28.01.12Euro-Rettungspaket in Griechenland
Bericht: Troika rechnet mit weiteren 15 Milliarden
Laut der "Troika" aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF brauche das Land noch einmal zusätzlich rund 15 Milliarden Euro.
Von abendblatt.de
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Auf die Länder der Euro-Zone kommen im Rahmen des zweiten Rettungspakets für Griechenland nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" neue Lasten zu
Hamburg/Berlin. Auf die Länder der Euro-Zone kommen im Rahmen des zweiten Rettungspakets für Griechenland nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" neue Lasten zu. Nach Einschätzung der "Troika" aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) brauche das Land noch einmal zusätzlich rund 15 Milliarden Euro, berichtet der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe. Statt 130 Milliarden Euro, wie Ende Oktober vergangenen Jahres beschlossen, würden etwa 145 Milliarden Euro fällig. Grund sei die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Griechenland. "Wir gehen nicht davon aus, dass man das fehlende Geld allein bei den privaten Gläubigern einsammeln kann", zitiert das Magazin die Kontrolleure.
Die Bundesregierung hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn noch am Freitag vorgeworfen, mit Aussagen über einen höheren Finanzbedarf in Griechenland unnötig Verwirrung zu stiften. Auch Rehn hatte erklärt, der Forderungsverzicht privater Gläubiger werde für eine Lösung nicht ausreichen. Weitere staatliche Hilfen seien unausweichlich. Dazu hatte Regierungssprecher Steffen Seibert erklärt: "Ich weiß nicht, was Herr Rehn weiß, was wir angeblich nicht wissen."
David Cameron hält Merkels Pläne für "Wahnsinn"
Für Deutschland gelte das bewährte Verfahren, auf Grundlage des "Troika"-Berichts von EU, IWF und EZB die Entwicklung in Athen zu beurteilen. Die Bundesregierung diskutiere "auf der Basis von Fakten - und nicht von Annahmen und Vermutungen", sagte Seibert. (dpa/abendblatt.de)
Das Euro-Krisenjahr 2011: Eine Chronik
01.01. Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres für die europäische Währung führt Estland als 17. Land und erste frühere Sowjetrepublik den Euro ein. Das baltische Land gilt als Finanz-Musterschüler.
11.02. Bundesbank-Präsident Axel Weber kündigt seinen Rücktritt an. Weber hatte sich in der Europäischen Zentralbank – etwa der Kritik am Ankauf von Staatsanleihen – nicht durchsetzen können.
23.02. In Griechenland legt eine neue Streikwelle gegen das harte Sparprogramm der Regierung das Land weitgehend lahm. Auch in den Folgemonaten gibt es immer wieder große Protestaktion – ebenso in Portugal, Spanien oder auch Italien.
23.03. Portugals Regierungschef José Sócrates tritt zurück. Ein Sparpaket seiner Regierung war zuvor im Parlament abgelehnt worden.
08.04. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) setzen ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Volumen: 78 Milliarden Euro.
20.06. Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF. Deutschlands Garantie-Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt: "Scheitert der Euro, scheitert Europa."
02.07. Die Euro-Finanzminister geben 12 Milliarden Euro an Griechenland frei. Es ist eine Teilzahlung aus dem seit 2010 laufenden Hilfsprogramm.
21.07. Die Chefs der Euro-Länder einigen sich bei einem Krisengipfel auf ein neues Hilfspaket für Griechenland. Umfang: 109 Milliarden Euro. Eine Ausweitung der Krise auf andere Länder wie Spanien oder Italien soll unbedingt verhindert werden.
07.08. Die EZB signalisiert den Kauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen.
16.08. Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprechen sich bei einem Sondertreffen für eine "tatsächliche Wirtschaftsregierung" aus.
18.08. Der Deutsche Aktienindex Dax verliert 5,82 Prozent und fährt damit den größten Tagesverlust seit November 2008 ein. 30.08. Nachdem die IWF-Chefin Christine Lagarde mahnt, dass europäische Banken rekapitalisiert werden müssen, warnt EU-Währungskommissar Olli Rehn vor Panikmache.
09.09. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt aus "persönlichen Gründen" zurück. Stark gilt als Stabilitätswächter und Kritiker der milliardenschweren Anleihekäufe durch die EZB.
15.09. Die Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern wird im zweiten Halbjahr laut EU-Kommission kaum noch wachsen.
17.09. Unter dem Motto "Occupy Wall Street" schlagen Demonstranten aus Protest gegen die Finanzwelt Zelte in Manhattan auf. Daraus wird eine "Occupy"-Bewegung in anderen Städten und Ländern. Das New Yorker Zeltlager wird im November geräumt.
20.09. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Italiens die Kreditwürdigkeit um eine Note von "A+" auf "A" herab.
21.09. Der Haushaltsausschuss des Bundestages billigt die Ausweitung des EFSF.
28.09. Die EU-Kommission beschließt Vorschläge für eine neue Finanztransaktionssteuer in der EU.
29.09. Merkel bekommt im Bundestag bei der Abstimmung über den erweiterten EFSF die Kanzlermehrheit.
09.10. Merkel und Sarkozy wollen bis Ende Oktober ein Gesamtpaket zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise und zur Stützung von Europas Banken vorlegen. Gerade auch französische Banken sind von der Schuldenkrise getroffen.
10.10. Die belgisch-französische Bank Dexia wird zerschlagen. Risikopapiere von 90 Milliarden Euro sollen in eine "Bad Bank" gehen, für die Belgien, Frankreich und Luxemburg garantieren.
11.10. Die Ausweitung des EFSF wird im slowakischen Parlament vorerst gestoppt. Damit ist die Regierung von Premierministerin Iveta Radicova gescheitert.
12.10. Zur Stärkung der europäischen Banken schlägt die EU-Kommission vorübergehend höhere Kernkapitalquoten vor. Details soll die Europäischen Bankenaufsicht vorschlagen.
13.10. Die Slowakei stimmt für die EFSF-Erweiterung.
19.10. Sarkozy reist überraschend zur Verabschiedung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in Frankfurt. Es wird die Geburtsstunde der "Frankfurter Runde", zu der Merkel, Eurogruppenchef Juncker, IWF-Chefin Lagarde, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der neue EZB-Chef Mario Draghi gehören. Die Gruppe hat keine offizielle Funktion, ist aber politisch wichtig. Während Sarkozy in Frankfurt berät, bekommt seine Frau Carla Bruni-Sarkozy in Paris ein Kind.
21.10. Griechenland braucht mehr Finanzhilfe der Partner und Banken als bisher berechnet, sagen die Euro-Finanzminister.
23. – 27.10. Nach einem EU-Doppelgipfel steht ein Paket gegen die Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert. Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, plus Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll mit verschiedenen Instrumenten auf rund eine Billion Euro erhöht werden können. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken.
26.10. Der Bundestag gibt grünes Licht für einen stärkeren Euro-Rettungsfonds EFSF.
28.10. Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Verfahrensregeln für die deutsche Beteiligung an Nothilfen des EFSF vorläufig für nicht anwendbar. Die Entscheidungsrechte des Bundestags dürften nicht von einem Sondergremium aus lediglich neun Parlamentariern wahrgenommen werden. 31.10. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou will sein Land überraschend über das neue Hilfspaket abstimmen lassen.
02.11. Europa setzt Griechenland wegen der geplanten Volksabstimmung über die EU-Rettungshilfen unter Druck. Die von den Euro-Finanzministern bereits gebilligte Kreditauszahlung wird auf Eis gelegt, berichten Merkel und Sarkozy in Cannes nach einem Krisengespräch mit Papandreou. Auch ein Austritt aus der Euro-Gruppe ist kein Tabu mehr. "Wir sind gewappnet", sagt Merkel.
03.11. Papandreou sagt das Referendum wieder ab.
04.11. Italien will sein Reform- und Sparprogramm künftig auch vom IWF bewerten lassen.
05.11. Papandreou gewinnt eine Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament.
06.11. In Athen soll eine Übergangsregierung gebildet werden.
08.11. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi erklärt sich zum Rücktritt bereit.
09.11. Papandreou kündigt seinen Rücktritt an.
10.11. Für die Eurozone erwartet EU-Währungskommissar Rehn 2012 nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent nach 1,5 Prozent 2011.
10.11. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
10.11. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erkennt Frankreich die Top-Bonität ab – versehentlich.
12.11. Berlusconi tritt zurück.
18.11. Die neue italienische Regierung unter Mario Monti hat die Rückendeckung im Parlament für ihr Spar- und Sanierungsprogramm.
20.11. Spaniens Sozialisten werden bei der vorgezogenen Parlamentswahl abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) siegt.
23.11. Die EU-Kommission schlägt sogenannte Eurobonds vor. Der Vorstoß ist politisch heikel: Die deutsche Bundesregierung lehnt gemeinsame europäische Schuldscheine ab.
28.11. Die OECD sieht die Eurozone in einem gefährlichen Teufelskreis aus Verschuldung und schwachem Wachstum.
28.11. Der Dax legte um mehr als 4 Prozent zu – auch, weil die Finanzmärkte neue Konzepte gegen die Schuldenkrise erwarten.
29.11. Die Schlagkraft des EFSF soll nach dem Willen der Euro-Finanzminister mindestens verdreifacht und möglicherweise sogar verfünffacht werden. 30.11. Die Spannungen im europäischen Bankensystem nehmen weiter zu, das Misstrauen der Institute untereinander wächst. EZB, die US-Notenbank Fed und weitere wichtige Zentralbanken greifen mit einer abgestimmten Aktion in den Geldmarkt ein. Dem weltweiten Finanzsystem soll mehr Liquidität zur Verfügung gestellt werden.
05.12. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's droht Deutschland und weiteren 14 Ländern der Eurozone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit.
08./09.12. Schicksalsstunden für den Euroraum. Die Europäische Zentralbank senkt die Zinsen auf das Rekordtief von 1,0 Prozent. Später zeigt der Stresstest: Europas Banken fehlen 114,7 Milliarden Euro. Dann Eklat in Brüssel: Für die Eurorettung nimmt die EU ihre Spaltung in Kauf. Der EU-Gipfel vereinbart einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin, den Großbritannien nicht mitträgt.
12.12. Großbritanniens Premierminister David Cameron rechtfertigt sein umstrittenes Nein zu einer EU-weiten Lösung für mehr Haushaltskontrolle vor dem Parlament. Die Opposition wirft ihm Versagen vor.
16.12. FDP-Chef Philipp Rösler wird beim Mitgliederentscheid der Partei über den Euro-Rettungsschirm ESM in seinem Kurs bestätigt.
21.12. Der nächste EU-Gipfel steht: Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen am 30. Januar 2012 zu einem Sondergipfel in Brüssel zusammentreffen.
22.12. Der drastische Sparkurs des italienischen Regierungschefs Mario Monti erhält nach dem Abgeordnetenhaus auch die Zustimmung des Senats. Damit kann Montis Maßnahmenbündel mit Steuererhöhungen und Rentenreform Gesetz werden.