02.04.12

Spritkosten

Hohe Benzinpreise gefährden Wirtschaftswachstum

Dauerhaft hohe Benzinpreise könnten das Wachstum dämpfen, warnt der DIHK-Chef. Widerstand gegen eine höhere Pendlerpauschale bröckelt.

Foto: dapd/DAPD
Die stark gestiegenen Treibstoffpreise bereiten nicht nur den privaten Konsumenten, sondern zunehmend auch vielen Unternehmen im Transportgewerbe Probleme
Zu Ostern werden weitere Spritpreis-Rekorde erwartet, derzeit kostet der Liter Super schon gut 1,70 Euro

Berlin. Weiter steigende Benzinpreise könnten nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) das Wirtschaftswachstum gefährden. "Bei zwei Euro an der Preistafel fängt die Konjunktur an zu knirschen", sagte DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann der "Bild"-Zeitung. Hohe Anschaffungskosten für Energie und Rohstoffe seien für die Wirtschaft das "Geschäftsrisiko Nummer eins". Für den Fall, dass die Benzinpreise sich langfristig auf dem hohen Niveau einpendeln, fordert der DIHK-Präsident von der Bundesregierung eine Begrenzung der Energiesteuern, um die Wirtschaft und die Kaufkraft der Verbraucher zu unterstützen.

In der Union scheint die Front totaler Ablehnung gegen eine höhere Pendlerpauschale zur Entlastung der von den Rekordpreisen gebeutelten Autofahrer zu bröckeln. "Ich halte eine Erhöhung von zehn Cent pro Kilometer für durchaus angemessen", sagte der CDU-Politiker Karl-Josef Laumann der "Rheinischen Post". Schließlich müssten die Menschen für den Weg zum Job immer mehr Geld aufbringen, um überhaupt arbeiten und Steuern zahlen zu können. Derzeit beträgt die Steuervergünstigung 30 Cent pro Kilometer.

+++ Stabile Spritpreise gefordert: Die wichtigsten Fragen +++

+++ Politik sagt Benzinpreissprüngen den Kampf an +++

"Über eine Erhöhung der Pendlerpauschale können wir generell immer diskutieren", sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU), der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag). "Aber die Vergangenheit lehrt uns, dass dies eher zu einer Erhöhung des Spritpreises führt."

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte vorgeschlagen, über eine Erhöhung nachzudenken, wenn andere Initiativen nicht fruchteten. Die Bundesregierung lehnt eine Anhebung offiziell ab, allerdings preschten FDP-Spitzenpolitiker in den vergangenen Tagen vor und forderten, eine Aufstockung der Pendlerpauschale zu prüfen.

SPD und Grüne sehen eine solche Maßnahme skeptisch. "Das wäre eine Subvention der Mineralölkonzerne und würde dem Verbraucher gar nichts nützen", weil die Konzerne den Aufschlag an die Kunden weitergeben würden, sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn dem "Tagesspiegel". Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte in der Zeitung, wichtig sei die vom Bundesrat und den Berliner Regierungsfraktionen angeregte Benzinpreisbremse, "sonst geht die Spirale immer weiter, und das kann man mit der Pendlerpauschale nicht ausgleichen".

Zu Ostern werden weitere Spritpreis-Rekorde erwartet, derzeit kostet der Liter Super schon gut 1,70 Euro. Den größten Anteil daran machen Mineralöl- und Mehrwertsteuer aus, die die Politiker aber bisher nicht antasten wollen. (dpa/abendblatt.de)

Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt
Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt
Der Benzinpreis an der Tankstelle setzt sich überwiegend aus Steuern und dem Einkaufspreis am europäischen Großmarkt für Ölprodukte in Rotterdam zusammen.
Je Liter Benzin werden festgeschriebene 65,5 Cent Mineralölsteuer fällig, außerdem werden 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben.
Zieht man noch den Einkaufspreis ab, der im Januar – dies sind die neusten Daten - durchschnittlich bei 56,1 Cent lag, bleibt in der Rechnung des Branchenverbandes der sogenannte Deckungsbeitrag (Januar: 10,8 Cent).
Daraus müssen auch die Kosten für die Tankstelle, Transport, Lagerung, Werbung, Verwaltung und die Beimischung von Biokomponenten gedeckt werden.
Als Gewinn streben die Ölgesellschaften einen Cent je Liter an.
In der aktuellen Studie des Energieexperten Steffen Bukold wird geschrieben, dass sich die Bruttomarge der Mineralölwirtschaft (Tankstellenpreis minus Rohölpreis) von 11,5 Cent Ende November 2011 auf 16,3 Cent je Liter Superbenzin Anfang März 2012 erhöht habe.
Darin ist nicht nur der Gewinn der Tankstellen enthalten, sondern ebenso die Marge der Raffinerien.
Bei der abweichenden Darstellung der Mineralölwirtschaft ist der Gewinn der Raffinerien in der Position der Einkaufskosten enthalten. (dpa)
So sparen Sie Sprit
1. Defensiv fahren. Jeder Tritt aufs Bremspedal kostet Geld. Deshalb vorausschauend fahren, vor roten Ampeln ausrollen lassen, keine Blitzstarts.
2. Motor ausschalten. Stau, Schranken, lange Ampelschaltungen - schon bei Wartezeiten von einer Minute lohnt es sich, den Motor auszuschalten.
3. Energieverbrauch senken. Extras wie Klimaanlagen und elektrische Fensterheber erhöhen den Spritverbrauch. Geöffnete Fenster, die den Luftwiderstand verstärken, allerdings auch.
4. Untertourig fahren. Frühes Hochschalten in den nächsten Gang, vor allem aus dem ersten, spart auch einige Tropfen Sprit.
5. Regelmäßig warten lassen. Prüfen Sie den Reifendruck regelmäßig, nutzen Sie hochwertiges Öl, lassen Sie den Wagen regelmäßig darauf prüfen, ob alles richtig eingestellt ist.
6. Gewicht reduzieren. Jede Kiste Wasser im Kofferraum, jeder Gepäckträger erhöht den Benzinverbrauch.
7. Reihenfolge einhalten. Stellen Sie den Motor erst an, wenn Sie wirklich losfahren wollen - Spiegel und Sitz besser bei ausgeschaltetem Motor einstellen.
8. Tempolimits einhalten. Jede Statistik zeigt, dass überhöhte Geschwindigkeit mehr Geld und Nerven kostet als Zeit spart.
Quelle: kfz.de
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