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Wirtschaft

Mega-Börse gestoppt

EU-Kommission verhindert Elefantenhochzeit

Brüssel hat die Fusion von Deutscher Börse und NYSE verhindert. Deutsche-Börsen-Chef Francioni spricht von einer verpassten Chance.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat die geplante Börsenfusion zwischen der Deutschen Börse und der New Yorker NYSE Euronext unterbunden
Foto: REUTERS

Frankfurt/Brüssel. Nach dem Veto aus Brüssel wird es keine transatlantische Megafusion zur größten Börse der Welt geben. Am Mittwoch stoppten die EU-Wettbewerbshüter die geplante Fusione der Deutschen Börse mit der New Yorker NYSE Euronext. Zu dieser Entscheidung sah sich EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gezwungen, da sonst ein Quasi-Monopol im globalen Markt für Termingeschäfte entstanden wäre. Es galt eine erhebliche Schädigung der europäischen Wirtschaft zu verhindern, so Almunia in seiner Begründung.

Für die Deutsche Börse ist das Nein eine weitere herbe Schlappe in ihrem Expansionsbestreben. Über einen „schwarzen Tag für Europa“ klagte der Vorstand. Anders die Anleger: Der Kurs des DAX-Unternehmens legte nach der Nachricht zu. Auch die Arbeitnehmer der Deutschen Börse reagierten erleichtert.

NYSE Euronext erklärte, es werde nun über die Auflösung der Fusionsvereinbarung diskutiert. Ein klares Signal, dass man in New York nicht mehr auf eine Revidierung der Kommissionsentscheidung durch den Europäischen Gerichtshof hofft. „Es ist jetzt Zeit, nach vorne zu blicken“, sagte NYSE-Euronext-Vorstand Jan-Michiel Hessels.

+++ Börsenfusion: EU-Kommission verbietet Zusammenschluss +++

Bei einer Elefantenhochzeit der beiden führenden transatlantischen Börsenbetreiber hätten diese mehr als 90 Prozent des börsengebundenen Derivatehandels mit europäischen Werten kontrolliert, sagte Almunia. Die Tochterfirmen Eurex (Deutsche Börse) und Liffe (NYSE Euronext) teilen sich den Markt derzeit auf. Das äußerst lukrative Geschäft bilde „den Kern des Finanzsystems“, sagte der Kommissar. Die Fusion hätte den Wettbewerb ausgeschaltet - und den Einstieg neuer Konkurrenten blockiert.

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Das Aus für den Zehn-Milliarden-Dollar-Deal ist ein Dämpfer für beide Unternehmen: Sie wollten sich durch die Fusion auch besser gegen große Konkurrenten in den USA und Asien wappnen. Allerdings nicht um jeden Preis. Die Auflagen Almunias, das Trennen vom Derivate-Geschäft, lehnten sie ab.

„Die Deutsche Börse ist gut gerüstet und hat genügend Kraft, um auch ohne die Fusion weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein“, beteuerte Vorstandschef Reto Francioni. Gleichwohl machte er seinem Ärger über Brüssel Luft: Mit dem Nein „wird die Schaffung einer in Europa beheimateten und global führenden Börsengruppe verhindert“, sagte er in Frankfurt am Main. „Dies ist auch eine verpasste Chance für den Finanzplatz Frankfurt.“

+++ Hintergrund: Alternative Handelsplattformen +++

Almunia wies den Vorwurf zurück, er habe den Aufbau eines „europäischen Champions“ verhindert. Die New Yorker Börse sei schließlich nicht mehrheitlich in europäischen Händen. Die geplante Mega-Börse hätte zudem keinen europäischen Geschäftsführer gehabt. Und nicht zuletzt habe die Deutsche Börse „nicht zu hundert Prozent europäische Aktionäre“. Nationale Überlegungen seien für die Kommissionsentscheidung irrelevant gewesen.

Im Brüsseler Kollegium war nur Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier für die Hochzeit eingetreten, weil er sich davon eine Aufwertung des europäischen Finanzplatzes erhoffte. Am Mittwoch ließ er seinen Widerstand aber fallen; es sei gar nicht zur Abstimmung gekommen, sagte Almunia.

Die Arbeitnehmer der Deutschen Börse, die sich gegen die Fusion gestemmt hatten, atmeten auf. Sie sei „froh, dass dieses Megaprojekt gescheitert ist“, sagte Betriebsratschefin Irmgard Busch zu „Spiegel Online“. Der geplante Deal hätte enorme Risiken für die Mitarbeiter in Deutschland mit sich gebracht.

Für die Deutsche Börse ist es nicht die erste Niederlage beim Versuch, durch die Übernahme eines Konkurrenten zu wachsen. In den vergangenen Jahren hatte sich der Börsenbetreiber gleich zweimal dabei verhoben, die prestigeträchtige London Stock Exchange zu kaufen. Außerdem ging die Übernahme der europäischen Vierländerbörse Euronext schief, die mittlerweile zum Wall-Street-Betreiber NYSE gehört.

Ohnehin platzten jüngst mehrere Übernahmeversuche von Börsenbetreibern: Die Börse in Toronto wurde 2011 nicht an London verkauft. Auch die versuchte Übernahme des Handelsplatzes Sydney durch die Börse Singapur scheiterte an nationalen Interessen. (dapd/abendblatt.de)

 

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