01.06.12

Fragen & Antworten

Krise spitzt sich zu: Wie lange hält Spanien durch?

Spanische Staatsanleihen steigen auf neue Rekordwerte – die Lage Spaniens ähnelt zunehmend der von Griechenland, Irland und Portugal.

Foto: dapd/DAPD
Moody's stuft Kreditwuerdigkeit von 16 spanischen Banken herab

Madrid. Spaniens Regierung steht in der Finanzkrise mit dem Rücken zur Wand . Die Zinsaufschläge für spanische Staatsanleihen steigen auf immer neue Rekordwerte, die Finanzierung der Schulden wird von Tag zum Tag teurer, Kapitalanleger flüchten ins Ausland, die Gefahr eines Staatsbankrotts wächst.

Ist Spanien das nächste Land nach Griechenland, Irland und Portugal, das zur Abwendung einer Staatspleite die EU um eine Rettungsaktion bitten muss?

Die Madrider Regierung schließt es völlig aus, Hilfen aus dem EU-Rettungsfonds zu beantragen. Spanien ist aber auf den Finanzmärkten so sehr unter Druck geraten, dass es nun in vorderster Front der Problemländer steht, dicht gefolgt von Italien.

Wie ernst ist die Lage Spaniens in der Schuldenkrise?

Die Höhe der Risikoaufschläge, die Madrid bei den Zinsen für seine Anleihen zahlen muss, hat ein bedrohliches Niveau erreicht. Ein Wert von über 500 Basispunkten gilt als gefährlich. Dieser Index gibt die Differenz zwischen dem Zinssatz der deutschen Zehn-Jahres-Anleihen und der Rendite der Staatsanleihen anderer Länder wieder. Griechenland, Irland und Portugal mussten wenige Wochen nach Überschreiten dieser Marke unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen. Spanien wies am Freitag einen Wert von zeitweise über 540 Basispunkten auf.

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Bedeutet dies, dass ein drohender Bankrott von Spanien nur eine Frage von Tagen oder Wochen ist?

Nein. Die Basispunkte bezeichnen nur die Differenz zum deutschen Zinssatz, sagen aber nichts über die effektive Höhe der Risikoaufschläge aus. Bei der EU-Rettungsaktion für Griechenland, Irland und Portugal war der deutsche Zins höher als heute. Die drei Länder mussten damals kurz vor der Rettung für ihre Zehn-Jahres-Anleihen Zinsen von etwa 8,8 Prozent zahlen. Bei Spanien stieg der Wert am Freitag auf knapp 6,7 Prozent. Ein Niveau von über 7,0 Prozent gilt nach Ansicht von Experten als gefährlich.

Was sagt die spanische Regierung zu der drohenden Gefahr?

Madrid räumt ein, dass das jetzige Zinsniveau auf die Dauer nicht tragbar ist. Wirtschaftsminister Luis de Guindos betonte aber, die spanischen Staatsfinanzen seien gesichert. Bis zum Jahresende müsse der Staat neue Anleihen in Höhe von nur 3,0 Milliarden Euro aufnehmen. Er verschwieg allerdings, dass Schulden aus der Vergangenheit fällig werden und neu finanziert werden müssen. Madrid hofft darauf, dass die Lage sich nach den Wahlen in Griechenland entspannt und das Zinsniveau dann wieder sinkt.

Wieso hat die Krise in Spanien sich wieder zugespitzt?

Der Auslöser war die Krise der maroden Großbank Bankia. Die Regierung war davon ausgegangen, dass zur Sanierung des gesamten Bankensektors eine Summe von 15 Milliarden Euro ausreichend sei. Nun aber muss sie allein für Bankia, das viertgrößte Geldhaus des Landes, mehr als 23 Milliarden aufbringen. Niemand weiß, welche Summen noch für andere Banken fällig werden.

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Woher will Spanien das Geld nehmen?

Die spanischen Fonds zur Bankenrettung sind praktisch leer. Der Staat könnte zur Bankia-Sanierung neue Schulden aufnehmen, diese wären aber aufgrund des Zinsniveaus kaum finanzierbar. Nach Ansicht von Experten bieten sich nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt wieder spanische und italienische Staatsanleihen und sorgt damit für ein Sinken der Risikoaufschläge, oder die EU lässt sich doch dazu bewegen, Gelder aus dem EU-Rettungsfonds für die Sanierung spanischer Banken bereitzustellen.

Bankia – Spaniens kriselnde Großbank
Bankia – Spaniens kriselnde Großbank:
Bankia gehört zusammen mit Banco Santander, BBVA und Caixabank zu den vier großen Geldinstituten in Spanien.
Die Bank war aus einer Fusion von sieben Sparkassen hervorgegangen.
Diese hatten sich Ende 2010 unter der Führung der Caja Madrid zur BFA (Banco Financiero y de Ahorros) zusammengeschlossen.
Ihre reinen Bankgeschäfte fassten die Sparkassen vor einem Jahr in dem Geldinstitut Bankia zusammen, das im Juli 2011 an die Börse ging.
Der Zusammenschluss stand von Anfang an auf schwachen Beinen, da die einzelnen Kassen eine Vielzahl fauler Immobilienkredite in das Unternehmen einbrachten.
Bankia hat nach eigenen Angaben zwölf Millionen Kunden und ein Börsenkapital von 6,4 Milliarden Euro.
Die Bank verfügt über größere Beteiligungen unter anderem an der Fluggesellschaft IAG (Fusion von Iberia und British Airways) und der Hotelkette NH Hoteles. (dpa)
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