02.07.12ESMA
EU-Finanzmarktaufsicht überprüft Ratingagenturen
Nach den jüngsten Rundumschlägen US-amerikanischer Ratingagenturen werden Moody's Standard & Poor's (S&P) und Fitch überprüft.
Foto: dpa/DPA
Blick auf ein Gebäude von Fitch Ratings in New York
London. Die europäische Aufsichtsbehörde ESMA untersucht die jüngsten Rundumschläge US-amerikanischer Ratingagenturen gegen Banken im Euroraum. Die Frage sei, ob die Bewertungsprozeduren hinreichend schlüssig und transparent seien, sagte ESMA-Chef Steven Maijoor der "Financial Times" (Montag). Demnach geht es vor allem um Abstufungen, wie sie die Ratingagentur Moody's in den vergangenen Wochen für zahlreiche Banken vorgenommen hatte. Neben Moody's sollen die Ratings von Standard & Poor's (S&P) und Fitch überprüft werden. Die ESMA mit Sitz in Paris ist die zuständige Aufsichtsbehörde für Ratingagenturen in der EU.
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"Banken-Ratings sind sehr wichtig, weil es eine Rückwirkung auf die Bewertung von Staaten und Staatsanleihen gibt", sagte Maijoor der Zeitung. Gerade massenhafte Herabsetzungen der Bonität von Kreditinstituten gäben der ESMA zu denken: "Eine Ratingänderung en bloc kann keine Entschuldigung dafür sein, weniger Zeit darauf zu verwenden. Es ist wichtig, dass jede einzelne Ratingentscheidung die selbe Aufmerksamkeit bei Details und Analyse erhält." Es gehe ihm nicht darum, Einfluss auf die Benotungen der Agenturen zu nehmen. "Wir fordern nur, dass ihre Entscheidungen ökonomisch Sinn ergeben und logisch sind."
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Die US-Ratingagenturen waren in der Vergangenheit mehrfach kritisiert worden. Zuletzt hieß es, der Einfluss ihrer Entscheidungen auf die Finanzmärkte sei mit Blick auf Euro-Krisenländer zu willkürlich. (dpa)
Was bedeutet die Banken-Herabstufung?
Als hätten sie nicht schon genug Probleme, bekommen führende Banken nun auch noch schlechtere Noten der Bonitätswächter. Der neueste Rundumschlag der Ratingagentur Moody's nährt Sorgen. Dieses Mal trifft es 15 führende Banken, auch der deutsche Branchenprimus Deutsche Bank bekommt vom US-Ratingriesen Moody's schlechtere Noten. Womit müssen die betroffenen Institute rechnen?
Je schlechter Agenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger kann es für diesen werden, sich am Markt Geld zu besorgen. Normalerweise leihen sich Banken auch untereinander Geld, da können schlechtere Noten Misstrauen nähren. Möglicherweise halten sich neue Kunden mit Anlagen zurück, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Die Börsen zeigten sich nicht überrascht vom Moody's-Rundumschlag, viele Banktitel legten sogar zu.
Müssen Sparer jetzt um ihr Geld fürchten oder werden Kredite teurer?
Kunden deutscher Banken sowie deutscher Töchter ausländischer Banken müssen sich in der Regel keine Sorgen um ihr Geld machen. Die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland schützt Einlagen bis zu 100 000 Euro pro Kunde. Zusätzlich gibt es hierzulande ein freiwilliges Sicherungsnetz der privaten Banken mit weit höheren Summen.
Allerdings ist denkbar, dass Banken, wenn sie selbst schlechter an Geld kommen, die Kosten dafür an ihre Kunden weiterreichen – zum Beispiel in Form teurerer Kredite. Klamme Banken locken andererseits oft Sparer mit Zinsen, die weit über dem Marktniveau liegen, um an frische Gelder zu kommen.
Welches Gewicht haben die Urteile der Ratingagenturen?
Ratingagenturen bewerten, ob Unternehmen oder Staaten geliehenes Geld zurückzahlen können – und zwar pünktlich und vollständig. Davon hängt die Bonität des Schuldners ab, also gewissermaßen sein Ansehen bei Gläubigern.
Dominiert wird der Markt von den drei in den USA beheimateten Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch Ratings, wobei Fitch zur Hälfte der französischen Finanzgruppe Fimalac gehört.
Auch wenn die Agenturen nicht immer richtig liegen (im Fall von US-Hypotheken bekam manches Ramschpapier die Bestnote "AAA") hat ihr Urteil großes Gewicht bei Banken, Investoren, Aufsehern und Notenbankern. Die Agenturen selbst betonen: Es sei jedem Marktteilnehmer überlassen, ob er ihrer Meinung folge oder nicht.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger mahnte am Freitag im Bayerischen Rundfunk, die Herabstufungen nicht überzubewerten. Bofinger sagte aber auch: "Wir sehen insgesamt einen Prozess, wo die schlechte wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum die Qualität der Bankaktiva verschlechtert." (dpa)