05.02.12

Griechenland

Griechisches Drama: Noch immer keine Einigung mit Troika

Der Verhandlungsmarathon um die Rettung Griechenlands dauert an. Die Geldgeber beharren auf harten Sparmaßnahmen. Die Zeit wird knapp.

Foto: dapd/DAPD
Griechenlands Ministerpräsident Lukas Papademos konnte sich mit der Troika über weitere Sparmaßnahmen bislang nicht einigen. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden
Griechenlands Ministerpräsident Lukas Papademos konnte sich mit der Troika über weitere Sparmaßnahmen bislang nicht einigen. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden

Athen. Die Beratungen der griechischen politischen Führung über die Rettung des Landes vor dem Bankrott sind am Sonntagabend ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gespräche würden am Montag fortgesetzt, teilte das Büro des griechischen Regierungschefs, Lucas Papademos, mit.

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Wie es in einer Erklärung von Papademos Büro hieß, hätten sich die Parteivorsitzenden lediglich darauf geeinigt, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Landes mit Maßnahmen zu verbessern, die auch Lohnkürzungen beinhalten könnten. Damit käme Athen nach Einschätzung von Beobachtern den Forderungen der Geldgeber "einen Schritt näher". Zudem sei Athen bereit den Staat um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes 2012 zu verschlanken. Weiter sollen Maßnahmen zur Rettung der Banken und Rentenkassen Griechenlands nach einem Schuldenschnitt getroffen werden. Zahlen und konkrete Maßnahmen wurden jedoch nicht genannt.

Endgültige Entscheidungen sollen am Montag getroffen werden, hieß es. Die Erklärung lag der Nachrichtenagentur dpa vor. Die Verhandlungen mit der sogenannten "Troika", den Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB), sollten in der Nacht fortgeseztzt werden. Die Stimmung der Parteiführer war nach dem Ende der Sitzung schlecht: "Das Land kann sie (die Maßnahmen) nicht ertragen. Ich kämpfe mit jedem Mittel um sie abzuwenden", sagte der Präsident der konservativen Partei Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, nach der einer fast vierstündigen Sitzung mit dem griechischen Regierungschef im Fernsehen. Giorgos Karatzaferis, der Präsident der kleinen rechtsgerichteten Partei (LAOS), die die Regierung des Finanzexperten Papademos unterstützt, warnte vor einer "Verelendung" der Griechen und einer "Revolution" in der Gesellschaft.

Die Sozialisten und ihr Chef Giorgos Papandreou, der das Land bis vergangenen November regierte, wollten am Montagvormittag bei einer Sondersitzung ihres Parlamentsausschusses entscheiden, ob sie den neuen Maßnahmen zustimmen. Noch in der Nacht zum Montag sollte der Politische Rat der Sozialisten tagen. Beobachter sprachen von einer Zwickmühle: Einerseits können die griechischen Parteien zu den Sparplänen kaum Nein sagen, weil dies den Bankrott des Landes bedeuten würde. Andererseits wollten sie sich vor möglicherweise anstehenden Neuwahlen positionieren, die erwartet werden, wenn Griechenland mit neuen Finanzhilfen einem wirtschaftlichen Zusammenbruch entgehen kann.

Im Mittelpunkt der Parteiengespräche standen die von den internationalen Geldgebern Griechenlands geforderten zusätzlichen Sparanstrengungen. Knackpunkt in den Gesprächen mit den Chefs der Sozialisten, Konservativen und der LAOS-Partei sind die von der "Troika" verlangten Lohnkürzungen auch im privaten Sektor, die bis zu 25 Prozent weniger Einkommen für die Arbeitnehmer bedeuten könnten.

15 000 Staatsbedienstete sollen bis Juni gehen

Insgesamt fordert die "Troika" die Entlassung von 150 000 Staatsbediensteten bis 2015. Zudem sollen zahlreiche Renten gekürzt werden. Papademos braucht innenpolitische Unterstützung für eine Einigung – andernfalls droht im März die Staatspleite, wenn EU, IWF und EZB einem weiteren Rettungspaket im Volumen von mindestens 130 Milliarden Euro für Athen nicht zustimmen. Parallel wurden am späten Sonntagabend in Athen erneut Verhandlungen mit dem Internationalen Bankenverband über einen Schuldenschnitt aufgenommen. Angepeilt wird ein freiwilliger Schuldenschnitt in Höhe von 100 Milliarden Euro. Die Verhandlungen mit den Banken verliefen nach Informationen aus höchsten Stellen des Finanzministeriums "sehr gut" – "viel besser und leichter als mit der Troika", sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

Stichworte: Finanztransaktionsteuer und Stempelsteuer
Über eine Steuer auf Finanzgeschäfte wird seit Jahrzehnten diskutiert. Im Zuge der EU-Schuldenturbulenzen flammte die Debatte über eine Beteiligung des Finanzsektors an den Krisen-Kosten wieder auf. Doch die EU-Länder sind uneins, welche Geschäfte besteuert werden sollen. Im Gespräch sind zwei Modelle:
Finanztransaktionsteuer:
Die Idee einer Finanztransaktionsteuer geht auf den US-Ökonomen James Tobin zurück. Der Wirtschaftswissenschaftler brachte 1972 eine Steuer auf alle grenzüberschreitenden Devisenspekulationen ins Spiel. Er schlug damals eine Abgabe von einem Prozent vor.
Die EU-Kommission schlug 2011 eine Transaktionsteuer von 2014 an zwischen 0,01 und 0,1 Prozent vor, ohne sich auf eine konkretes Modell festzulegen. Die Behörde rechnet EU-weit mit Einnahmen von 57 Milliarden Euro jährlich. Vor allem kurzfristige Spekulationen sollen so teurer werden. Hypotheken, Kredite oder Versicherungen von Privatpersonen oder kleinen Unternehmen wären nicht betroffen.
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy geht das nicht schnell genug: Er will in Frankreich bereits im August eine Finanztransaktionsteuer einführen. Der Steuersatz soll 0,1 Prozent betragen.
Stempelsteuer:
Als Alternative wird das britische Modell einer Stempelsteuer diskutiert. Diese "Stamp Duty" unterscheidet sich von der Finanztransaktionsteuer durch ein wesentliches Kriterium: Sie umfasst bei weitem nicht alle Transaktionen auf dem Finanzmarkt.
Die Stempelsteuer betrifft vor allem den Verkauf von Aktien und Optionsscheinen. Wer in Großbritannien Aktien verkauft, muss auf den Geldwert, den er dafür erhält, 0,5 Prozent Steuer bezahlen. Der Handel mit vielen anderen Finanzprodukten wie Devisen und Derivaten ist von der Steuer nicht erfasst. (dpa)
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