19.07.12EU-Finanzkrise
Weltbank sieht Gefahr globaler Rezession
Die Schuldenkrise in Europa könnte weltweit eine Rezession auslösen, warnt der neue Weltbank-Chef Kim. Kampf gegen Armut gefährdet.
Von abendblatt.de
Foto: dpa
Weltbank-Präsident Jim Yong Kim sieht Gefahr globaler Rezession: "Was heute in Europa passiert, betrifft den Fischer im Senegal ebenso wie den Software-Programmierer in Indien"
Washington.
Die Weltbank fürchtet eine globale Rezession als Folge der europäischen Schuldenmisere. Eine große Krise in Europa könnte die Wirtschaftsleistung der Entwicklungs- und Schwellenländer um vier Prozent schrumpfen lassen, sagte der
neue Weltbank-Präsident Jim Yong Kim
am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington. "Das ist genug, um überall eine tiefe Rezession auszulösen", warnte er.
Selbst wenn die europäische Krise eingedämmt werden sollte, könnte sich das Wachstum in den meisten Weltregionen um bis zu 1,5 Prozent verringern. "Um es ganz deutlich zu sagen: Was heute in Europa passiert, betrifft den Fischer im Senegal ebenso wie den Software-Programmierer in Indien", erklärte Kim in seiner ersten öffentlichen Rede an der Spitze der multilateralen Entwicklungshilfeorganisation. Das gefährde die jüngsten Fortschritte im globalen Kampf gegen die Armut.
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Der Weltbank-Chef zeigte sich aber ermutigt von den jüngsten Schritten der Europäer in Richtung einer gemeinsamen Haushaltspolitik und Bankenunion. Positiv sei auch, dass mehrere Länder der 20 größten Industrie- und Schwellenstaaten (G-20) im Kampf gegen die Krise dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt hätten.
Kim steht seit Anfang Juli an der Spitze der Weltbank, einer der wichtigsten internationalen Institutionen zur Bekämpfung von Armut. (dapd/abendblatt.de)
Die Weltbank ist wie der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen.
Beide wurden bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire im Juli 1944 gegründet.
Der Entwicklungsorganisation mit Sitz in Washington gehören heute 187 Staaten an.
Die Weltbank ist weltweit an Projekten zur Armuts- und Korruptionsbekämpfung beteiligt.
Sie vergibt Mikrokredite, fördert Projekte zur Verbesserung der Schulbildung und der Krankenversorgung und leistet Hilfe beim Wiederaufbau nach Naturkatastrophen.
An ihrer Spitze steht traditionell ein US-Bürger, während der IWF von einem Europäer geleitet wird.
Seit 2007 ist Robert Zoellick Präsident der Weltbank.
Seine Amtszeit endet im Juni. Die USA haben den Arzt Jim Yong Kim als Nachfolger nominiert.
Die Wahl steht kommende Woche an.
Die Weltbank besteht aus fünf Organisationen.
Die wichtigsten sind die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (nach ihrem englischen Namen IBRD abgekürzt und gemeinhin als Weltbank bezeichnet) und die Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA).
Die IBRD vergibt Kredite an Mitgliedsstaaten, während die IDA vor allem Projekte der Entwicklungshilfe finanziert.
Weitere Organisationen sind die Internationale Finanz-Gesellschaft (IFC), die Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (MIGA) und das Internationale Zentrum zur Schlichtung von Investitionsstreitigkeiten
Die bisherigen Präsidenten der Weltbank
Eugene Meyer
, Juni bis Dezember 1946
John McCloy
, März 1947 bis Juni 1949
Eugene Black
, Juli 1949 bis Dezember 1962
George Woods
, Januar 1963 bis März 1968
Robert McNamara
, April 1968 bis Juni 1981
Alden Clausen
, Juli 1981 bis Juni 1986
Barber Conable
, Juli 1986 bis August 1991
Lewis Preston
, September 1991 bis Mai 1995
James Wolfensohn
, Juni 1995 bis Mai 2005
Paul Wolfowitz
, Juni 2005 bis Juni 2007
Robert Zoellick
, Juni 2007 bis Juli 2012