10.04.12

Eine App für eine Milliarde Dollar

Facebook kauft kleinen Fotodienst Instagram

Vor dem Börsengang schluckt Facebook noch schnell den Fotodienst Instagram. Nutzer sollen die App weiterhin ohne Facebook verwenden können.

Foto: dpa/DPA
Der Fotodienst Instagram ermöglicht es seinen Nutzern, ihre Fotos mit Freunden und Fremden austauschen
Der Fotodienst Instagram ermöglicht es seinen Nutzern, ihre Fotos mit Freunden und Fremden austauschen

San Francisco. Kurz vor dem Börsengang kauft das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook für rund eine Milliarde Dollar (760 Mio Euro) die Foto-Plattform Instagram . Der Dienst soll eigenständig weiterarbeiten und nicht mit Facebook-Angeboten verschmolzen werden, versprach Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Der tatsächliche Kaufpreis könnte schnell noch höher werden – ein Teil wird in Facebook-Aktien bezahlt, die nach dem Börsengang noch an Wert gewinnen könnten.

Instagram ist deutlich kleiner als Facebook: Die Plattform hatte zuletzt rund 30 Millionen Nutzer, während das Online-Netzwerk inzwischen auf 850 Millionen kommt. Über Instagram lassen sich mit dem Smartphone geschossene Fotos mit wenigen Klicks im Bekanntenkreis teilen. Instagram kooperiert dabei neben Facebook auch mit Twitter oder dem Miniblog-Dienst Tumblr.

+++ Facebook schluckt Instagram für eine Milliarde Dollar +++

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Die Nutzer könnten weiterhin ihre Bilder in andere soziale Netzwerke senden, versicherte Zuckerberg. Auch solle kein Instagram-Nutzer gezwungen werden, Facebook zu nutzen. "Wir denken, es ist ein wichtiger Teil der Erfahrung, dass Instagram mit Diensten jenseits von Facebook verbunden ist."

"Instagram wird bestehen bleiben", versprach auch Firmenmitgründer und Chef Kevin Systrom im hauseigenen Blog. Das gelte ebenso für die kostenlose App, die auf Apples iPhone und den Android-Smartphones läuft. Das kleine Programm ist quasi das Eingangstor in die Instagram-Welt. Gemeinsam mit Facebook sollten aber neue Funktionen entwickelt werden. Umgekehrt sollen sich die Facebook-Entwickler nach dem Wunsch Zuckerbergs den einen oder anderen Kniff von ihren Instagram-Kollegen abschauen und in die eigenen Services einbauen.

Facebook stemmt den Zukauf mit einer Mischung aus Bargeld und eigenen Aktien. Das soziale Netzwerk treibt seit Wochen seinen Börsengang voran, der für Mai oder Frühsommer erwartet wird. Mit Einnahmen von aktuell angepeilten fünf Milliarden Dollar würde es der größte Börsengang einer Internetfirma überhaupt. Zusammen mit den Anteilen, die bei den Alteigentümern wie Zuckerberg verbleiben, dürfte Facebook auf eine Firmenbewertung von 100 Milliarden Dollar kommen.

+++ Nur fünf Milliarden - Börsengang im "Mini"-Format +++

Der Instagram-Zukauf soll noch in diesem Quartal abgeschlossen werden. "Das ist ein wichtiger Meilenstein für Facebook, weil es das erste Mal überhaupt ist, dass wir ein Produkt beziehungsweise ein Unternehmen mit so vielen Nutzern übernommen haben", schrieb Zuckerberg. (dpa/abendblatt.de)

Fotodienst Instagram: Das Foto-Schaufenster fürs Smartphone
Fotodienst Instagram: Das Foto-Schaufenster fürs Smartphone:
Mit dem Vormarsch der Smartphones ist es so einfach wie noch nie geworden, Fotos immer und von überall miteinander zu teilen.
Dem Dienst Instagram, der jetzt für eine Milliarde Dollar von Facebook gekauft wurde, gelang es in nur zwei Jahren, eine starke Position in diesem Markt zu erobern.
Zu dem Erfolgsgeheimnissen gehören eine extrem einfache Bedienung und die Möglichkeit, Fotos mit Farbfiltern aufzupeppen.
Das Prinzip von Instagram erinnert an den Kurznachrichtendienst Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht.
Man kann den Foto-Strom anderer Nutzer abonnieren und die eigenen Bilder entweder allen oder nur einem ausgewählten Bekanntenkreis zugänglich machen.
Auf Wunsch können die Fotos mit Ortsmarkierungen und Schlagwörtern versehen werden.
Bislang konnte Instagram rund 30 Millionen Nutzer gewinnen, wobei der Dienst bis vor kurzen nur als iPhone-App existierte.
Die beiden Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger tasteten sich allmählich zu dem heutigen Instagram-Konzept durch.
Erst probierten sie ihr Glück mit einer App Namens Burbn, die das Hochladen von Bildern mit einer Check-In-Funktion kombinierte.
Es zeigte sich jedoch, dass die Burbn-Nutzer vor allem auf das Teilen von Fotos aus waren.
Deshalb wagten sie nach mehreren Monaten Entwicklung im September 2010 einen Neustart mit Instagram.
Nach drei Monaten hatte der Dienst eine Million Nutzer, nach einem Jahr zehn Millionen.
Vergangene Woche kamen allein mit dem Start der Android-App auf einen Schlag eine weitere Million Anwender dazu. (dpa)
Chronologie: Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern
In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg:
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook aus ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen.
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook – die Pinnwand – kommt dazu.
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer.
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet.
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer.
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle.
Dezember 2006: Facebook hat mehr als 12 Millionen Nutzer.
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer.
Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent – die Bewewrtung liegt also bei 15 Milliarden Dollar.
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst "Beacon", der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen Werbung ins Netzwerk.
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr.
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet.
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer.
Dezember 2008: Facebook Connect verknüpft den Dienst mit vielen Webseiten im Netz.
April 2009: Facebook hat mehr als 200 Millionen Nutzer.
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook – bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar.
Dezember 2009: Facebook hat mehr als 350 Millionen Nutzer.
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer.
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook.
Juli 2011: Facebook hat mehr als 750 Millionen Nutzer.
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den "Gefällt-mir"-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen – trifft jedoch auf wenig Resonanz.
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. (dpa)
Die wichtigsten Web-Börsengänge
Einnahmen für die Unternehmen aus ihren Börsendebüts (mit Jahr):
Facebook (USA): 5 bis 10 Milliarden Dollar (wahrscheinlich 2012)
Google (USA): 1,7 Milliarden Dollar (2004)
Yandex (Russland): 1,3 Milliarden Dollar (2011)
Zynga (USA): 1 Milliarde Dollar (2011)
Groupon (USA): 700 Millionen Dollar (2011)
Microsoft (USA): 61 Millionen Dollar (1986)
Amazon (USA): 49,4 Millionen Dollar (1997)
Yahoo (USA): 33,8 Millionen Dollar (1996)
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