Gewinneinbruch
DekaBank verkauft zu wenige Fonds und feuert den Chef
Dem Fondsanbieter der Sparkassen bricht das Netto-Ergebnis um mehr als 60 Prozent ein. Entlassener Waas wollte angeblich mehr Boni.
Frankfurt/Main. Vertrauenskrise bei der DekaBank: Dem Fondsanbieter der Sparkassen laufen die Kunden davon und ihr Vorstandsvorsitzender Franz Waas ist überraschend gefeuert worden. Kurz nachdem die ungewöhnliche Personalie bekannt geworden war, musste Kapitalmarktvorstand Oliver Behrens am Dienstag in Frankfurt am Main stellvertretend schlechte Jahreszahlen vorstellen.
Behrens hatte keine 24 Stunden zuvor erfahren, dass er zum kommissarischen Vorstandsvorsitzenden befördert würde. Waas, bis dato sein Chef, hatte sich mit dem Verwaltungsrat überworfen und wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) hatte Waas ausgerechnet für die Krisenjahre 2008 und 2009 höhere Boni verlangt.
+++ Sparkassen übernehmen für 2,3 Milliarden Euro DekaBank +++
Mit der Entlassung habe der Verwaltungsrat "die Konsequenzen daraus gezogen, dass das notwendige persönliche Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben war". Mehrere Medien berichteten, dass DSGV-Präsident Heinrich Haasis von Waas persönlich enttäuscht war. Waas selbst konnte nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.
Behrens, der die DekaBank nun auf unbestimmte Zeit führen wird, zeigte sich verwundert. "Ich war überrascht. Hat ja keiner mit gerechnet", sagte Behrens der Nachrichtenagentur dapd. Bisher sei er in der Kürze der Zeit nicht gefragt worden, ob er auch dauerhaft an der Spitze der DekaBank bleiben wolle. "Wenn sich diese Frage stellt, dann muss man die beantworten", hatte er während der Jahrespressekonferenz doppeldeutig auf Fragen geantwortet. Dem früheren Deutsch-Banker Behrens werden hinter vorgehaltener Hand Chancen eingeräumt, die DekaBank auch dauerhaft zu führen.
Die Waas-Nachfolge dürfte zur ersten wichtigen Amtshandlung Georg Fahrenschons werden. Der ehemalige bayerische Finanzminister übernimmt Mitte Mai die DSGV-Präsidentschaft und wird damit auch DekaBank Verwaltungsratschef. Als wahrscheinlich gilt, dass er sich mit Haasis über die Personalie abstimmt.
Waas hinterlässt Behrens ein schweres Erbe. Im vergangenen Jahr hat das Institut rund ein Fünftel weniger erwirtschaftet als geplant. Das Konzernergebnis brach netto sogar um mehr als 60 Prozent auf 254,3 Millionen Euro im Vergleich zu 2010 ein, zeigte der Geschäftsbericht. Das lag an geringeren Erträgen von Wertpapieren, steigender Risikovorsorge und einem niedrigeren Zinsergebnis.
Das Geschäftsjahr 2012 lief nach Angaben von Vertriebsvortsand Hans-Jürgen Gutenberger schleppend an. Zu wenige Kunden in den 419 Sparkassen Deutschlands wollen DekaFonds zeichnen. "Wir müssen im Moment weiter damit rechnen, dass unsere Absatzsituation unter Druck steht", sagte Guttenberger. Die Sparkassen haben im Januar und Februar Fonds im Wert von fünf Milliarden verkauft, sagte er. Das habe nicht gereicht, um Verluste bei anderen Produkten auszugleichen.
















