Hamburger hisst Schwarzrotgold
Schifffahrt: Der Reeder Erck Rickmers bringt ein Viertel seiner Flotte wieder unter deutsche Flagge.
Hamburg. Bei der dritten Nationalen Maritimen Konferenz der Bundesregierung im Mai 2003 in Lübeck hatten es die deutschen Reeder versprochen: Bis Ende 2004 sollten 100, bis Ende 2005 sogar 200 Frachter wieder unter Schwarzrotgold fahren. Jetzt macht die Reederei E.R. Schiffahrt des Hamburgers Erck Rickmers Ernst. Bis Ende 2004 sollen zehn Schiffe, ein Viertel der derzeitigen Flotte, wieder unter deutscher Flagge statt unter Liberia oder Panama fahren. "Rickmers ist der Erste, der diese Entscheidung öffentlich macht", sagt Hans-Heinrich Nöll, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder (VDR).
Die Entscheidung der stark expandierenden Reederei, die ihre Flotte bis 2007 von 40 auf 66 Frachter ausweiten wird, ist die Antwort auf einen Katalog von Vergünstigungen der Bundesregierung. Zentraler Punkt: die seit 1. Januar 1999 pauschal erhobene für die Reeder günstige Tonnagesteuer. "Die wollen wir langfristig erhalten", sagt Albert Schumacher, Geschäftsführer der E.R. Schiffahrt. Denn sie sichert den Investoren von Schiffsbeteiligungen, mit denen die Flotte der E.R. Schiffahrt als Tochter des Emissionshauses Nordcapital aufgebaut wurde, attraktive Renditen. "Im Gegenzug müssen wir nun die Erwartung aus Berlin erfüllen und wieder Schiffe unter deutsche Flagge stellen", so Schumacher.
Immerhin: Für deutsche sowie aus EU-Staaten stammende Seeleute gibt es neben Lohnsteuervergünstigungen nun auch höhere Prämien, um die teureren Lohnnebenkosten auszugleichen. "Für einen Kapitän stieg die Summe dabei 2004 von 11 800 auf 16 700 Euro", weiß Schumacher. Und Beschäftigte aus Staaten außerhalb der EU, die auf Schiffen im deutschen Zweitregister vor allem als Mannschaften fahren, müssen keine Sozialabgaben zahlen. An ihre Stelle tritt nur noch die Pflicht, die Seeleute gegen Unfälle zu versichern.
Trotz der Prämien nimmt Schumacher jedoch rund 15 Prozent höhere Personalkosten durch die deutsche Flagge in Kauf. Für die einzelnen Frachter mit Kapazitäten zwischen 2000 und 5700 Standardcontainern (TEU) bedeutet dies zusätzliche monatliche Kosten von 25 000 bis 30 000 Dollar. Innerhalb der Flotte werden nun zunächst deutsche Offiziere auf den zehn ausgesuchten Frachtern zusammengefasst. Neue Stellen schafft die Reederei jedoch durch den Flottenausbau. Denn allein bis zum Jahresende will die E.R. Schifffahrt noch elf neue Schiffe in Dienst stellen.
"Damit ergibt sich ein Bedarf von 330 Seeleuten, von denen rund 70 Führungskräfte sein müssen", sagt Schumacher. Erst 2003 hatte er 61 neu ausgebildete Offiziere eingestellt - unter ihnen waren 37 deutsche. "Wir würden gern mehr von ihnen nehmen, aber es gibt sie einfach nicht", versichert der Reederei-Chef.
Wer bei den Hamburgern jetzt als 3. Offizier neu an Bord geht, erhält zum Einstieg 3556 Euro brutto und verbringt dann drei Fünftel des Jahres auf See. Der Rest ist Urlaub.




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