Machtkampf um Baumarktkette
Neuer Investor Vedder bietet Praktiker Millionen
Finanzinvestor bietet klammer Baumarktkette alternatives Finanzierungsmodell. Noch kein Kontakt zum Praktiker-Vorstand um Kay Hafner.
Hamburg/Kirkel/Berlin. Der Finanzinvestor Clemens Vedder hat die angeschlagene Baumarktkette Praktiker im Visier: Vedder bietet bis zu 100 Millionen Euro zur Sanierung von Praktiker an. "Ich bin überzeugt davon, dass die Restrukturierung von Praktiker erfolgreich umgesetzt und das Unternehmen wieder in die Gewinnzone geführt werden kann", erklärte Vedder am Mittwoch in Berlin. Er will sich aber nicht auf die Rolle des Kreditgebers beschränken, sondern "die Restrukturierung aktiv begleiten".
Den bisher vom Praktiker-Vorstand geplanten Einstieg des US-Finanzinvestors Anchorage, der einen mit 17 Prozent verzinsten Kredit über 85 Millionen Euro zugesagt hat, kritisierte Vedder. Er ist nach Angaben eines Sprecher bereit, über seinen Fonds, die Goldsmith Gruppe, bis zu 100 Millionen Euro in Praktiker zu stecken, zu günstigeren Bedingungen als Anchorage.
+++ Praktiker startet Sanierung – Lüneburg ist Vorreiter +++
+++ Finanzinvestor Vedder prüft Einstieg bei Praktiker +++
Praktiker war wegen seiner jahrelangen Billigstrategie ("20 Prozent auf alles") und Missmanagements tief in die roten Zahlen gerutscht. 2011 machte das Unternehmen mehr als 500 Millionen Euro Verlust. Die Baumarktkette ist hoch verschuldet und ringt ums Überleben. Zur Sanierung braucht sie aber frisches Geld.
Vedder gilt als erfahrener Investor, der bereits bei der Commerzbank, der früheren Supermarktkette Spar und anderen Firmen stark aktiv war. In Presseberichten wurde er als Firmenjäger bezeichnet, der unterbewertete Unternehmen findet und die Werte hebt.
Nach Angaben des Sprechers hat Vedder bisher keinen Kontakt zum Praktiker-Vorstand um den Vorsitzenden Kay Hafner. Auch der Vertreterin der Großaktionäre Isabella de Krassny, einer Gegnerin von Anchorage, habe er sein Finanzierungsmodell nicht vorgestellt. Über die genauen Eckpunkte seines Angebotes machte der Vedder-Sprecher keine Angaben. Praktiker legt am Donnerstag (26. Juli) Geschäftszahlen vor.
Auf der Hauptversammlung Anfang Juli hatte ein Sanierungskonzept von Hafner eine Mehrheit gefunden , das eine Kapitalerhöhung von 60 Millionen Euro bis Jahresende vorsieht. Außerdem hat Hafner der Baumarktkette ein Darlehen von 85 Millionen Euro vom US-Investmenthaus Anchorage gesichert. Insgesamt kostet der Sanierungsplan laut Vorstand 160 Millionen Euro. Das Management hatte den Aktionären mit Insolvenz gedroht, falls der Sanierungsplan nicht vollständig genehmigt würde.
+++ Kompromiss im Machtkampf bei Praktiker +++
+++ Max Bahr soll Mutterkonzern Praktiker retten +++
Nun sollen unprofitable Märkte geschlossen werden. Vor allem aber setzt der Konzern auf den Ausbau der höherpreisigen Schwestermarke Max Bahr, die schwarze Zahlen schreibt. 120 der 234 Praktiker-Märkte sollen auf die Marke Max Bahr umgestellt werden, die bisher vor allem in Norddeutschland präsent ist. Beim Umzug der Konzernzentrale nach Hamburg sollen 200 Arbeitsplätze wegfallen.
De Krassny von der Wiener Bank Semper Constantia und andere Aktionärsvertreter kritisierten vor allem den geplanten Einstieg von Anchorage. Der Investor soll 17 Prozent Zinsen für das Darlehen erhalten sowie als Sicherheit die profitable Praktiker-Tochter Max Bahr mit 78 Filialen. Der Vorstand setzt den Wert von Max Bahr mit 112 Millionen Euro an, der Kredit beträgt aber nur 85 Millionen Euro. Kritiker sehen die Gefahr, dass Anchorage Praktiker gezielt in die Insolvenz führen könnte, um sich dann Max Bar zu schnappen.

















