Repsol-Tochter
Argentinien will spanischen Ölkonzern YPF verstaatlichen
Branchenexperten sprechen von der größten Verstaatlichung im Energiesektor seit zehn Jahren. Spanien droht mit ernsten Konsequenzen.
Madrid/Puerto Vallarta. Mit scharfer Kritik hat die Regierung in Madrid auf Pläne der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández zur Verstaatlichung des Ölkonzerns YPF reagiert. YPF ist eine Tochter des spanischen Energiekonzerns Repsol, dessen Aktienkurs am Dienstag nach der Ankündigung um bis zu neun Prozent nachgab. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnete den Schritt als unverantwortlich. Der spanische Industrieminister José Manuel Soria bedauert besonders die Haltung der USA zur angekündigten Verstaatlichung der Repsol-Tochter.
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Die argentinische Präsidentin erklärte am Dienstag die Mehrheitsanteile an YPL zum öffentlichen Gut. Argentinien solle mit einem von ihr am Montag in den Kongress eingebrachten Gesetz die nationale Hoheit über die Öl- und Gasvorkommen des Landes zurückgewinnen, sagte Fernández in einer Ansprache. Die enteigneten Unternehmensanteile würden zwischen der Zentralregierung in Buenos Aires und den Provinzregierungen aufgeteilt, sagte sie. 51 Prozent von YPF sollen demnach in staatliche Kontrolle übergehen. Argentinien habe im vergangenen Jahr als Netto-Importeur von Gas und Öl-Produkten ein Defizit von drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) ausgewiesen. Die Erschließung und Ausbeutung der Energielagerstätten sei im nationalen Interesse, sagte Fernández. Zweien ihrer engsten politischen Verbündeten übertrug Fernández die Verantwortung für YPL. Die eigentlichen Manager des Unternehmens wurden gezwungen, die Büros in Buenos Aires zu verlassen.
Branchenexperten zufolge handelt es sich um die größte Verstaatlichung im Energiesektor, seit Russland vor rund zehn Jahren den Ölkonzern Yukos des damaligen Magnaten Michail Chodorkowski unter die Kontrolle des Kreml brachte. Repsol gehören 57 Prozent an YPF. Deren Wert bezifferte Repsol auf 18 Milliarden Dollar und kündigte eine entsprechende Entschädigungsforderung an. Der Marktwert von YPF beläuft sich auf gut zehn Milliarden Dollar. Ein argentinisches Tribunal wird jedoch einen eigenen Wert von YPF festlegen. Der argentinische Wirtschaftsstaatssekretär Axel Kicilliof sagte dem Kongress, man werde die von Repsol geforderte Summe nicht zahlen. An der Börse büßten Repsol-Aktien bis zu neun Prozent an Wert ein – YPF erwirtschaftete ein Viertel des Repsol-Konzerngewinns.
Er werde versuchen, die Verstaatlichung zu verhindern, kündigte Spaniens Ministerpräsident auf einem Treffen des Weltwirtschaftsforums in Puerto Vallarta in Mexiko am Dienstag an. Damit würden die guten Beziehungen zwischen Argentinien und Spanien vergiftet. Auch würde es "die internationale Reputation Argentiniens in großem Maße beeinflussen", sagte Rajoy. Die Verstaatlichung geschehe "ohne Rechtfertigung, ohne jeglichen wirtschaftlichen Grund", sagte er.
Spanien hat besonders die Haltung der USA im Streit um YPF bedauert. Madrid hätte sich gewünscht, dass Washington die spanische Position unterstützt hätte, sagte der spanische Industrieminister am Mittwoch dem staatlichen Fernsehen TVE. Soria betonte, die Europäische Union sowie Länder wie Mexiko oder Chile hätten die angekündigte Verstaatlichung bedauert und Spanien ihre Unterstützung zugesichert. Madrid hätte gehofft, dass die USA ähnlich reagierten, sagte der Minister. Washington hat sich in dem Konflikt noch nicht festgelegt. Spanien betrachtet das argentinische Vorgehen als "eine eindeutig feindselige Geste". Madrid will in den kommenden Tagen Gegenmaßnahmen auf diplomatischer Ebene sowie im Handels-, Industrie- und Energie-Bereich ergreifen.
Fernandez kündigte an, nicht auf Drohungen zu reagieren. "Ich repräsentiere das argentinische Volk. Ich bin das Staatsoberhaupt und keine Verbrecherin." Sie hatte YPF vor anderthalb Jahren für den Fund von großen Gasvorkommen gelobt. Die explodierenden Kosten für Energie-Importe haben den Argentiniern zuletzt aber eine drohende Energieknappheit vor Augen geführt: Die Produktion sinkt rapide, während der Bedarf rasant steigt. Gigantische Investitionen wären nötig, um reichhaltige Schiefergas-Vorkommen auszubeuten. Die Kosten für den Energie-Import erschweren zudem die beliebten Sozialprogramme, die Fernandez im vergangenen Jahr die Wiederwahl sicherten.
Die argentinische Regierung übt deshalb seit geraumer Zeit immensen Druck auf YPF aus, die Produktion von Öl und Erdgas auszuweiten. Weil entsprechende Vorschläge von YPF der Regierung nicht weit genug gingen, wurde bereits seit Wochen über eine Verstaatlichung spekuliert. Argentinien hat in den vergangenen Jahren bereits Pensionsfonds und eine Fluggesellschaft unter staatliche Kontrolle gebracht und so viele Anleger verschreckt. Seit dem Kollaps des Finanzsystems vor einem Jahrzehnt und der damals weltgrößten Umschuldung kann sich das Land nicht an den Finanzmärkten finanzieren. Der Skandal um YPF dürfte die Rückkehr an den Markt weiter erschweren.
Mit chinesischer Hilfe könnte die Geschichte jedoch noch eine unerwartete Wendung nehmen. Die chinesische Finanz-Internetseite "caixin.com" berichtete, der zweitgrößte chinesische Energiekonzern Sinopec wolle YPF kaufen und habe sogar schon eine provisorische Einigung zu einem Preis von 15 Milliarden Dollar erzielt. Die China Petrochemical Corp (Sinopec) sei zuversichtlich, die Forderungen der argentinischen Regierung nach einer Beschleunigung der Produktion erfüllen zu können, wurde ein Konzern-Insider auf der Internetseite zitiert. Sinopec nannte den Bericht ein Gerücht.
Mit Material von dpa/dapd/rtr

















