17.07.12Bausparverträge
Warentest: Gute Beratung ist häufig ein Glücksfall
Verbraucher sollten sich nicht auf den Bankberater verlassen, so Stiftung Warentest. Private Bausparkassen wollen Mängel rasch beheben.
Von abendblatt.de
Foto: dapd/DAPD
Die Prüfer der Stiftung Warentest hatten sich bundesweit in 154 Beratungsgesprächen Angebote für eine geplante Modernisierung vorlegen lassen
Berlin. Verbraucher werden von Bausparkassen oft schlecht beraten. Das ist das Untersuchungsergebniss von Stiftung Warentest. Fast die Hälfte der 154 Beratungen von Testkunden bewertete die Stiftung zwar mit gut oder sehr gut – zugleich fiel aber knapp jede vierte Beratung mangelhaft aus.
"Die Zahl der Fehlberatungen ist erschreckend", sagte Stephan Kühnlenz, Teamleiter Finanzdienstleistungen bei der Stiftung, am Dienstag in Berlin. Der Verband der Privaten Bausparkassen sagte zu, etwaige Mängel so rasch wie möglich beseitigen zu wollen.
+++ Bausparkassen beraten Kunden oft mangelhaft +++
+++ Wer jetzt baut, profitiert von Niedrigzinsen +++
Die Verbraucherschützer kritisierten, dass mitunter die Spar- oder Darlehensrate für den Kunden zu hoch gewesen sei. Auch hätten Berater manchmal einen falschen Tarif gewählt, so dass das Angebot zu teuer geworden sei.
"Gute Beratung wird so zum Glücksfall", monierte "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Von den 22 Bausparkassen im Test hätten sich 18 mindestens eine Fehlberatung geleistet. Problematisch sei dabei vor allem gewesen, dass häufig das Angebot nicht zu den Zielen des Kunden gepasst habe.
Von Januar bis April dieses Jahres waren den Angaben zufolge Tester in jeweils sieben Filialen von 22 Bausparkassen unterwegs.
Der Verband der privaten Bausparkassen kündigte an, mögliche Mängel bei der Kundenberatung schnell anzugehen. "Selbstverständlich können wir nicht mit allen Ergebnissen des Tests zufrieden sein", hieß es in einer Mitteilung am Dienstag. Man werde die Hinweise nun genau analysieren.
Nicht nachvollziehbar sei allerdings, dass schon eine einzige von zehn Einzelnoten einer ansonsten guten bis befriedigenden Beratung zu einer schlechten Gesamtbewertung habe führen können. Der Verband erklärte jedoch: "Dort, wo offensichtlich Mängel aufgetreten sind, werden die Bausparkassen alles tun, um diese zu beseitigen." Die hohe Produktqualität müsse überall mit einer hohen Beratungsqualität "Hand in Hand gehen". (dpa/abendblatt.de)
Was bedeutet Bausparen eigentlich?
Bausparen hat zum Ziel, Eigenkapital für einen Haus-, Wohnungskauf oder eine Renovierung zu bilden.
Dafür gibt es Bausparkassen, bei denen viele Sparer ihre Beiträge einzahlen und so eine Zweckspargemeinschaft bilden.
Ziel ist es, dem einzelnen Sparer ein möglichst zinsgünstiges Darlehen zu ermöglichen.
Der monatliche Sparbeitrag richtet sich nach der Bausparsumme, die im Vertrag vereinbart wird.
Allerdings müssen Bausparer eine bestimmte Zeit warten und sparen, bis der Vertrag "zuteilungsreif" ist.
Dies ist in der Regel der Fall, wenn je nach Tarif 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme angespart sind und der Vertrag eine angemessene Zeit besteht. (dpa)
Der richtige Bausparvertrag: Darauf müssen Kunden achten
Üppige Darlehen, zu hohe Raten oder falsche Tarife: Bei Bausparkassen werden Kunden mitunter schlecht beraten. Doch mit der richtigen Strategie können Verbraucher trotzdem ein passendes Angebot finden. Dafür müssen sie sich aber vorbereiten.
Egal ob ein neues Dach oder eine moderne Heizung – Arbeiten am eigenen Hauses können teuer werden. "Für solche Fälle lohnt sich ein Bausparvertrag", sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen. Zwar seien die Guthabenzinsen niedrig. Doch am Ende der Laufzeit erhalte der Sparer nicht nur sein Guthaben, sondern auch einen günstigen Kredit.
Auf die Beratung sollten sich Kunden aber vorbereiten. Denn laut Stiftung Warentest gibt es hier oft Mängel. Worauf kommt es an? Einige Tipps:
Bevor Kunden in die Filiale einer Bausparkasse gehen, sollten sie überlegen, welche Modernisierungsarbeiten in Zukunft anfallen könnten. Daraus ergibt sich in etwa der Bedarf. "Die Bausparsumme sollte auf jeden Fall passend sein", erklärt Schwarz. Angeboten würden häufig Bausparverträge über 50.000 Euro oder 80.000 Euro. "In vielen Fällen reichen aber schon 25.000 Euro aus."
Bausparverträge sind langfristig angelegt. "Man braucht mindestens sieben Jahre, um ein ansehnliches Guthaben anzusparen", sagt Schwarz. Die Sparrate sollte so gewählt werden, dass sie in dieser Zeit nicht zur Belastung für die Haushaltskasse wird. "Kunden sollten sich selbst eine Höchstgrenze setzen."
Die eigenen Überlegungen sollten dem Berater genau beschrieben werden. "Sonst bekommen Sie ein Angebot, dass sie gar nicht wollten", sagt Schwarz. Kunden sollten sich dann einen Spar- und Tilgungsplan erstellen lassen. "Darin muss aufgeführt sein, welche Sparrate die Bausparkasse empfiehlt, wie hoch der Guthabenzins ist und wann die Zuteilung in etwa erwartet wird." Dieses Angebot sollte der Berater anschließend noch mal genau erklären.
Bevor Verbraucher sich für einen Bausparvertrag entscheiden, sollten sie mehrere Angebote einholen. "Mindestens drei verschiedene Bausparkassen sollte man aufsuchen", empfiehlt Schwarz. "Allein bei den Guthabenzinsen gibt es große Unterschiede." Ist ein passender Bausparvertrag gefunden, sollten die Vertragsunterlagen noch mal geprüft werden. "Alles was im Angebot steht, sollte auch im Vertrag aufgeführt sein." (dpa)