18.06.12Rabattschlacht
Schlecker senkt Preise um bis zu 70 Prozent
Die insolvente Drogeriekette senkt erneut die Preise. Der Ausverkauf soll noch bis Ende Juni laufen, dann gehen die Kündigungen raus.
Von abendblatt.de
Foto: dapd
Alles muss raus: Bis Ende Juni sollen möglichst viele Waren aus den Schlecker-Regalen in die Einkaufskörbe der Kunden wandern
Ehingen.
Die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker hat die
Preise erneut gesenkt
und am Montag die Rabatte auf bis zu 70 Prozent erhöht. Der Ausverkauf noch verbliebenen Waren in den Schlecker-Filialen verlaufe planmäßig, hieß es bei der Insolvenzverwaltung im baden-württembergischen Ehingen.
"Ich bin sehr dankbar für das Engagement der Schlecker-Frauen in dieser für sie sehr emotional schwierigen Situation", teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit. Die mehr als 13.200 Beschäftigten in den bundesweit rund 2800 Filialen bestreiten derzeit den Ausverkauf mit dem Wissen, Ende Juni die Kündigung zu erhalten.
+++ dm-Gründer: Schlecker-Insolvenz war vorhersehbar +++
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Bereits Ende März hatten aufgrund der Insolvenz 11.000 Schlecker-Mitarbeiter ihren Job verloren. Unklar ist noch, was mit den rund 5000 Beschäftigten von IhrPlatz und Schlecker-XL wird. (dpa/abendblatt.de)
Schleckers Weg ins Aus – eine Chronologie
Die insolvente Drogeriekette Schlecker hat seit Monaten gegen das endgültige Aus gekämpft – vergeblich. Die Gläubiger stimmten am Freitag für die Abwicklung des Unternehmens.
20. Januar 2012: Vor allem die geplatzte Finanzierung von Lieferungen der Einkaufsgemeinschaft Markant führt dazu, dass die ehemals größte deutsche Drogeriekette Schlecker zahlungsunfähig ist.
23. Januar: Anton Schlecker e.K., die Schlecker XL GmbH und die Schlecker Homeshopping GmbH melden Insolvenz beim Amtsgericht Ulm an, später folgt die Schlecker-Tochter IhrPlatz (Osnabrück).
28. Januar: Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) spricht von der Möglichkeit einer Landesbürgschaft für Schlecker, falls Investoren eine tragfähige Lösung für die Kette vorschlagen.
29. Februar: Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kündigt an, rund 11 750 der über 25 000 Jobs zu streichen und bis zu 2400 der 5400 deutschen Schlecker- und Schlecker-XL-Filialen zu schließen.
2. März: Bei IhrPlatz sollen mehr als 900 von 5350 Stellen und 142 von 612 Märkten wegfallen; später werden die Zahlen auf 650 und 122 reduziert.
5. März: Schmid schlägt eine länderübergreifende Hilfe für die von Entlassung bedrohten Schlecker-Mitarbeiter vor. Für eine Transfergesellschaft, die bei der Suche nach neuen Jobs hilft, ist ein Kredit von 70 Millionen Euro erforderlich. Die staatseigene Förderbank KfW will ihn bereitstellen, die schwarz-gelbe Bundesregierung aber nicht dafür haften, stattdessen sollen die Bundesländer mit Schlecker-Filialen einspringen.
18. März: Verdi und der Schlecker-Betriebsrat erreichen, dass statt der ursprünglich angestrebten 2400 nur rund 2200 Filialen schließen.
28. März: Kündigungsschreiben an über 10 000 Schlecker-Beschäftigte gehen raus.
29. März: Das Amtsgericht Ulm eröffnet das Insolvenzverfahren für die Schlecker-Gesellschaften. Zugleich verhandelt Stuttgart über eine Bürgschaft aller Bundesländer für eine Transfergesellschaft, aber eine gemeinsame Lösung scheitert. Vor allem die FDP-Wirtschaftsminister leisteten Widerstand.
1. April: Die verbliebenen Schlecker-Beschäftigten hoffen auf den Erhalt ihrer Jobs. Insolvenzverwalter Geiwitz berichtet von drei bis fünf Investoren mit konkretem Interesse am Unternehmen.
19. April: Die osteuropäische Penta-Gruppe springt als potenzieller Investor ab.
2. Mai: Schlecker findet einen Käufer für seine 145 Filialen in Tschechien. Geiwitz bestätigt die Übernahme durch das Unternehmen P.K. Solvent (PKS). Der Kaufpreis für das tschechische Filialnetz mit rund 460 Mitarbeitern wurde nicht bekanntgegeben.
4. Mai: Bisher reichten rund 3850 Ex-Schlecker-Beschäftigte Klage gegen ihre Kündigung ein.
10.Mai: Der Münchner Investor Dubag bekundet sein Interesse an einer Übernahme der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz.
24. Mai: Der einstige Karstadt-Retter Berggruen-Holdings interessiert sich für Schlecker. Ein Sprecher der Nicolas Berggruen Holdings GmbH bestätigte Gespräche mit Schlecker-Insolvenzverwalter Geiwitz.
25. Mai: Der Schlecker-Gläubigerausschuss berät über die Zukunft des Unternehmens. Eine endgültige Entscheidung vertagen die Gläubiger. Geiwitz bekommt eine Galgenfrist von einer Woche, bis dahin muss er ein tragfähiges Fortführungskonzept vorlegen.
30. Mai: Der französische Lebensmittel-Einzelhändler Système U übernimmt das Frankreich-Geschäft der insolventen Drogeriekette. Système U kaufte damit die Tochterfirma Schlecker SNC mit 139 Filialen und rund 750 Mitarbeitern.
1. Juni: Die größten Schlecker-Gläubiger kommen in Berlin zusammen und stimmen für die Abwicklung des Unternehmens. Das bedeutet das Aus für die Drogeriemarktkette. (dpa)