Schlecker reicht Insolvenz ein - Gläubiger hegt Bedenken
23.01.2012, 10:50
Uhr23.01.2012, 10:50
Uhr
Matthias Jekosch und Michael Wojtek
Das Ehinger Unternehmen hat seine Ankündigung, in Planinsolvenz zu gehen, wahrgemacht. Wichtiger Gläubiger äußert allerdings Vorbehalte.
Die Drogeriemarktkette Schlecker hat am Montag beim Amtsgericht Ulm Insolvenz für die Anton Schlecker e.K., die Schlecker Homeshopping GmbH und die Schlecker XL GmbH eingereicht Foto: dpa/DPA
Ehingen.
Die Drogeriemarktkette Schlecker hat beim Amtsgericht Ulm Insolvenz
angemeldet. Für die Anton Schlecker e.K., die Schlecker Homeshopping GmbH
und die Schlecker XL GmbH seien heute Morgen die Insolvenzanträge
eingegangen und zur Bearbeitung an das Insolvenzgericht Ulm weitergeleitet
worden, sagte Andreas Kunow, Justizangestellter beim Insolvenzgericht Ulm,
am Montag. Ein Insolvenzverwalter sei noch nicht benannt worden.
Im Zuge der Insolvenz droht der angeschlagenen Drogeriekette eine
Radikalsanierung. Nach der Ankündigung des Ehinger Unternehmens, sich
mithilfe einer geplanten Insolvenz zu retten, sieht die Konkurrenz kaum
Überlebenschancen für die meisten Schlecker-Märkte.
Einer der wichtigsten Gläubiger von Schlecker, der Einkaufsverbund Markant,
habe dem zuständigen Amtsgericht Ulm Vorbehalte gegenüber dem Schritt
signalisiert, berichtete die "Financial Times Deutschland“
(Montagausgabe). Die Gläubiger müssten bei einer Planinsolvenz freiwillig
auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Zudem könnte das bestehende
Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Zeitung zitierte einen
Insolvenzverwalter, der anonym bleiben wollte, mit den Worten: "Die
Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie
einen erheblichen Beitrag leistet.“
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Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di fordert derweil von Firmenpatriarch
Anton Schlecker den Einsatz seines Privatvermögens zur Sanierung der Kette. "Er
muss sich auf jedem Fall mit seinem eigenen Vermögen beteiligen",
sagte eine Ver.di-Sprecherin. Das beläuft sich nach Schätzungen auf rund
drei Milliarden Euro. Ein solcher Schritt sei auch ein Signal an potenzielle
Geldgeber, sagte die Gewerkschaftssprecherin. Schlecker müsse in der Sache "klar
und offen" kommunizieren, forderte sie weiter.
Schlecker mit deutschlandweit etwa 30.000 Mitarbeitern will Anfang der Woche
einen Antrag auf Planinsolvenz einreichen. Dabei wird der Antrag mit einem
Sanierungsvorschlag verbunden. Ziel ist der Erhalt eines großen Teils des
Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze. Von allen Wettbewerbern
besitzt Schlecker die meisten Läden, hat in den vergangenen Jahren aber an
Umsatz gegenüber den Verfolgern dm und Rossmann eingebüßt und schrieb drei
Jahre in Folge Verluste. 2010 verkündete die Familie um Anton Schlecker und
seine beiden Kinder Lars und Meike einen Umbau mit größeren und schöneren
Läden sowie einer besseren Kommunikation. Seither fährt das Unternehmen
einen harten Sparkurs und hat Hunderte Filialen geschlossen.
Rossmann-Gründer Dirk Roßmann sagte dem "Focus", er habe
Interesse an lediglich 50 bis 80 Märkten des insolventen Konkurrenten
Schlecker. Er fügte hinzu: "Ich wage die Prophezeiung, dass der
Insolvenzverwalter nicht viele Läden weiterbetreiben wird können."
Die allermeisten der noch rund 7000 Märkte bundesweit müssten schließen,
weil sie nicht mehr zeitgemäß seien. Geschäfte in guten Lagen befänden sich
vor allem in Bahnhöfen, die häufig von der Schlecker-Tochter Ihr Platz
betrieben würden. Mit einem durchschnittlichen Monatsumsatz von 20.000 Euro
pro Markt wie bei Schlecker könne man auf Dauer kein erfolgreiches
Drogeriemarktkonzept betreiben, sagte Roßmann. Seine Kette, aber auch dm,
kämen monatlich im Schnitt auf Erlöse von 300.000 Euro.
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat der
Zeitpunkt der Insolvenz des Drogerieimperiums wohl auch mit ungedeckten
Rechnungen zu tun. Wie andere Handelsunternehmen wickle Schlecker seine
Zahlungen über das Verrechnungskontor Markant ab, das als eine Art
Zwischenhändler zwischen Hersteller und Handel fungiere. Von Schlecker
sollen dort zu viele unbezahlte Rechnungen aufgelaufen sein, am Freitag soll
dem Magazin zufolge eine letzte Zahlungsfrist abgelaufen sein.
Rechtsexperten glauben, dass die Insolvenz auch dazu dienen kann, die teuren
Tarifverträge mit der Gewerkschaft Ver.di kündigen zu können.