25.07.12Studie
Millionen Bankkunden wollen Institut wechseln
Gerade die Angebote von Großbanken erfüllen selten die Bedürfnisse. Mit Blick auf Basel III werden Privatkunden aber immer wichtiger.
Von abendblatt.de
Foto: dpa
Unzufrieden mit Leistung und Angebot der eigenen Bank: Mehr als 40 Prozent der Kunden von Großbanken sind wechselwillig. Bei Direktbanken würden nur 20 Prozent den Anbieter wechseln
München.
Millionen deutscher Bank- und Sparkassenkunden sind nach einer neuen Studie so
unzufrieden mit ihrem Geldinstitut
, dass sie über einen Wechsel nachdenken. Besonders kritisch ist die Lage bei den Großbanken. Mehr als 40 Prozent der Kunden würden nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Bain & Company unter fast 3000 Bundesbürgern ihr Institut für ein besseres Konkurrenzangebot verlassen.
Bei Sparkassen, Genossenschafts- und Direktbanken liegt dieser Anteil bei rund 30 Prozent. Am loyalsten sind die Kunden von Direktbanken, bei denen nur etwas über 20 Prozent wechselwillig sind.
+++ Banken berechnen Kunden häufig zu hohe Dispozinsen
+++
+++ Jeder zweite Anleger hat schlechte Erfahrungen
gemacht +++
"Es klafft eine enorme
Lücke zwischen den eigentlichen Bedürfnissen der Kunden und dem tatsächlichen Angebot
", sagte Bain-Bankenexperte Walter Sinn am Mittwoch in München. Nach seinen Angaben ergab die Umfrage, dass die Kunden "eine qualitativ gute und vertrauensvolle Beratung, einhergehend mit zuverlässigem und empathischem Service" suchen.
+++Kundenfreundlichkeit
bei Banken unterentwickelt +++
Viele Banken dagegen setzen nach seiner Beobachtung auf Automatisierung und das Ankurbeln von Neugeschäft mit "temporär günstigen Gebühren oder befristet hohen Guthabenzinsen".
+++ Bankenverband will Basel-III-Start verschieben +++
Die geringe Akzeptanz trifft die Banken zu einer Zeit, in der das Geschäft mit den Privatkunden eine wieder größere Rolle spielt. Durch die
künftig höheren Eigenkapitalanforderungen
(Basel III) gelten die Einlagen der Kunden als stabile Refinanzierungsquelle. Die Unzufriedenheit der Kunden komme also zur Unzeit, stellt die Bain-Studie fest. (dapd/abendblatt.de)
Umfrage: Jeder vierte Verbraucher überzieht das Girokonto
Knapp jeder vierte Volljährige (24 Prozent) in Deutschland ist laut einer Umfrage in diesem Jahr schon einmal mit dem Girokonto ins Minus gerutscht.
Dabei überzogen weniger Bankkunden in Ostdeutschland (21 Prozent) das Konto als im Westen (24 Prozent), wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung für das Bundesverbraucherministerium hervorgeht.
Überdurchschnittlich oft kam dies bei 30- bis 44-Jährigen mit 32 Prozent vor sowie häufiger bei Männern (26 Prozent) als bei Frauen (21 Prozent).
Vom Dispokredit stärker Gebrauch machen laut Umfrage zudem Menschen mit einem höheren Nettoeinkommen von 3000 Euro im Monat oder mehr (31 Prozent). (dpa)
Dispozinsen: Überziehungskredit selten verhandelbar
Der Dispokredit ist in der Regel der teuerste Kredit von einer Bank.
Nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums müssen Kunden im Durchschnitt 11 bis 12 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie ihr Girokonto überziehen.
Und das ist meist zu akzeptieren: "Verhandeln kann man über den Zinssatz als normaler Kunde eigentlich nicht", erklärt Max Herbst von der FMH Finanzberatung in Frankfurt.
Lediglich äußerst guten Kunden räumten Banken mitunter einen Nachlass ein. Normale Verbraucher sollten daher vergleichen.
Denn laut FMH verlangen viele Banken weniger als zehn Prozent Zinsen für einen Überziehungskredit. Solch günstige Angebote reduzieren die Kosten.
Beispiel: Bei einer teuren Bank müssen Kunden 12,5 Prozent für ihren Überziehungskredit zahlen. "Ist ein Kunde mit 500 Euro im Dispo, muss er dafür im Monat 5,21 Euro Zinsen zahlen", rechnet Herbst vor. Eine günstige Bank verlangt hingegen nur 5,25 Prozent Zinsen. "Der Kunde muss in diesem Fall nur 2,19 Euro Zinsen im Monat zahlen."
Generell sollten Kunden den Dispokredit aber immer nur vorübergehen nutzen. "Wer ständig im Minus lebt, hat etwas falsch gemacht", sagt Herbst.
Wem die hohen Dispozinsen seiner Bank dennoch ein Dorn im Auge sind, könne zu einem anderen Institut wechseln.
"Dabei sollte man allerdings immer das Gesamtangebot im Auge behalten", erklärt Herbst. Denn niedrige Kontoführungsgebühren, kostenlose Kreditkarten oder viele Geldautomaten seien ebenfalls wichtige Kriterien. (dpa)