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Wirtschaft

Luftverkehrsbranche

Emissionsrechte verursachen Preischaos am Himmel

Bis zu zehn Euro Aufschlag fordern europäische Fluggesellschaften von ihren Kunden wegen Mehrkosten für Emissionsrechte.

Seit dem 1. Januar müssen die Airlines für alle Flüge, die in der EU starten oder landen, Verschmutzungsrechte für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 nachweisen
Foto: dpa/DPA

Hamburg. Seit dem 1. Januar benötigt auch die Luftverkehrsbranche in der Europäischen Union (EU) Emissionsrechte für das Treibhausgas CO2 - und die Fluggäste werden dafür zahlen müssen. So hat die Lufthansa angekündigt, die Mehrkosten, die für dieses Jahr auf 130 Millionen Euro geschätzt werden, über die Treibstoffzuschläge an ihre Kunden weiterzugeben. Die Kerosinabgaben hatte der deutsche Konzern bereits Mitte Dezember um drei bis zehn Euro angehoben.

Auch Air Berlin will die Ticketpreise erhöhen, ließ das Ausmaß der Verteuerung jedoch noch offen. Ryanair dagegen hat sich bereits entschieden und schlägt 0,25 Euro auf die Ticketpreise auf, die belgische Lufthansa-Tochter Brussels Airlines fordert sogar je nach Strecke drei bis zehn Euro mehr.

Vor allem die Reaktionen außereuropäischer Fluggesellschaften zeigen jedoch, dass die EU mit der Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel ein Chaos bei den Flugpreisen ausgelöst hat: Zwar müssen die Passagiere der großen US-amerikanischen Fluggesellschaften seit einigen Tagen auf allen Flügen, die innerhalb der EU starten oder landen, einen Zuschlag von drei Dollar (2,34 Euro) entrichten. Gleichzeitig aber haben US-Regierungsvertreter der EU mit einem Handelskrieg gedroht.

Außerdem wird in Washington ein Gesetzentwurf diskutiert, der es den amerikanischen Unternehmen verbieten würde, am europäischen System des Emissionshandels teilzunehmen. Völlig unklar ist, was dann mit den bereits gezahlten Zuschlägen geschähe.

+++ Emissionsrechte: Airlines wälzen Kosten auf Passagiere ab +++

+++ An Europas Himmel droht ein Handelskrieg +++

+++ CO2-Ausstoß muss teurer werden +++

Auch in Asien ist die Situation unübersichtlich: Während die meisten Airlines noch nicht über Preiserhöhungen entschieden haben, erhebt der malaysische Langstreckenbilligflieger AirAsia.X auf den Europastrecken fünf Euro Aufschlag. China dagegen will nicht für Emissionsrechte zahlen und hat der EU eine Klage angedroht; chinesische Fluggesellschaften bitten daher auch ihre Gäste nicht zur Kasse.

"Bis diese Konflikte mit Drittstaaten gelöst sind, sollte die EU die Pflicht zur Teilnahme des Luftverkehrs am Emissionshandel aussetzen", sagte Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner dem Abendblatt. Die tatsächlichen Mehrkosten für eine Fluggesellschaft stehen nach seinen Angaben erst am Jahresende fest. Erst dann wisse man, wie viel CO2 die Jets ausgestoßen haben und wie viele Emissionszertifikate man - über die von der EU gratis zugeteilte Menge hinaus - nachkaufen müsse. Schwer absehbar sei auch der Preis dieser Zertifikate, die an der Energiebörse European Energy Exchange (EEX) in Leipzig gehandelt werden: "Dort kommt es zu Tagesschwankungen von mehr als 30 Prozent."

Ob der Emissionshandel der Umwelt wirklich nützt, ist nach Auffassung des Hamburger Luftfahrtexperten Cord Schellenberg höchst fraglich. "Die Einnahmen aus dem Verkauf der CO2-Zertifikate fließen ohne Zweckbindung in die Staatshaushalte und nicht etwa in klimaschutzbezogene Projekte", so Schellenberg. Zudem investiere die Branche sehr viel Geld in moderne, sparsamere Flugzeuge: "Das schafft Arbeitsplätze in Europa. Die Mehrkosten für die Emissionsrechte belasten aber die Luftfahrt und erschweren damit die Flottenmodernisierung."

Für Thomas Norgall vom Naturschutzverband BUND spricht der Widerstand aus China und den USA nicht gegen den Vorstoß der EU: "Selbst die Chinesen wissen genau, dass sie sich dem Thema Klimawandel stellen müssen." Norgall sieht im Emissionshandel deshalb auch kein Handelshemmnis, das durch internationales Recht leicht gekippt werden kann: "Welche Maßnahme zum Klimaschutz sollte denn marktkonformer sein?"

 

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