19.05.12

Börsengang

Facebook legt einen turbulenten Start hin

Netzwerk gelingt größter Börsengang eines Internetunternehmens. 28 Jahre alter Gründer Mark Zuckerberg nimmt 1,1 Milliarden Dollar ein.

Foto: dapd
Mark Zuckerberg (mit Mikrofon), Gründer und Chef von Facebook, beim Börsenstart im Kreis seiner Mitarbeiter am kalifornischen Firmensitz
Mark Zuckerberg (mit Mikrofon), Gründer und Chef von Facebook, beim Börsenstart im Kreis seiner Mitarbeiter am kalifornischen Firmensitz

Menlo Park/New York. Es war ein Börsenstart ohne die erhoffte Euphorie: Der erste Kurs der Facebook-Aktie lag zum Handelsstart an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq mit 43 Dollar zwar deutlich oberhalb des Ausgabepreises von 38 Dollar, fiel dann aber zunächst bis auf diese Marke zurück und blieb damit hinter manchen hochgesteckten Erwartungen zurück.

Doch eines steht außer Zweifel: Acht Jahre nach der Gründung in einer Studentenbude ist Facebook endgültig ein Weltkonzern. Das soziale Netzwerk hat den größten Internetbörsengang der Geschichte hingelegt. Schon auf Basis des Ausgabepreises ist das Unternehmen teurer als etwa die drei alteingesessenen deutschen Vorzeigeunternehmen BMW, Deutsche Bank und Adidas zusammen.

+++ Facebook-Aktie schließt mit 23 Cent Plus am ersten Handelstag +++

Den Moment des großen Triumphs am Vorabend der Erstnotiz teilte Firmengründer Mark Zuckerberg mit den Mitarbeitern. In seinem typischen Outfit aus Jeans, T-Shirt und Kapuzenpulli trat der 28-Jährige auf das sonnendurchströmte Gelände des kalifornischen Facebook-Hauptquartiers und tauchte in die stehenden Ovationen der dicht gedrängten Angestellten ein. Gerade war der Schlusspunkt unter den Eckdaten gesetzt: Ein Ausgabepreis am oberen Ende der Angebotsspanne, 104 Milliarden Dollar (80 Milliarden Euro) Börsenwert, viele frischgebackene Millionäre unter den klatschenden Mitarbeitern. Auch in Hamburg konnten sich Facebook-Beschäftigte freuen: In der Deutschland-Zentrale sind gut ein Dutzend Mitarbeiter für die Firma tätig.

Zwar eröffnete Zuckerberg am Freitag den Handel an der Nasdaq; er verzichtete aber darauf, die Glocke direkt auf dem Börsenparkett zu läuten, und tat dies mit einem Mausklick vom Firmensitz Menlo Park an der Westküste aus. Es ist ungewöhnlich, dass ein Firmenchef den symbolischen Termin auf dem Börsenparkett schwänzt, aber keineswegs untypisch für Zuckerberg.

Schon als Junge, der früh Spaß am Programmieren hatte, kam er mit Computern besser als mit Weggefährten zurecht, an der Elite-Uni Harvard war er eher ein Außenseiter. Nun will er aller Welt zeigen: Es ändert sich nichts mit dem neuen Reichtum. So gab es zur Feier des Tages nicht etwa Champagner, sondern einen "Hackathon". Eine Aktion, bei der man stundenlang gemeinsam Software schreibt. Mit dem Börsengang hat Zuckerberg, der seit der frühen Studienzeit mit seiner Freundin zusammen ist, 30 Millionen seiner Anteilsscheine verkauft und damit gut 1,1 Milliarden Dollar eingenommen.

+++ Südeuropatief drückt auf Kurse +++

Zuckerberg besitzt aber noch einen Anteil im Gegenwert von gut 19,1 Milliarden Dollar. Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt des Finanzdienstes Bloomberg taucht er auf Platz 30 auf - damit liegt er auf Augenhöhe mit den beiden Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin.

Deren Unternehmen ist an der Börse aktuell gut 200 Milliarden Dollar wert, die Werbeeinnahmen liegen mit 36,5 Milliarden Dollar mehr als zehnmal so hoch wie bei Facebook. Doch mit weltweit mehr als 900 Millionen Nutzern, über 20 Millionen davon in Deutschland, ist Facebook das dominierende soziale Netzwerk.

Ausgerechnet in Deutschland, dem größten Markt Europas, hat Facebook allerdings Probleme. In keinem der angrenzenden Länder gibt es im Vergleich zur Bevölkerungszahl so wenige Facebook-Nutzer wie in der Bundesrepublik, gerade 28 Prozent Marktpenetration kann Facebook hier vorweisen. Verglichen mit umliegenden Ländern, Großbritannien oder den USA, ein tiefer Wert. Dort erreicht Facebook zwischen 40 und 50 Prozent der Menschen.

Dagegen wolle Facebook nach dem Börsengang ankämpfen, schreibt das Management in der offiziellen Börsenbroschüre. Facebook wolle dafür an Marketing und anderen "Akquisitionsmaßnahmen" arbeiten. Der Kampf um neue Nutzer dürfte jedoch eine Herausforderung werden, sagen Experten. Denn auf landestypische Besonderheiten geht das Netzwerk bisher kaum ein - und in Deutschland sind Sorgen der Nutzer um ihre Privatsphäre besonders ausgeprägt. Datenschutzexperten haben die Bestimmungen des Netzwerks wiederholt kritisiert und Nutzern zum Widerstand dagegen geraten.

Unklar ist zudem, wie lange die Euphorie um die Facebook-Aktie anhält. Skeptiker fühlen sich an die Internetblase um die Jahrtausendwende erinnert. Der hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel twitterte am Freitag: "Blase 2.0 die nächste. Manche werden nicht schlauer." Ende der 90er-Jahre pumpten Investoren Geld in jede kleine Firma, die versprach, irgendwas mit diesem neuen Internet zu machen. Am Ende lösten sich Hunderte Unternehmen und gewaltige Geldberge in Luft auf.

"Der Facebook-Börsengang hat das Potenzial, entweder der gesamten Branche Auftrieb zu geben oder sie zu lähmen", sagt Christian Leybold, Partner beim Investor eVenture. Eine Blase wie in den 90er-Jahren sieht er nicht. "Man muss die Unternehmen eher als Einzelfälle betrachten."

Für wen der Facebook-Börsengang zur Goldgrube wird
Für wen der Facebook-Börsengang zur Goldgrube wird:
Der Börsengang von Facebook wird Gründer Mark Zuckerberg sowie frühe Investoren und Mitarbeiter steinreich machen. Manche können sich auf eine fast schon wundersame Geldvermehrung freuen. Es gibt zwar keine Garantie, dass der Ausgabepreis der Aktie am oberen Ende der Spanne von 35 Dollar liegen wird – aber das riesige Interesse macht das wahrscheinlich. Und da mit einem steigenden Aktienkurs zu rechnen ist, dürften die Anteile bald noch mehr wert sein.
Mark Zuckerberg:
Der Facebook-Gründer hält derzeit 533,8 Millionen Aktien, wird sich aber von 30 Millionen trennen, um Steuern zu bezahlen. Sein verbliebener Anteil wäre bei 35 Dollar je Aktie rund 17,6 Milliarden Dollar wert. Zudem wird er auch nach dem Börsengang fast 60 Prozent der Stimmrechte kontrollieren
Accel Partners:
Die Investmentfirma war durch ihren Partner James Breyer unter den ganz frühen Facebook-Geldgebern – und das zahlt sich jetzt aus. 2005 stecke Accel 12,7 Millionen Dollar in das damals noch winzige Online-Netzwerk. Jetzt halten Breyer und Accel knapp 201,34 Millionen Aktien, die bis zu 7,1 Milliarden Dollar wert sein werden. Davon wollen sie 38,2 Millionen Aktien beim Börsengang versilbern - das kann immerhin 1,34 Milliarden Dollar bringen.
Dustin Moskovitz:
Dieser junge Mann hatte das Glück, sich das Zimmer im Harvard-Studentenwohnheim mit Mark Zuckerberg zu teilen. Er wurde zu einem Mitstreiter in der Anfangszeit von Facebook. 2008 verließ er das Unternehmen behielt aber seinen Anteil und will sich auch beim Börsengang nicht davon trennen. Die 133,7 Millionen Aktien werden bis zu 4,7 Milliarden Dollar wert sein.
Juri Milner:
Der russische Internet-Investor kam mit seiner Firma DST relativ spät bei Facebook an Bord und musste entsprechend einige hundert Millionen Dollar lockermachen, es wird für ihn trotzdem ein Riesen-Geschäft. Die aktuell 131,3 Millionen Aktien werden bis zu 4,6 Milliarden Dollar wert sein. Der Russe macht beim Börsengang ordentlich Kasse: Über 26,2 Millionen Aktien im Wert von bis zu 920 Millionen Dollar sollen verkauft werden.
Sean Parker:
Einst war er an der Musiktauschbörse Napster beteiligt und galt als "Bad Boy" des Silicon Valley. Doch Parker bewies ein ums andere Mal ein Gespür für gute Internet-Geschäftsideen, was ihn zum Milliardär machte. Bei Facebook war er der erste Präsident und half Zuckerberg, aus der Netzwerk-Idee ein Geschäft zu machen. Seine gut 69,6 Millionen Aktien dürften zum Börsengang über 2,4 Milliarden Dollar wert sein. Er behält sie alle.
Sheryl Sandberg:
Die Managerin, die Zuckerberg persönlich bei Google abwarb, gilt als die wichtigste Architektin von Facebooks Milliardenumsätzen. Der Börsengang wird sie zur Milliardärin machen: Zusammen mit bald fällig werdenden Optionen kommt sie auf rund 41,2 Millionen Aktien im Wert von bis zu 1,4 Milliarden Dollar allein zum Ausgabepreis. (dpa)
(HA)
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