Wirtschaft
Elektronikmesse CES 2012
Brandheiß aus Las Vegas: Neue Tablet-Computer
09.01.2012, 11:01
Uhr
09.01.2012, 11:01
Uhr
Peter Zschunke
Das iPad hat rasant den Markt erobert – darauf setzen auch andere Hersteller. Die Consumer Electronics Show zeigt die neuesten Trends.
Seit 1967 zeigt die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die Trends der Unterhaltungselektronik und Digitaltechnik
Foto: dpa/DPA
Las Vegas.
Eine rote Flunder für die Küche: Jean-Yves Hepp zeigt auf der Hightech-Messe
CES in Las Vegas einen etwas anderen Tablet-Computer. Das „Qooq“ ist
besonders robust gebaut, mit einem Metallgehäuse und einem
Mineralglas-Display, damit es auch Fettspritzer und Küchendunst verkraften
kann. Das Tablet für die Küche ist nicht der letzte Schrei der Technik,
zeigt aber, wie diese Art der Computernutzung den digitalen Alltag erobert.
„Sogar der Küchenchef im Elysee nutzt schon einen Qooq“, freut sich Hepp im
mondänen Casino-Hotel „Venetian“, wo einige der Messeneuheiten vorab
präsentiert werden. Der etwas andere Tablet-Computer mit einem
Linux-Betriebssystem ist im November in Frankreich eingeführt worden, zu
einem Preis von 349 Euro. Jetzt drängt der Hersteller in die
englischsprachigen Länder; Deutschland soll erst danach an die Reihe kommen.
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Auftakt in Las Vegas: Neue Power-Chips für 2012 +++
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Stichwort: CES – die Leitmesse der Elektronik-Industrie +++
Auch das iPad hat seinen Weg in die Küche gefunden. Im deutschen iTunes-Store
bieten Starköche wie Alfons Schuhbeck oder Jamie Oliver ihre Kochbücher als
interaktive Anwendung für das Apple-Tablet an. Sie werden zum Teil mit der
Sprache gesteuert, damit das Display nicht mit teig-verschmierten Fingern
berührt werden muss.
Die Tablet-Kategorie ist brandheiß“, sagt Olof Schybergson, Gründer und
Vorstandschef des Unternehmensberaters Fjord. „Tablet-Computer sind aus zwei
Gründen sehr umwälzend. Erstens sind sie gleichermaßen geeignet für die drei
Orte, an denen wir vorrangig unsere Zeit verbringen: zu Hause, auf der
Arbeit und unterwegs. Zweitens sind sie so einfach zu benutzen, dass sie die
beiden demografischen Extreme ansprechen: Kinder und alte Leute.“
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So kann das Tablet auch als Spielkonsole genutzt
werden. Im Hotel „Wyne“ hält eine Mitarbeiterin des taiwanischen Herstellers
Acer den ersten Tablet-Computer des Unternehmens mit einem Vierkernprozessor
hoch und steuert ein Motorrad über eine Rennstrecke. Die Prozessorleistung
stellt alles in den Schatten, was vor einigen Jahren noch für den
Schreibtisch-PC der Stand der Technik war. Jetzt dient der Quadcore-Chip
Tegra 3 des Grafikspezialisten Nvidia dazu, die schnellen Szenen des
Computerspiels flüssig zu rendern, also auf dem Bildschirm darzustellen, der
zudem mit 1920 mal 1080 Pixeln eine besonders hohe Auflösung bietet. Das
Gerät aus der Modellreihe Iconia soll im zweiten Quartal auf den Markt
kommen.
Tablet-Computer mit Quadcore-Prozessoren sind ein wichtiger Trend in diesem
Jahr. Auch die Video-Nutzung auf dem Tablet profitiert davon. „Vor allem im
Highend-Bereich ist das Thema Quadcore für mobile Geräte wichtig“, sagt
Gérard Cronin von ST-Ericsson, einem führenden Anbieter von Chipsätzen für
mobile Geräte.
Lenovo lässt noch einen Doppelkernprozessor in seinem Tablet-Computer Idea Tab
S2 werkeln, spricht damit aber auch eine andere Zielgruppe an: Dieses neue
Gerät lässt sich an eine Tastatur andocken und wird so zu einer Art kleinem
Laptop. Die Markteinführung ist im zweiten Quartal zu Preisen zwischen 399
und 599 Dollar (umgerechnet 314 bis 472 Euro) geplant. Mit 8,69 Millimetern
ist das Lenovo-Tablet besonders dünn. Noch dünner ist mit 7,7 Millimetern
das Excite X10 von Toshiba, mit dem die Japaner ihre Design-Kompetenz unter
Beweis stellen wollen.
Alle Tablet-Neuheiten orientieren sich zwangsläufig am Apple-Vorbild iPad, das
in den nächsten Monaten in der dritten Version erwartet wird –
möglicherweise, so wird vermutet, ebenfalls mit einem besonders
hochauflösenden Bildschirm. Auf der CES erinnert sich niemand gern an die
großen Töne vor einem Jahr, als die Herausforderer mit dem Google-System
Android zuversichtlich ihre Alternativen präsentierten. Die hohen
Erwartungen konnten nämlich im Laufe des Jahres dann nicht erfüllt werden.
Diesmal äußern sich die Apple-Konkurrenten zurückhaltender. Dabei macht die
jüngste Android-Version „Ice Cream Sandwich“ auf dem neuen Iconia-Tablet von
Acer einen grafisch ebenso ansprechenden Eindruck wie in der Flüssigkeit der
Bedienung.
Apple werde auch in diesem Jahr die unangefochtene Nummer 1 auf dem
Tablet-Markt bleiben, erwartet die Expertin beim Marktforschungsunternehmen
Gartner, Carolina Milanesi. In den USA habe Amazon mit seinem im Preis
deutlich niedrigeren Kindle Fire die besten Chancen im Wettbewerb. Weltweit
treffe das für Samsung zu, auch wenn die Koreaner noch nicht mit dem
zugehörigen „Ökosystem“ von Apps mithalten könnten.
Weil der Markt so schnell wächst, scheint ein Einstieg aber auch dann lohnend,
wenn die Spitze in weiter Ferne liegt. Nach einer zur CES vorgestellten
Studie des Messeveranstalters CEA werden Tablet-Computer in diesem Jahr
einen Anteil von 5 Prozent am Gesamtumsatz der weltweiten
Unterhaltungselektronik erreichen, bei Digitalkameras sind es nur 4 Prozent.
Im Rennen zwischen dem Apple-System iOS und Android rechnet sich auch
Microsoft noch gute Chancen aus, zumindest einen Teil seiner
Windows-Dominanz bei PCs in die Tablet-Welt zu retten. Hier wird mit
Spannung ein Samsung-Tablet mit Windows 8 erwartet – das neue Betriebssystem
soll im Herbst kommen. Ein Windows-Tablet, das sich nahtlos mit der
sonstigen Windows-Welt im Betrieb versteht, könnte vor allem im Unternehmen
erfolgreich sein. „Tablets sind mittlerweile mehr als ein Lifestyle-Gerät
für Privatnutzer“, sagt Roman Friedrich von der Strategieberatung Booz &
Company. „Durch die Digitalisierung von Prozessabläufen in Unternehmen
entsteht auch ein großes Geschäft mit Business-Kunden.“ (dpa/abendblatt.de)