gilt auch für den Rettungsfonds EFSF. Aus den Bundesländern kam heftige Kritik an dem Warnschuss, EFSF-Chef Klaus Regling reagierte gelassen.

+++ Moodys's senkt Ausblick – Hamburg nicht dabei +++

+++ Moody's droht Bundesländern: Fragen & Antworten +++

Moody's senkte den Ausblick von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt von "stabil" auf "negativ ". Die Bundesländer, die als einzige von Moody's bewertet werden, besitzen sehr gute Ratings, Bayern und Baden-Württemberg sogar die Bestnote von "Aaa" – wie auch die Bundesrepublik als Ganzes.

+++ Stabilitätsanker Deutschland könnte Topnote verlieren +++

+++ Ratingagentur Moody's droht Deutschland – zu Recht? +++

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sagte: "Die bayerischen Finanzen sind top. Wir zahlen sogar Schulden zurück." Es sei aber ein Alarmsignal, zwar nicht für Bayern, sondern für Europa. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) kritisierte in der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch): "Aus meiner Sicht sollten sich die Ratingagenturen um sich selbst kümmern und nicht um die Dinge, die intakt sind." Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) verwies darauf, Brandenburg sei eines von vier Bundesländern, die 2011 einen Jahresabschluss ohne Neuverschuldung vorlegen konnten.

EFSF-Chef Regling sagte in Luxemburg, "der negative Ausblick wiegt nicht die Tatsache auf, dass der EFSF trotz der unsteten Märkte ein etablierter und vertrauenswürdiger Emittent ist". Der Rettungsschirm besitzt wie Deutschland bislang noch die Rating-Bestnote von "Aaa". Der Krisenfonds gibt im Notfall an den Finanzmärkten Anleihen heraus, für welche die Euro-Länder garantieren. Diese Gelder werden dann als Kredite an bedürftige Staaten verzinst weitergegeben. Bisher profitieren Portugal, Irland und Griechenland von den Hilfen. Zypern sowie Spanien für die Banken haben Kredite beantragt.

+++ Warum Zinsen auch ohne "AAA" niedrig sein können +++

Entscheidet sich Moody's am Ende tatsächlich für eine Abstufung, würde dies eine Kettenreaktion in Gang setzen. Auch Banken müssten dann mit schlechteren Ratings rechnen – genauso wie Staatsfirmen, die am Kapitalmarkt agieren. Moody's überprüft momentan auch die Ratings der Deutschen Flugsicherung und der Deutschen Bahn. Auch die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) – die Resterampe der gestrauchelten WestLB - könnte im Verbund mit Nordrhein-Westfalen abgestuft werden.

Moody's hatte am Montag angekündigt, die Spitzenratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg unter die Lupe zu nehmen. Die Ratingagentur fürchtet, dass die wirtschaftlich starken Staaten weitere Lasten schultern müssen für die in Not geratenen Euroländer.

Eine Abstufung ist jedoch keineswegs eine ausgemachte Sache. Auch die führende Ratingagentur Standard & Poor's hatte vor einigen Monaten die Spitzenbonität Deutschlands infrage gestellt. Letztlich blieb die Note aber unangetastet.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding kritisierte: "Es ist doch interessant, dass immer dann, wenn sich die haushaltspolitische Lage in den USA verschlechtert, bestimmte Rating-Agenturen Europa ins Rampenlicht rücken." Der Markt wird von den drei großen in den USA ansässigen Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch dominiert.

+++ Moody's senkt Ausblick für Deutschland auf "negativ" +++

Die 17 Ökonomen – darunter die beiden Wirtschaftsweisen Lars Feld und Peter Bofinger sowie der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower – verlangten unterdessen, die Konstruktionsfehler der Währungsunion zu beseitigen, um das Vertrauen in den Euro zurückzugewinnen.

Die Beseitigung der Altlasten – also der Schuldenkrise – müsse noch stärker als bisher von allen Euro-Ländern gemeinsam getragen werden, heißt es in der Studie "Aus der Sackgasse – Ein Weg aus der Krise", die vom US-Institute for New Economic Thinking veröffentlicht wurde. Eine langfristige Transferunion lehnen die Ökonomen dagegen ebenso ab wie Eurobonds. Unentbehrlich sei aber auch ein geordneter Abwicklungsmechanismus für den Austritt von Staaten, die den Anforderungen des Fiskalvertrages nicht gerecht würden.

Die Bundesregierung hielt dagegen: "Die Einschätzung, dass Europa an der Schwelle zu einer Katastrophe steht, wird von der Bundesregierung ausdrücklich nicht geteilt", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. "Vieles ist ja auch schon erreicht", sagte er. "Die Verschärfung des Stabilitätspaktes und der Fiskalpakt sind nur Beispiele dafür."

Der Wirtschaftsweise Feld bezifferte die kurzfristigen Kosten eines Euro-Zusammenbruchs für Deutschland mit über drei Billionen Euro. "Hinzu kämen die Kosten eines Wirtschaftseinbruchs wie nach der Lehman-Pleite 2008", sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwoch).

Drei US-Ratingagenturen beherrschen den Markt
Drei Ratingagenturen mit langer Geschichte und US-amerikanischen Wurzeln beherrschen den weltweiten Markt für die Benotung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten:
Standard & Poor's (S&P): Der Ratingriese ist Teil des Gemischtwarenladens McGraw-Hill – ein börsennotierter Medienkonzern, der unter anderem Schulbücher verlegt. An McGraw-Hill wiederum sind große Investmentfonds beteiligt sowie Unternehmenschef Harold McGraw. Bis Ende 2012 soll der US-Konzern aufgespalten werden in eine Bildungs- und eine Finanzmarktsparte, zu der dann auch S&P gehört.
Moody's: Der härteste Konkurrent von S&P ist selbst börsennotiert. Anteile halten bekannte, eher unauffällige Investmentfonds, aber auch Investoren-Legende Warren Buffett, der mit seiner Firma Berkshire Hathaway auf mehr als zehn Prozent der Moody's-Anteile kommt. Als S&P Anfang August die Kreditwürdigkeit der USA von der Topnote AAA auf AA herabstufte, kritisierte Buffett dies scharf. Moody's blieb zunächst bei der Top-Note.
Fitch: Die kleinere Nummer drei geht ebenfalls auf einen US-amerikanischen Gründer zurück, gehört heute aber zu 60 Prozent dem börsennotierten französischen Finanzinvestor Fimalac. Die restlichen Anteile hält der US-Medienkonzern Hearst ("Cosmopolitan", "Elle", ESPN). Hinter Fimalac steht der in Frankreich weit vernetzte Geschäftsmann und Unternehmer Marc Ladreit de Lacharrière. Fitch sitzt in New York und London. (dpa)
Die Buchstabencodes der Ratingagenturen
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreich auf den Finanzmärkten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Hauptgeschäft ist jedoch die Bewertung einzelner Wertpapiere. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt beispielsweise bei S&P und Fitch mit der Bestnote AAA (englisch: "Triple A"), bei Moody's mit Aaa. Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch "Ramsch" genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist.
Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen meist über eine Veränderung des Ausblicks ("Outlook") an. Dafür gibt es die Stufen "positiv", "stabil" und "negativ". Anstelle des Ausblicks gibt es bei S&P auch die etwas schärfere Kategorie "CreditWatch", eine Art Beobachtungsliste. Dabei geht es um eine kurzfristigere Überprüfung. Bei der jüngsten Einschätzung der Euro-Länder ging es genau um diesen Punkt.
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Für Investitionen in Staatsanleihen gilt dies jedoch nur eingeschränkt, da es zum Beispiel wegen der Größe des Marktes zu Papieren wie US-Treasuries keine gleichwertigen Alternativen gibt.
So funktionieren Ratingagenturen
AAA: Steht für "Beste Qualität und geringste Ausfallwahrscheinlichkeit.
AA: Hohe Qualität. Hohe Fähigkeit den laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
A: Angemessene Deckung von Zins und Tilgung. Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld können sich aber negativ auswirken.
BBB: Aktuell erscheinen Zins und Tilgung gedeckt. Aber mangelnder Schutz gegen wirtschaftliche Veränderungen.
BB: Enthält spekulative Elemente. Bedienung der Anleihe nur gesichert, wenn das wirtschaftliche Umfeld stabil bleibt oder sich verbessert.
B: Auf lange Sicht nur geringe Sicherung von Zins und Tilgung: hat nicht die Charakteristika eines dauerhaften Investments.
CCC: Ein Zahlungsaufall ist während der Laufzeit wahrscheinlich
CC: Hochgradig spekulativ, akute Gefahr des Zahlungsverzugs
C: Bei Moody's: Im Zahlungsverzug
DDD/DD/D: Bei Fitch und S&P: Gläubiger befindet sich im Zahlungsverschub
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Fussball
22.05.13HSV
Aus für Arnesen offiziell - Schmadtke neuer Favorit

Der HSV-Aufsichtsrat hat die Entlassung des Sportchefs beschlossen. Nachdem Andreas Rettig absagte, ist nun Jörg Schmadtke neuer Favorit auf den Posten. mehr...


2011 sicherte sich das ZDF-„heute-journal“ mit Claus Kleber die Zukunft: „heute journal plus“ ist die Internetvariante des Nachrichtenmagazins
22.05.13Kollegenschelte
Claus Kleber lästert über die "Tagesschau"

Der Chef des "heute-journals", Claus Kleber, und Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert halten das Konzept der "Tagesschau" für veraltet. Junge Leute brauchen die Sendung so nicht, finden sie. mehr...


Abgeblasen. Das Verteidigungsministerium hat die Entwicklung des Dronenprojekts „Euro Hawk“ gestoppt. Der Schaden geht in die Milliarden
22.05.13Euro Hawk
Ein Problem, so groß wie die Elbphilharmonie

Der Verteidigungsminister bricht sein Schweigen zum gescheiterten Drohnenprojekt Euro Hawk und verspricht Transparenz. Doch die verlorenen Millionen der Steuerzahler bringt das nicht zurück. mehr...

Menschenleeres Freibad
22.05.13Wetter
Schietwetter: Freibäder machen schon wieder dicht

Die Anlagen in Hamburg leiden unter dem anhaltenden schlechten Wetter. Die Feuerwehr rückte zu rund 100 Einsätzen aus, um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen abzupumpen. In Winterhude lief… mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Sport
Wer wird neuer Sportchef beim HSV?

Wer wird neuer Sportchef beim HSV?mehr »

Top Bildergalerien mehr
Hamburg

Starkregen verursacht zahlreiche Schäden

Offiziell eingeweiht

Bildungszentrum in Wilhelmsburg eröffnet

Monster-Tornado in Oklahoma

Handball

HSV Hamburg schlägt die Füchse Berlin

tb_top_arbeitgeber.jpg
Hamburgs Beste Arbeitgebe…

Erfahren Sie hier mehr über die Preisträger 2013!mehr

tb_umweltp.gif
UmweltPartnerschaft

Lernen Sie hier die UmweltPartner in Hamburg kennen!mehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr