12.07.12

Flugzeugmesse

Boeing und Airbus setzen auf Spritspar-Flieger

Die Krise vieler deutscher Fluggesellschaften ist bei den großen Flugzeugherstellern nicht zu spüren. Weiter milliardenschwere Aufträge.

Foto: AFP
Ein Airbus landet in Le Bourget. Der Flugzeugbauer fädelte einen Milliardendeal ein
Ein Airbus landet in Le Bourget. Der Flugzeugbauer fädelte einen Milliardendeal ein

Farnborough. Krise? Welche Krise? Während Fluggesellschaften in Europa vor großen Verlusten stehen, trudeln bei Airbus und Boeing milliardenschwere Bestellungen ein. Vom Ausnahme-Boom des vergangenen Jahres ist die Branche auf der Luftfahrtmesse in Farnborough (bis 15. Juli) vor den Toren Londons zwar weit entfernt. Dennoch sieht der neue Airbus-Chef Fabrice Brégier keinen Grund zur Sorge. "Wir haben eine Staatsschuldenkrise, doch die findet nur in Europa statt", sagt der Manager. "Unsere Kunden sitzen aber in der ganzen Welt." Aufträge für mehr als 600 Maschinen erwartet er in diesem Jahr – das sind mehr, als Airbus im ganzen Jahr bauen wird.

Vor allem in Asien wollen immer mehr Menschen fliegen. In den USA leiden viele Fluggesellschaften unter dem Durst ihrer alten Spritschlucker vom Schlage einer McDonnell Douglas MD-80. Neue Flugzeuge wie der Airbus A320neo und die Boeing 737-MAX, die 2015 (Airbus) und 2017 (Boeing) an den Start gehen sollen, verbrauchen rund ein Drittel weniger als viele derjenigen Jets, die sie im Betrieb ersetzen. In sparsamere Jets zu investieren, ist für viele Fluggesellschaften eine Voraussetzung zum Überleben.

Nachdem Airbus mit der spritsparenden Neuauflage des Mittelstreckenjets A320 vor anderthalb Jahren eine Auftragsflut ausgelöst hatte, holt Boeing ein Stück weit auf – und übt Selbstkritik. Der Beschluss, den langjährigen Verkaufsschlager Boeing 737 mit sparsameren Triebwerken auszurüsten, hätte aus heutiger Sicht "sechs bis neun Monate früher fallen müssen", sagte Boeing-Chef Jim McNerney der "Financial Times". Mit 649 Festbestellungen für die "MAX" liegt Boeing trotz eines Punktsiegs auf der Messe bei der Auftragszahl aber noch immer weit abgeschlagen hinter Airbus mit Bestellungen für 1454 "neo"-Jets.

Immerhin: Die Flugzeugfinanzierer Gecas, ALC und Avolon wollen insgesamt 170 Exemplare der Boeing 737-MAX abnehmen. Zudem bestellte die US-Fluggesellschaft United Continental auf einen Schlag 100 der Maschinen. Airbus konnte von seiner A320neo auf der Messe nur 29 Exemplare absetzen. Allerdings kündigen sich weitere Bestellungen an: Die malaysische AirAsia denkt über eine Order von bis zu 100 "neos" nach. Auch über einen Großauftrag von Philippine Airlines wird gemunkelt.

Ohnehin sind die Auftragsbücher auf Jahre gefüllt. Boeing wie Airbus weiten die Produktion aus. Im wichtigen "Brot-und-Butter-Geschäft" will jeder der Hersteller künftig monatlich 42 Mittelstreckenjets fertigstellen. Airbus versucht mit einem neuen Werk in den USA die dortige Marktmacht von Boeing zu brechen: Bislang stammen vier von fünf US-Fliegern von dem einheimischen Hersteller.

In das Segment der Mittelstreckenjets mit 100 bis 149 Sitzen drängt auch der kanadische Hersteller Bombardier. Doch in Farnborough konnten weder Bombardier noch andere Flugzeugbauer wie die brasilianische Embraer oder der russische Hersteller Suchoi aus dem Schatten der Giganten heraustreten.

Weniger gefragt sind derzeit die ganz großen Maschinen. Während Boeing die Verkaufschancen für seinen runderneuerten Jumbo-Jet 747-8 und den doppelstöckigen Airbus A380 auch langfristig geschmälert sieht, gibt sich Airbus-Chef Brégier zuversichtlich. Er sieht zwar auch die momentane Zurückhaltung: "Es ist leichter für eine Fluggesellschaft, sich für eine A320 oder eine A330 zu entscheiden als für eine A380, gerade wenn die Wirtschaftslage unsicherer wird". Allerdings entstünden in der ganzen Welt immer mehr Megastädte mit großen Flughäfen, wo viele Flugreisende zusammenkämen. "Dafür ist die A380 gemacht", betont Brégier.

Zwischenzeitlich beharken sich die großen Hersteller bei den mittelgroßen Langstreckenjets: Auf der einen Seite stehen der Kassenschlager Boeing 777 und die neue 787 "Dreamliner", auf der anderen der Airbus A330 und die neue A350, die ihren Erstflug noch vor sich hat. Dabei liegt der Fokus auf dem Kerosinbedarf und zudem auf der Reichweite: Die A330 soll mit genügsameren Triebwerken und verbesserter Aerodynamik künftig fast so weit fliegen können wie die 777 von Boeing, 19 Bestellungen sammelte Airbus in Farnborough ein.

Auch der US-Konzern denkt darüber nach, wie er seinen Umsatzbringer verbessern kann. Denn Airbus verspricht für die Langversion seiner A350, dass sie ein Viertel weniger Kerosin verbraucht als die ähnlich große Boeing 777. Für Fluggesellschaften unter Kostendruck ist dies ein gewichtiges Argument. So sieht das jedenfalls die Fluggesellschaft Cathay Pacific aus Hongkong: Sie will gleich 26 der langen Airbus-Jets abnehmen und beendete damit eine lange Pause, in der die Europäer auf neue Aufträge für das Modell warten mussten. (dpa)

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