Soziales Netzwerk
Facebook-Börsengang: Privatsphäre könnte leiden
Datenschützer befürchten, dass der Fokus zu sehr auf der Gewinnmaximierung liegen wird. Der Datenschutz könnte dann darunter leiden.
Facebook stößt Börsengang an
Foto: dpa/DPA
Berlin. Datenschützer befürchten, dass mit dem baldigen Börsengang von Facebook die Privatsphäre der Nutzer leidet. „"Es steht zu befürchten, dass der Fokus in Zukunft auf Gewinnmaximierung gerichtet wird", sagte Johannes Caspar, der als Datenschutzbeauftragter von Hamburg für das Online-Netzwerk zuständig ist. "Der Druck der Aktionäre“ werde wachsen und die Entscheidungen des Unternehmens möglicherweise zu Lasten des Datenschutzes beeinflussen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. In seinem Börsenprospekt betont Facebook selbst jedoch, dass das Engagement der Nutzer wichtiger sei als "kurzfristige finanzielle Resultate“.
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Das Unternehmen werde so hoch bewertet, weil es der Werbeindustrie die Chance gebe, Konsumenten sehr gezielt anzusprechen, sagte Caspar: "Das Geschäftsmodell lebt von den Daten der Nutzer.“ Neuerungen wie die jüngst eingeführte Chronik stünden in diesem Kontext: Sie sollten Mitglieder dazu anregen, noch mehr von sich preiszugeben.
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Auch sei fraglich, wie die Grundsatzerklärung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, nach der das Netzwerk vor allem eine „soziale Mission“ verfolgt und die Menschen stärker miteinander vernetzen will, angesichts der Börsennotierung mit dem Datenschutz vereinbart werden könne, sagte Caspar. In einem Brief an Investoren gerichteten Brief schrieb Zuckerberg: „Einfach gesagt: Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.“
Dass die börsenrechtlich verankerte Transparenzpflicht den deutschen Datenschützern hilft, glaubt Caspar nicht: „Ich gehe davon aus, dass für die Datenschutzbehörden in Deutschland dadurch nichts transparenter wird.“ Das Unternehmen verweist schon jetzt stets darauf, dass nur die Datenschützer an seinem Europasitz in Irland zuständig sind. Er stehe aber mit den irischen Kollegen im Austausch, sagte Caspar.
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Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht Facebook beim Datenschutz stärker in der Pflicht. Als börsennotiertes Unternehmen müsse das Online-Netzwerk „umso mehr den Anspruch erfüllen, sich an Recht und Gesetz zu halten – und zwar nicht nur in den USA, sondern auch auf wichtigen Auslandsmärkten wie Deutschland“, erklärte sie am Donnerstag.
Facebook ist die große Bedeutung des Datenschutzes für sein Geschäftsmodell bewusst: Im Börsenprospekt verweist das Unternehmen darauf, dass die Umsetzung von Gesetzen und Regulierungsbeschlüssen zu hohen Kosten führen und neue Produkte verzögern oder verhindern könnte. Zudem bestehe das Risiko, das Negativ-Berichterstattung über den Umgang mit der Privatsphäre der Nutzer dem Ruf schade. (abendblatt.de/dpa)





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