23.06.12

Euro-Krise

Ratingagentur Moody's stuft Deutsche Bank herab

Die Euro-Krise belastet die Geldinstitute. Konjunktursorgen lassen Ifo-Index sinken. Forscher sehen "Warnsignal für deutsche Wirtschaft".

Foto: REUTERS
Die Ratingagentur Moodys hat 15 Banken herabgestuft

Frankfurt. Die Euro-Krise lässt die deutsche Wirtschaft nicht länger kalt. Nachdem sich die hiesigen Unternehmen monatelang deutlich besser gehalten hatten als der schwächelnde Rest Europas, nimmt nun die Sorge vor einem Abschwung immer konkretere Formen an. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Juni überraschend stark um 1,6 auf 105,3 Punkte. Schlechter war die Stimmung in den Chefetagen zuletzt im März 2010. Der Einkaufsmanagerindex liegt somit auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren. Die ZEW-Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten brachen so stark ein wie seit 1998 nicht mehr. Auch Exporte, Produktion und Industrieaufträge gingen zurück.

+++ Moody's wertet 15 Großbanken ab +++

"Lange Zeit schien die sich wieder verschärfende Staatsschuldenkrise der deutschen Wirtschaft nichts anhaben zu können". sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. "Nun zeigt sich aber mehr und mehr, dass auch Deutschland keine Teflon-Wirtschaft ist." Im ersten Quartal hatte Europas größte Volkswirtschaft noch ein Wachstum von 0,5 Prozent geschafft und damit die gesamte Euro-Zone vor einem Rückfall in die Rezession bewahrt. Nun schätzten die vom Münchener Ifo-Institut befragten 7000 Manager die Lage zwar besser ein als zuletzt, rechnen aber in der zweiten Jahreshälfte mit schlechteren Geschäften. "Die Euro-Krise schlägt jetzt voll durch", warnte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Sie steht quasi vor der Haustür." Von einer negativen Trendwende wollen die Münchener Konjunkturforscher zwar noch nicht sprechen - wohl aber von einem "Warnsignal für die deutsche Wirtschaft".

Besonders die exportabhängige Industrie bangt um ihre Geschäfte. Die Unternehmen senkten ihre Exporterwartungen deutlich, weil viele Euro-Länder in der Rezession stecken und andere wichtige Handelspartner wie die USA und China schwächeln. "Sie stellen deshalb Investitionen zurück und warten mit Einstellungen", sagte Wohlrabe. Auch unter Dienstleistern und Großhändlern wächst die Zahl der Pessimisten, während sich die Stimmung in der Baubranche ebenso aufhellte wie im Einzelhandel. Die Händler profitieren von der Fußball-Europameisterschaft, die beispielsweise den Absatz von Fernsehgeräten kräftig ankurbelte.

Einen Absturz in die Rezession befürchten die meisten Experten nicht. "Ich sehe im Moment noch keine Rezession, eher eine Delle im zweiten und dritten Quartal", sagte Wohlrabe. "Das Sicherheitsnetz der deutschen Unternehmen wird löchriger", warnte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Für den Zeitraum Juli bis September droht nun ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts." Die Commerzbank-Ökonomen sprechen von einem "schlechten Omen für die deutsche Wirtschaft".

Derweil macht die Euro-Krise und die Schwäche der Weltwirtschaft den Größen der Finanzbranche weiterhin schwer zu schaffen. Die Rating-Agentur Moody's schaut mit Sorge auf die internationalen Großbanken, vor allem aufgrund von kaum kalkulierbaren Risiken auf den Kapitalmärkten. Für insgesamt 15 Institute senkten die Analysten in der Nacht zum Freitag die Bonitätsnoten um ein bis drei Stufen. Auch die Deutsche Bank wurde herabgestuft. Moody's machen vor allem die Kapitalmarktaktivitäten der untersuchten Banken Sorgen. Die Fähigkeit der Institute, diese Risiken mit klassischen Geschäftsfeldern - sozusagen als "Schock-Absorber" - aufzufangen, sei unterschiedlich stark ausgeprägt.

Der Rundumschlag kam aber nicht unerwartet. Moody's hatte bereits im Februar angekündigt, sich die Finanzinstitute weltweit genauer anzuschauen und sich vor einigen Tagen bereits zu Häusern in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg geäußert. Jetzt waren vor allem die Investmentbanken dran. Die schlechteren Ratings können die Refinanzierungskosten weiter nach oben treiben und die Schuldenkrise damit tendenziell noch verschärfen. Allerdings ist Moody's nicht die erste große Agentur, die mit Negativ-Nachrichten aufwartete. An den Börsen war der Ausverkauf bei den Finanztiteln daher nicht so groß wie befürchtet.

Bei der Deutschen Bank wurde das Langfrist-Rating auf A2 von zuvor AA3 gesenkt, das bedeutet immer noch eine gute Kreditqualität. Der Ausblick ist stabil. Das Geldhaus wollte die Entscheidung der Analysten nicht kommentieren. Finanzchef Stefan Krause hatte allerdings schon vor einer Woche Gelassenheit demonstriert. Die Refinanzierung der Deutschen Bank hänge weniger an Ratings, erklärte er. Das Institut profitiert derzeit von seinem Standort - Deutschland gilt mit seinem Top-Rating von AAA als sicherer Hafen, was auch das Vertrauen der Investoren in hiesige Banken stärkt. In Europa waren auch Credit Suisse, UBS, HSBC, Barclays, Royal Bank of Scotland, BNP Paribas, Credit Agricole und Société Générale von Herabstufungen betroffen.

Auch die Postbank ist betroffen. Die Bewertung sei auf A2 von zuvor A1 gesenkt worden, teilte die Agentur am Freitag mit. Der Ausblick sei stabil. Am Donnerstag hatte die Agentur das Langfrist-Rating der Deutschen Bank auf A2 von zuvor AA3 herabgesetzt.

Härter als erwartet traf es die Crédit Suisse, die wegen ihrer Kapitalausstattung schon eine Rüge der Schweizer Notenbank kassiert hatte: Das Institut wurde als einziges drei Stufen schlechter benotet. Mit nunmehr A1 schneidet Crédit Suisse beim Langfrist-Rating aber immer noch besser ab als die meisten anderen Banken. Die UBS findet sich jetzt mit A2 auf einer Stufe mit der Deutschen Bank. Fürs Vermögensverwaltungsgeschäft der Schweizer Großbanken dürfte die Herabstufung aber keine Folgen haben, da reiche Privatkunden bei der Geldanlage laut Analysten nur wenig Alternativen hätten.

Die 15 von Moody's herabgestuften Banken
Die 15 von Moody's herabgestuften Banken
Deutsche Bank
Credit Suisse
UBS
HSBC
Barclays
Royal Bank of Scotland
BNP Paribas
Credit Agricole
Societe Generale
JP Morgan
Morgan Stanley
Citigroup
Bank of America
Goldman Sachs
Royal Bank of Canada (dapd)
Was bedeutet die Banken-Herabstufung?
Was bedeutet die Banken-Herabstufung?
Als hätten sie nicht schon genug Probleme, bekommen führende Banken nun auch noch schlechtere Noten der Bonitätswächter. Der neueste Rundumschlag der Ratingagentur Moody's nährt Sorgen. Dieses Mal trifft es 15 führende Banken, auch der deutsche Branchenprimus Deutsche Bank bekommt vom US-Ratingriesen Moody's schlechtere Noten. Womit müssen die betroffenen Institute rechnen?
Je schlechter Agenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger kann es für diesen werden, sich am Markt Geld zu besorgen. Normalerweise leihen sich Banken auch untereinander Geld, da können schlechtere Noten Misstrauen nähren. Möglicherweise halten sich neue Kunden mit Anlagen zurück, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Die Börsen zeigten sich nicht überrascht vom Moody's-Rundumschlag, viele Banktitel legten sogar zu.
Müssen Sparer jetzt um ihr Geld fürchten oder werden Kredite teurer?
Kunden deutscher Banken sowie deutscher Töchter ausländischer Banken müssen sich in der Regel keine Sorgen um ihr Geld machen. Die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland schützt Einlagen bis zu 100 000 Euro pro Kunde. Zusätzlich gibt es hierzulande ein freiwilliges Sicherungsnetz der privaten Banken mit weit höheren Summen.
Allerdings ist denkbar, dass Banken, wenn sie selbst schlechter an Geld kommen, die Kosten dafür an ihre Kunden weiterreichen – zum Beispiel in Form teurerer Kredite. Klamme Banken locken andererseits oft Sparer mit Zinsen, die weit über dem Marktniveau liegen, um an frische Gelder zu kommen.
Welches Gewicht haben die Urteile der Ratingagenturen?
Ratingagenturen bewerten, ob Unternehmen oder Staaten geliehenes Geld zurückzahlen können – und zwar pünktlich und vollständig. Davon hängt die Bonität des Schuldners ab, also gewissermaßen sein Ansehen bei Gläubigern.
Dominiert wird der Markt von den drei in den USA beheimateten Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch Ratings, wobei Fitch zur Hälfte der französischen Finanzgruppe Fimalac gehört.
Auch wenn die Agenturen nicht immer richtig liegen (im Fall von US-Hypotheken bekam manches Ramschpapier die Bestnote "AAA") hat ihr Urteil großes Gewicht bei Banken, Investoren, Aufsehern und Notenbankern. Die Agenturen selbst betonen: Es sei jedem Marktteilnehmer überlassen, ob er ihrer Meinung folge oder nicht.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger mahnte am Freitag im Bayerischen Rundfunk, die Herabstufungen nicht überzubewerten. Bofinger sagte aber auch: "Wir sehen insgesamt einen Prozess, wo die schlechte wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum die Qualität der Bankaktiva verschlechtert." (dpa)
Euro-Krise : Der Fahrplan im Juni/Juli 2012
Euro-Krise : Der Fahrplan im Juni/Juli 2012
Der Wahlausgang in Griechenland hat die Märkte am Montag kurz aufatmen lassen und Politik und Währungshütern eine Verschnaufpause beschert. Doch die Euro-Retter müssen sich weiter um zahlreiche Baustellen kümmern. So sieht der Fahrplan in den kommenden Wochen aus:
19. Juni: Im mexikanischen Los Cabos treffen sich seit Montag die führenden Wirtschaftsmächte (G20). Die Euro-Schuldenkrise dürfte beherrschendes Thema des Gipfels sein.
21. Juni: Spätestens bis zu diesem Datum sollen die Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger ihren Bericht über die Lage der spanischen Banken vorlegen. Erst danach will die Regierung in Madrid den offiziellen Antrag auf Hilfskredite stellen.
21. Juni: Die Euro-Finanzminister treffen sich zu ihrer regulären monatlichen Sitzung. Dabei geht es um die Hilfe von bis zu 100 Milliarden Euro für Spaniens Banken. Auch die Lage Griechenlands dürfte besprochen werden.
22. Juni: Bei einem Vierergipfel wollen sich in Rom die Regierungschefs Mario Monti (Italien), Angela Merkel, François Hollande (Frankreich) und Mariano Rajoy (Spanien) treffen.
24. Juni: Die Grünen wollen in Berlin einen Sonderländerrat abhalten – also einen kleinen Parteitag – um ihre Haltung zum Fiskalpakt festzulegen.
28./29. Juni: Der EU-Gipfel soll die Weichen im Kampf gegen die Schuldenkrise neu stellen. Die Staats- und Regierungschefs wollen die politische und wirtschaftliche Union vertiefen.
29. Juni: Der Bundestag soll den umstrittenen Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin gemeinsam mit dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM verabschieden – und damit noch vor der Sommerpause. Auch der Bundesrat soll in einer Sondersitzung noch am selben Abend entscheiden.
1. Juli: Der neue ständige Krisenfonds ESM löst den bisherigen Rettungsschirm EFSF ab. Der ESM verfügt über eine Kapazität für Notkredite von 500 Milliarden Euro. Um den Schutzwall um die Euro-Zone zu erhöhen, wurde das maximale Hilfsvolumen der kombinierten Rettungsschirme auf 800 Milliarden Euro aufgestockt.
5. Juli: Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt zu seiner regulären Sitzung zusammen. Die Währungshüter könnten neue Maßnahmen gegen eine ausufernde Krise beschließen und etwa den Leitzins senken. (dpa)
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