Druckmaschinenhersteller
Possehl-Gruppe aus Lübeck übernimmt insolvente Manroland
Die Übernahme rettet den Hersteller von Druckmaschinen, splittet ihn aber gleichzeitig in drei Teile. 2200 Angestellte müssen gehen.
Für 2200 der über 6000 Manroland-Angestellten bedeutet der Verkauf den Verlust der Arbeitsstelle
Foto: dpa/DPA
München/Lübeck. Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland bleibt in deutscher Hand, aber der Verkauf an die Lübecker Possehl-Gruppe sorgt für Entsetzen in der Belegschaft. Das Unternehmen wird in drei Teile zerschlagen, rund 2200 Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg. Beinahe die Hälfte der deutschen Angestellten müssen sich einen neuen Job suchen. Nach seiner Sitzung am Mittwoch gab der Gläubigerausschuss am Mittwoch in Augsburg den Verkauf an die Possehl-Gruppe bekannt.
In Plauen sollen von den zuletzt 680 Stellen nur noch 290 Stellen übrig bleiben - und damit weniger als die Hälfte. Augsburg soll von rund 2200 nur noch 1500 Jobs behalten. Am härtesten trifft es den Standort Offenbach, wo nach Angaben von Insolvenzverwalter Werner Schneider rund 1000 Stellen gestrichen werden. Erst am Dienstag hatte der Konkurrent und Weltmarktführer Heidelberger Druck angekündigt, 2000 Stellen abzubauen.
Zwei Monate nach der Pleite von Manroland verkündete Schneider am Mittwoch ein Konzept für den Erhalt aller drei deutschen Standorte - allerdings mit nur noch 2500 statt bisher 4700 Beschäftigten. Der Gläubigerausschuss votierte für die Zerschlagung des Konzerns und den Verkauf des größten Werks Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe. Das Familienunternehmen sicherte zugleich langfristige Lieferbeziehungen mit dem Plauener Plamag-Werk zu, das vorerst vom Management und vom Insolvenzverwalter als neuen Eigentümern fortgeführt wird. Diese Lösung stelle eine Auslastung sicher, und eine spätere Beteiligung von Possehl am Plauener Werk sei in Aussicht, erklärte Schneider.
Die sächsische Regierung, die sich in den vergangenen Wochen in die Bemühungen um eine Zukunft für Plauen eingeschaltet hatte, begrüßte das von Insolvenzverwalter Werner Schneider vorgestellte Konzept. „So kann es gelingen, am Standort Plauen einen leistungsfähigen unabhängigen Zulieferer und Serviceanbieter zu etablieren und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern“, erklärte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Abend.
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Sein Vize und Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) nannte die Situation für diejenigen Beschäftigten, die nun erst einmal ihre Jobs verlieren, schmerzlich. Zugleich sieht er „eine gute Chance“ für die Zukunft. Das Werk werde zwar Zulieferer für Augsburg bleiben, aber zugleich eigenständig sein. „Dies ist die Basis dafür, perspektivisch wieder zu einem Arbeitsplatz-Aufbau zu kommen“, sagte Morlok. Es werde für das Plauener Plamag-Werk darum gehen, mit seinen technologischen Kompetenzen auch branchenfremde Kunden zu finden. Wie Tillich sicherte auch Morlok dem Werk staatliche Unterstützung mit den vorhandenen Fördermöglichkeiten zu.
Das Werk im hessischen Offenbach soll ebenfalls vom Management zusammen mit dem Insolvenzverwalter übernommen und saniert werden. Sobald ein anderer Investor gefunden ist – im Gespräch sind Chinesen - will Schneider aussteigen. Diese Lösung habe eine solide wirtschaftliche Basis und gute Zukunftsaussichten, brauche zur Finanzierung aber eine Bürgschaft der hessischen Landesregierung, sagte Schneider. „Im Grunde genommen beginnt jetzt für Offenbach die zweite Runde“, sagte er. „Wir haben nicht alle Zeit der Welt, aber eine gewisse Basis.“
Die IG Metall trägt die Lösung im Kern mit. Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef von Manroland ist, sagte: „Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert. Jetzt müssen sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden.“ Für die vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter müssten Brücken in eine neue Beschäftigung gebaut werden. Hier seien die Politik und die regionalen Unternehmen gefordert.
Manroland schreibt seit Jahren rote Zahlen und hatte Ende November Insolvenz angemeldet. Wie die gesamte Branche leidet das Unternehmen unter dem Internetboom und dem zunehmenden Preiskampf.
Possehl setzte sich im Gläubigerausschuss gegen den US-Investor Platinum Equity durch, der Manroland komplett kaufen wollte. Platinum habe aber kein Beschäftigungskonzept gehabt, sagte Schneider. Auch die IG Metall hatte eine langfristige Lösung mit dem US-Finanzinvestor bezweifelt. Bei Possehl setzen die Gewerkschafter auf ein langfristiges industrielles Interesse.
Die Possehl-Gruppe ist ein Mischkonzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen. Sie machte im vergangenen Jahr rund rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 9300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland.
Hintergrund: Die Possehl-Gruppe
Die Lübecker Possehl-Gruppe hat im Bieterkampf um den insolventen Druckmaschinenhersteller Manroland den Zuschlag bekommen. Die Possehl-Gruppe ist ein Konzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen – vom Straßenbau über die Herstellung von Kuvertier- und Textilmaschinen bis hin zu Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen. Der Konzern erzielte 2011 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Weltweit werden rund 9300 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte davon in Deutschland. Zukäufe in allen Bereichen gehören zur Strategie des Mischkonzerns.
(abendblatt.de/dpa/reuters)





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