27.06.12Formel-1-Affäre
Achteinhalb Jahre Haft für Ex-Banker Gribkowsky
Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung und Untreue: Lange Haftstrafe für Gribkowsky. Ecclestone zahlte ihm 44 Milionen Euro Schmiergeld.
Von abendblatt.de
Foto: REUTERS
Das Landgericht München hat den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky zu acht Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Gribkowsky hatte gestanden, 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten zu haben
München.
Der
frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky
ist am Mittwoch vom Landgericht München wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Gribkowsky hatte vor einer Woche gestanden, 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten und nicht versteuert zu haben.
Das Landgericht München hat den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky am Mittwoch zu acht Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Vorsitzende Richter Peter Noll sprach ihn der Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung und Untreue schuldig.
Zehn Jahre Haft gefordert – Ecclestone gerät ins Visier
Formel-1-Affäre: Aussage gegen Aussage
Der 54-Jährige hatte vor einer Woche gestanden, im Jahr 2006 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone erhalten und nicht versteuert zu haben. Dafür hatte er die Rechte an der Rennserie an die Ecclestone genehme Gesellschaft CVC Capital Partners verkauft.
+++ Gribkowsky/Ecclestone: Die Köpfe im
Schmiergeldprozess +++
Oberstaatsanwalt Christoph Rodler hatte dem Angeklagten in seinem Plädoyer am Mittwoch "immense kriminelle Energie" vorgeworfen und eine Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren gefordert. Die Verteidiger argumentierten,
Gribkowsky sei von Ecclestone "verführt" worden
. Sie beantragten kein Strafmaß, jedoch die Aufhebung des Haftbefehls.
Nach den Worten der Anwälte hatte Gribkowsky mit seinem umfassenden Geständnis "die Hosen runter gelassen." Die Kammer hatte dem ehemaligen Top-Manager im Austausch für seine Aussage eine maximale Haftstrafe von neun Jahren zugesichert. In seinem Schlusswort zeigte Gribkowsky Reue: "Heute würde man gerne die Zeit zurückdrehen. Das geht leider nicht." (dapd/abendblatt.de)
Hintergrund: Die BayernLB und die Formel 1
Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der "Muppets Show" erworben.
Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab.
Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.
Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen.
In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende – und profitable – Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.
Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.
Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC- Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist.
Der heute 81-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema. (dpa)