13.06.12General Motors
Deutsche Opel-Standorte bleiben bis 2016 erhalten
Der Konzern will das Werk in Bochum mittelfristig schließen, bietet dafür aber eine Jobgarantie für alle Opelaner bis Ende des Jahres 2016.
Von Claus-Peter Tiemann
Foto: dpa
Gnadenfrist für die Opelaner in Bochum: Der Autobauer Opel will seine Sanierung zunächst ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland vorantreiben. Auch das Werk in Bochum solle zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Zafira-Fertigung dort Ende 2016 ausläuft, teilten die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall gemeinsam in Rüsselsheim mit
Rüsselsheim. Opel verhandelt mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Jobgarantie für die deutschen Mitarbeiter bis Ende 2016, will aber das Werk Bochum mittelfristig schließen. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung von Vorstand, Gewerkschaft und Betriebsrat vom Mittwoch hervor. "Die Geschäftsleitung der Adam Opel AG, die IG Metall und die Betriebsräte der deutschen Standorte werden über eine Verlängerung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2016" verhandeln, heißt es in der Mitteilung.
Bei den Gesprächen soll es aber auch um "die Planung der Geschäftsleitung" gehen, "unter den gegenwärtigen ökonomischen Rahmenbedingungen und zukünftigen Marktaussichten keine weitere Produktallokation für Bochum nach Auslauf des jetzigen Zafira vorzusehen". Damit stünde die Schließung des Bochumer Werkes fest. Allerdings erst in einigen Jahren, denn die neue Generation des Vans Zafira lief erst vor wenigen Monaten in Bochum an und ein Automodell wird üblicherweise vier bis sechs Jahre produziert.
+++ Der neue Opel Astra wird nicht in Deutschland
produziert +++
Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Wolfgang Schäfer-Klug signalisierte Zustimmung zu dem Plan: "Die Opel-Betriebsräte sind bereit, an der Stärkung der Marke Opel mitzuarbeiten. Die Eckpunkte des vorgeschlagenen Geschäftsplans gehen in die richtige Richtung, doch zu vielen Punkten müssen wir noch Gespräche führen."
Die Opel-Mutter General Motors macht seit mehr als zehn Jahren Milliardenverluste in Europa und muss seine Produktionskapazität reduzieren. Zuletzt hatte der Konzern ein Werk in Antwerpen geschlossen. Seitdem ist die Nachfrage nach Modellen von Opel und der Schwestermarke Vauxhall aber weiter gefallen. Allein im wichtigsten Markt Deutschland wurden im Mai elf Prozent weniger Opel-Fahrzeuge verkauft.
(dapd)
Die Opel-Werke im Überblick
Der Autobauer Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Obwohl erst Ende 2010 ein Werk geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter zuletzt um mehr als 8000 auf inzwischen 39 000 reduziert wurde, kommt Opel deshalb nicht aus der Verlustzone.
Um Opel profitabel zu machen, ist nun unter anderem geplant, die Produktion des künftigen Astra von 2015 an auf Ellesmere Port in England und das kostengünstige polnische Gleiwitz zu konzentrieren. Bislang wird der Astra auch im Stammwerk Rüsselsheim gebaut. Die Opel-Werke im Überblick (Stand Ende 2011):
Deutschland (Mitarbeiter insgesamt: 22.166):
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England (Mitarbeiter insgesamt: 4000):
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren. (dpa)