25.06.12

Porsche-VW-Fusion

VW-Chef Winterkorn: Schnelle Fusion spart keine Steuern

Baldiger Zusammenschluss sei kein Steuertrick, sagt der VW-Boss und weist damit Kritik zurück, dass der Fiskus leer ausgehen würde.

Foto: dapd
Der dank einer Gesetzeslücke früher mögliche Porsche-Kauf ist aus Sicht von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kein Trick zum Steuersparen
Der dank einer Gesetzeslücke früher mögliche Porsche-Kauf ist aus Sicht von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kein Trick zum Steuersparen

Suttgart/Wolfsburg. Der dank einer Gesetzeslücke früher mögliche Porsche-Kauf ist aus Sicht von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kein Trick zum Steuersparen . "Das Gegenteil ist richtig. Auch der Staat würde durch die höheren Steuereinnahmen wesentlich profitieren", sagte Winterkorn am Montag bei der Hauptversammlung der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) in Stuttgart. Winterkorn ist in Personalunion Vorstandschef von VW und der PSE, unter deren Dach die Mehrheit der VW-Stammaktien liegt.

Garantiert steuerfrei könne VW das Fahrzeug-Geschäft der Porsche AG von der Porsche Holding erst im August 2014 übernehmen, sagte Winterkorn. "So lange zu warten, hilft keinem der Beteiligten – weder den Unternehmen, noch dem Fiskus", sagte der Manager.

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Eine schnellere Integration würde den Weg für eine weitere Entschuldung freimachen, gemeinsam könnten beide Unternehmen zudem "ohne die aktuellen juristischen Barrieren" früher "in vollem Umfang" Synergien heben. "Auch der Fiskus würde profitieren", sagte Winterkorn.

Denn durch die dann höheren Erträge von Volkswagen und Porsche würden zusätzliche Steuerzahlungen in 2012 und 2013 fällig.

Der VW-Boss reagierte damit auf die jüngste Kritik an einem Steuersparmodell, das das deutsche Umwandlungssteuerrecht eröffnet.

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Vor wenigen Tagen hatten Recherchen der Nachrichtenagentur dpa und der "Wirtschaftswoche" ergeben, dass VW die zweite Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft auch vor Ablauf einer Wartezeit bis Mitte 2014 ohne eine milliardenschwere Steuerlast übernehmen kann. Möglich wird das durch einen juristischen Kniff, der den Kauf als eine interne Umstrukturierung ausweist. Es geht um bis zu 1,5 Milliarden Euro Ersparnis.

Winterkorn bestätigte, dass VW und Porsche geprüft hätten, "ob es wirtschaftlich sinnvolle Alternativen gibt, um den integrierten Automobilkonzern zügiger zu schaffen. Dabei geht es natürlich auch um die Klärung steuerrechtlicher Fragen für den Fall einer vorzeitigen Integration". Der Manager betonte aber, dass die Entscheidung, wie es nun weitergehe, noch ausstehe.

Die Weichenstellung ist aber bereits erfolgt, es fehlt nur noch das endgültige Okay der Gremien – eine Formalie. Nach Winterkorns Logik würde ein früherer Zusammenschluss zu höheren Erträgen führen, weil VW und Porsche unter einem Dach beim Autobauen besser sparen könnten. Am Ende würde dies seinen Angaben zufolge schließlich auch früher fällig werdende Steuern bedeuten.

Winterkorn sagte: "Porsche und Volkswagen waren, sind und bleiben gute, verlässliche Steuerzahler. Wir stehen zu unserer Verantwortung - für den Standort Deutschland und für das Gemeinwesen. Und zwar in jeder Hinsicht."

Aus der Politik hatte es heftige Kritik am Plan der beiden Partner VW und PSE gegeben. Einige Bundesländer wollen die Lücke im Steuergesetz rasch schließen lassen. Eine entsprechende Initiative in Berlin ist bereits angelaufen. Nach dpa-Informationen wollen Porsche und VW den Zusammenschluss noch diesen Sommer umsetzen. (dpa/Reuters/abendblatt.de)

Satzungsänderungen der Porsche-Muttergesellschaft
Satzungsänderungen der Porsche-Muttergesellschaft
Die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE (kurz PSE) hortet zwei Schätze unter ihrem Dach. Erstens halten die Schwaben gut 50 Prozent der Volkswagen-Stammaktien, also der stimmberechtigten Anteilsscheine des Wolfsburger Konzerns. Zweitens gehört der Dachgesellschaft gut die Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft.
Diese Konstellation ist das Ergebnis eines Burgfriedens, den die Stuttgarter und die Wolfsburger nach einer Übernahmeschlacht vor rund drei Jahren schlossen. Die PSE hatte sich beim Versuch, mit riskanten Finanzgeschäften die Macht bei VW an sich zu reißen, kräftig verhoben und derart viele Schulden angehäuft, dass am Ende ausgerechnet VW die letzte Rettung war.
In einem ersten Schritt der Hilfe kauften die Wolfsburger 2009 knapp die Hälfte am reinen Sportwagengeschäft aus der Porsche AG. Es flossen knapp 4 Milliarden Euro in den Süden, die den gut 11 Milliarden Euro großen Schuldenberg der PSE ein Stück weit abtrugen.
So schnell wie möglich soll nun die zweite Hälfte der Porsche AG auch an VW gehen. Unter dem Dach der PSE blieben dann noch die VW-Anteile. Doch das ist ihren Besitzern – allen voran die Familien Porsche und Piëch, gefolgt vom Emirat Katar – offenbar zu wenig. Daher sollten die Aktionäre am Montag eine umfassende Satzungsänderung beschließen.
Kern der neuen Basis für die PSE: Sie kann künftig beispielsweise auch mit Rohstoffen handeln, Wind- oder Solarenergie erzeugen und damit handeln oder im großen Stil ins Immobiliengeschäft einsteigen. Die Mittel dafür kämen auch aus dem Dividendenanspruch der VW-Aktien. Winterkorn erklärte am Montag, dass das Geld in der PSE in Zukunft "für weitere strategische Beteiligungen" genutzt werden solle.
Automobilexperten sehen darin ein Indiz dafür, dass die PSE strategische Positionen in der Welt der Autobauer besetzen soll - etwa bei Energie oder Materialeinkauf – und diese Stellung mit einem Geschäftsmodell in Richtung VW verknüpft. Deren Chef sagte am Montag: "Volkswagen bleibt auch in Zukunft das Kerninvestment der Porsche SE. Die Porsche SE ist und bleibt untrennbar mit der Automobilindustrie verbunden."
Alle denkbaren neuen Geschäftsfelder bewegten sich "entlang der automobilen Wertschöpfungskette" – die PSE bleibe also der Autowelt treu. Details nannte Winterkorn am Montag nicht. (dpa)
Porsche Automobil Holding SE: Zahlen & Daten
Porsche Automobil Holding SE: Zahlen & Daten:
die Porsche SE hält 50,7 Prozent der Stammaktien an VW und 50,1 Prozent über eine Zwischenholding an der Porsche AG
2011 war das erste volle Geschäftsjahr, das dem Kalenderjahr entspricht; 2010 wies die Porsche SE ein Rumpfgeschäftsjahr von August bis Dezember aus
Ergebnis 2011 aus den Beteiligungen: 395 Millionen Euro aus der Porsche Zwischenholding und 4,27 Milliarden Euro aus dem Volkswagenkonzern
Konzernergebnis 2011 nach Steuern: 59 Millionen Euro
Dividendenvorschlag an Hauptversammlung: 76 Cent je Aktie für Vorzugsaktionäre, 75,4 Cent je Aktie für Stammaktionäre
Hauptversammlung am 25. Juni (dapd)
Volkswagen in Zahlen
Europas größter Autohersteller Volkswagen hat 2011 den höchsten Gewinn seiner Geschichte eingefahren. Die Zahlen in Milliarden Euro aus der Mitteilung vom 24. Februar 2012 (in Klammern das Jahr 2011):
Umsatz: 159,3 (126,8; plus 26,6 Prozent)
Ergebnis nach Steuern: 15,799 (7,226; plus 218 Prozent)
Absatz an Fahrzeugen in Millionen: 8,36 (7,29; plus 14,9 Prozent)
Mitarbeiter: 502.000 (399.400)
Ergebnis je Stammaktie: 33,10 Euro (15,17)
Dividende je Stammaktien: 3 Euro (2,20)
Nettoliquidität: 17 Milliarden (18,6), (dapd)
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