Hitze im Büro
Arbeitsqualität nur geringfügig schlechter
Das Gehirn kann hohe Temperaturen kompensieren – Arbeit wird als anstrengender empfunden. Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber aktiv werden.
Dortmund. Mit der Raumtemperatur steigt der Puls und die Konzentration lässt nach – hochsommerliche Temperaturen werden von Arbeitnehmern als körperliche Belastung empfunden. Dennoch sinkt die Qualität der Leistung nur gering. Dies geht aus einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund hervor.
Bei einem mit 20 Teilnehmern durchgeführten Versuch habe sich während einer rund vierstündigen Büroarbeit sowohl die Herzfrequenz als auch die Hauttemperatur erhöht. Dennoch seien entgegen vorheriger Annahmen nur leichte Leistungseinbußen verzeichnet worden, hieß es.
Daraus folgern die Forscher, dass der Mensch zumindest für eine gewisse Zeit die Hitze zugunsten seiner Hirnleistung kompensieren könne. Allerdings nicht ohne Einbußen. Die Teilnehmer hätten sich während der Aufgaben angestrengter, schläfriger und weniger ausgeglichen gefühlt. Für den Test mussten Studierende wissenschaftliche Konzepte bei unterschiedlichen Raumtemperaturen erlernen. Die Fehlerquote konnte auch bei 30 Grad "im üblichen Bereich" aufrechterhalten werden, so das Ergebnis der Studie. Allerdings seien die Schläfrigkeit und die Erschöpfung mit der Temperatur signifikant gestiegen.
Beim Arbeitsschutz gehe es jedoch nicht um die Leistungsfähigkeit, sondern um die Gesundheit, sagt IG-Metall-Expertin Petra Müller-Knöss am Montag. In diesem Punkt bestätige die Studie der BAuA bisherige Ergebnisse und zeige erneut, dass Hitze den Körper negativ beeinflusse und die subjektive Belastung steige, erklärt Müller-Knöss. Bei Hitze sinke zudem die Konzentration und die Motivation, wodurch sich das Risiko für Arbeitsunfälle erhöhe, erklärt der Arbeitssicherheits-Experte des TÜV Rheinland, Werner Lüth.
Für Temperaturgrenzwerte am Arbeitsplatz ist in Deutschland die Arbeitsstättenregel zuständig. Demnach müssen Arbeitgeber ab 30 Grad Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen. Wie effektvoll dies sei, zeigten die Probanden der BAuA-Studie. Bereits kleinste Maßnahmen wie zusätzliche Pausen hätten die Leistungsfähigkeit positiv beeinflusst.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz hat als Konsequenz nun Handlungshilfen veröffentlicht. Demnach könnten Arbeitgeber die Belastung beispielsweise durch bereitgestellte Getränke, eine Lockerung der Kleiderordnung oder flexible Arbeitszeiten verbessern. Auch in der Arbeitsstättenregel finden sich entsprechende Vorschläge, wie die Steuerung der Jalousien nach Feierabend oder die Reduzierung der Temperatur durch das Ausschalten nicht benötigter elektrischer Geräte.
Dennoch ist irgendwann das Ende des Thermometers erreicht. "Bei über 35 Grad ist ganz Schluss. Dann gilt der Arbeitsraum schlicht als ungeeignet", sagt Lüth.
















