11.07.12

CO2-Auflagen

EU will Klimaauflagen für Autos verschärfen

Die EU-Pläne sehen vor, den CO2-Ausstoß zu senken. Bis zum Jahr 2020 sollen Pkw durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Foto: dpa/DPA
EU-Kommission: Autos sollen klimafreundlicher werden
Nach dem Willen der EU-Kommission sollen Autos klimafreundlicher werden

Brüssel. In der Europäischen Union sollen für Personenkraftwagen ab 2020 strengere Umweltvorschriften gelten. Die EU-Kommission schlug am Mittwoch in Brüssel vor, den Grenzwert für den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) für Pkw auf 95 Gramm je Kilometer durchschnittlich bei Neuwagen zu senken.

Seit diesem Jahr liegt das Limit im Flottendurchschnitt bei 130 Gramm, die die Hersteller stufenweise bis 2015 einführen müssen. Zur Verabschiedung dieses Gesetzes Anfang 2009 war bereits das langfristige Ziel von 95 Gramm vereinbart worden, nun soll es verbindlich werden. Für Vans will die EU den Grenzwert zugleich auf 147 Gramm je Kilometer senken. Verpflichtend soll zunächst die Zielgröße von 175 Gramm ab 2017 werden.

+++ Elektroautos und ihre versteckten CO2-Emissionen +++

+++ Alternativen zu Benzin und Diesel wenig gefragt +++

Umstritten ist in der Autoindustrie vor allem, wie das Oberziel auf die einzelnen Wagenklassen heruntergebrochen wird. Nach einer Untersuchung der EU-Kommission könnte ein Autofahrer, der im Jahr 20.000 Kilometer fährt, bei einem Benzinpreis von 1,40 Euro je Liter im Jahr 500 Euro dank der strengeren Klimavorgabe sparen. Der europäische Verbraucherschutzbund BEUC schätzt, dass die Produktionskosten pro Auto durch die klimaschonende Technologie um 1000 Euro steigen.

Personenkraftwagen sind laut EU-Kommission für rund 15 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Die Grenzwerte für die Autoabgase tragen dazu bei, dass die EU ihr Klimaschutzziel erreichen kann, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bis 2050 soll die Wirtschaft fast emissionsfrei sein. EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard erklärte, dank des Gesetzes werde das Klima geschützt, die Verbraucher könnten Benzinkosten sparen, und die Autoindustrie werde wettbewerbsfähiger. (Reuters/abendblatt.de)

Was bedeuten die CO2-Vorschläge der EU-Kommission?
Was bedeuten die CO2-Vorschläge der EU-Kommission?
Was bedeuten die Pläne für Autofahrer? Kritiker warnen vor steigenden Verkaufspreisen, Befürworter werben mit sinkenden Spritkosten. "Das 95-Gramm-Ziel wird nicht ohne erhebliche Mehrkosten zu erreichen sein", sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die EU-Kommission geht davon aus, dass ab dem Jahr 2020 neue Pkw 1100 Euro mehr kosten. Die Einsparungen beim Spritverbrauch lägen jedoch ungleich höher: Zwischen 2900 und 3800 Euro ließen sich über die Betriebsdauer eines Autos an der Tankstelle einsparen. Das Durchschnittsauto hätte laut Greenpeace dann einen Spritverbrauch von 3,7 Liter pro 100 Kilometer.
Werden deutsche Hersteller benachteiligt? Die Vorgaben verlangen besondere Anstrengungen von den Produzenten schwerer Pkw. In diesem Segment ist Deutschland besonders stark vertreten. Gerade VW ging laut EU-Diplomaten deshalb dagegen an. Im Verhältnis zum Gewicht sollen allerdings alle gleich viel einsparen - und zwar 27 Prozent an Kohlendioxid pro Kilometer mehr als bei der geltenden Vorgabe von 130 Gramm. Die deutsche Autoindustrie hatte schwere Wagen weniger stark belasten wollen.
Wie stehen einzelne Hersteller da? Nach Angaben von EU-Diplomaten liegt Daimler mit seiner Flotte derzeit bei 98,8 Gramm CO2 pro Kilometer, BMW bei 100 Gramm und Fiat bei 87 Gramm. Ein pauschaler Wert für VW ist schwer zu berechnen - wegen der vielen Töchter, wie Skoda, Seat und Co. Die Angaben beruhen auf dem derzeitigen Fahrzeuggewicht – hier ist nach Sicht von Experten aber noch Luft für Einsparungen.
Wie reagieren Umweltverbände auf die Pläne? Den Umweltverbänden gehen die Vorgaben nicht weit genug. Grüne, WWF, NABU, Greenpeace und Verkehrsclub Deutschland forderten einen strengeren Grenzwert von 80 Gramm pro Kilometer bis 2020. Dies sei technisch machbar, ökologisch geboten und ökonomisch sinnvoll. Zudem wollen sie eine Vorgabe für das Jahr 2025. Unzufrieden sind sie auch mit Ausnahmen für "verbrauchsarme" Fahrzeuge wie Elektroautos. Hier dürfen sich Hersteller für jedes produzierte Auto 1,3 Wagen anrechnen lassen.
Was ist mit Kleintransportern? Sie müssen nur einen Zielwert von 147 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. Die EU-Experten sagen, man wolle nicht schon wieder an erst vergangenes Jahr beschlossenen Regeln für leichte Nutzfahrzeuge rütteln. Das könne aber noch einmal überprüft werden.
Wie ist denn die Lage in der Autobranche derzeit? Unterschiedlich. In der EU ist der Autoabsatz angesichts der Schuldenkrise seit Monaten auf Talfahrt. Vor allem in Spanien, aber auch Frankreich sind die Verkäufe eingebrochen. Der deutsche Automarkt dagegen steht noch gut da. Insgesamt steuert die Branche auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu. Konzerne wie Peugeot-Citroën, Opel, Fiat, die vom schwachen europäischen Markt abhängig sind, stecken in einer tiefen Krise und kämpfen gegen Überkapazitäten. Autoexperten erwarten Werksschließungen.
Können weltweite Exporte die Misere abmildern? Konzerne, die weltweit gut aufgestellt sind, machen in der Tat die Schwäche in Europa durch das Wachstum vor allem in China und den USA mehr als wett. Unter den europäischen Herstellern zählen dazu neben dem breit aufgestellten VW-Konzern auch die Oberklasse-Hersteller Daimler und BMW. Neben den Klimaschutz-Vorgaben müssen die Hersteller aber Milliarden in neue Antriebstechnologien wie Elektro investieren.
Ist alles schon beschlossene Sache? Nein. Die Mitglieder der EU-Kommission haben nun eine gemeinsame Position vorgestellt. Über diese verhandeln nun die EU-Länder und das Europaparlament.
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