01.07.12

Siemens kritisiert Energiepolitik

"Das bestehende EEG geht in eine völlig falsche Richtung"

Siemens-Vorstand Michael Süß kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel mit deutlichen Worten.

Foto: dapd/DAPD
Windkraftanlagen
Windkraftanlagen

Berlin. Der Siemens-Konzern hat die Energiepolitik der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel mit deutlichen Worten kritisiert: Siemens-Vorstand Michael Süß, zuständig für größte Unternehmenssparte des Konzerns – Energie-, fordert eine radikale Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). "Das bestehende EEG geht in eine völlig falsche Richtung. Es geht in Wirklichkeit gar nicht mehr um die Energie, es geht um Finanzierungsmodelle. Innovative Technologien werden derzeit gar nicht gefördert", sagte Süß der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Er bemängelt, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu langfristig, teilweise über 20 Jahre, angelegt seien.

Das EEG regelt in Deutschland die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien und garantiert dafür feste Einspeisevergütungen.

Süß plädiert für einen radikalen Schnitt: "Ich schlage eine komplette Novelle vor, und zwar so schnell wie möglich und eventuell sogar mit einer rückwirkenden Komponente." Es müsse künftig auch eine bedarfsbezogene Einspeisung möglich sein, zudem sei eine zeitlich sehr befristete Förderung notwendig. "Eine Subvention ist gut, um etwas loszutreten. Dann aber muss sie aufhören", sagte Süß.

Siemens kritisiert auch das aus Sicht des Unternehmens herrschende Wirrwarr der Zuständigkeiten für die Energiewende innerhalb der Bundesregierung. Die deutsche Energiepolitik müsse aus einer Hand betrieben werden, sagte Süß: "Es wäre schon schlau, die gesamte Verantwortung in einem Ministerium zu bündeln, das muss ja nicht unbedingt Energieministerium heißen." Wichtig sei: "Da muss jemand die Führung haben." Derzeit sind sowohl das FDP-geführte Wirtschafts-, als auch das Umweltministerium von CDU-Minister Peter Altmaier zuständig.

Süß warnt auch vor weiter steigenden Strompreisen in Deutschland wegen der Energiewende: "Wenn wir die falsche Politik machen, dann wird der Strompreis in den nächsten zehn Jahren weiter kräftig steigen und sich vielleicht nochmals verdoppeln. Wenn wir alles richtig machen, dann wird der Strompreis zwar trotzdem steigen, aber deutlich weniger stark. Zum Nulltarif wird es die Energiewende mit Sicherheit nicht geben." (abendblatt.de/rtr)

Ökostromanteile der Energieriesen ist ausbaufähig
Nach der Energiewende: Ökostromanteile der Energieriesen ist auch im Jahr 2012 noch ausbaufähig.
Der Anteil der vier großen Stromkonzerne in Deutschland an den regenerativen Erzeugungskapazitäten liegt zum Teil noch im einstelligen Prozentbereich.
Wind und Wasser sind dabei die wichtigsten Quellen.
Mit einer Kraftwerkskapazität von rund 5 Prozent (2010) an der gesamten Erzeugung hat vor allem der Branchenriese RWE noch erheblichen Ausbaubedarf.
Eon und die baden-württembergische EnBW kommen jeweils auf gut 10 Prozent.
Nur die deutsche Tochter der schwedischen Vattenfall erreicht nach eigenen Angaben mit 20 Prozent am Erzeugungsmix etwa den Anteil, der auch bundesweit auf die erneuerbaren Energien entfällt.
RWE und Eon haben für die kommenden Jahre Milliardeninvestitionen in den Ausbau vor allem für Windparks angekündigt. (dpa)
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