24.10.03

Sieg für Hamburg: Tchibo und Stadt kaufen Beiersdorf

Milliardenpoker mit der Allianz beendet: Der Nivea-Konzern wird nicht zerschlagen.

Bürgermeister Ole von Beust schaltete sich in der entscheidenden Verhandlungsphase ein.

Hamburg. Großes Aufatmen in Hamburg. Der mehr als zweijährige Kampf um eines der Vorzeigeunternehmen der Stadt ist zu Ende. Der traditionsreiche Kosmetikkonzern Beiersdorf mit 4,7 Milliarden Euro Umsatz und 18 000 Beschäftigten, davon 3200 in Hamburg, bleibt in deutscher Hand und wird nicht zerschlagen. Ein Hamburger Konsortium unter Führung des Kaffeekonzerns Tchibo hat vom Versicherungsriesen Allianz für rund 4,4 Milliarden Euro 40 Prozent zusätzlich am Nivea-Hersteller erworben und sich damit die Mehrheit gesichert. Die Spekulationen um einen Einstieg des US-Konzerns Procter & Gamble sind damit beendet. Nach dem Wegzug wichtiger Firmenzentralen wie BP, Universal oder Hein Gas muss Hamburg nicht mehr um ein weiteres unternehmerisches Aushängeschild zittern. Zudem behält die Stadt mit Beiersdorf (Nivea, Labello, Hansaplast, tesa, Eucerin, Juvena) seinen größten Gewerbesteuerzahler. Der Konzern überweist jährlich rund 200 Millionen Euro. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zeigte sich erleichtert über den Abschluss: "Wir sind froh, dass Beiersdorf als eigenständiges Unternehmen hier gehalten werden kann." Auch die Stadt ist bei der "Hamburger Lösung" mit im Boot. Sie erwirbt durch den Verkauf des Allianz-Aktienpakets über ihre Beteiligungsgesellschaft HGV für 1,1 Milliarden Euro zehn Prozent an Beiersdorf. Von Beust sagte, dass der Hamburger Haushalt in diesem und im nächsten Jahr durch das Geschäft nicht belastet werde. Ob es in den Folgejahren zu einer Belastung komme, hänge "von der wirtschaftlichen Entwicklung ab und könne noch nicht abschließend beurteilt werden." Derzeit suche Hamburg nach Investoren, die Teile des Aktienpakets der Stadt übernehmen. Kurz- oder mittelfristig wolle man auch Beiersdorf-Anteile mit Gewinn an die Börse bringen. Sogar von der Opposition bekam die Hamburger Regierung Lob. SPD-Fraktionschef Walter Zuckerer nannte die Lösung "gut für Hamburg". Die zehnprozentige Beteiligung sei "zur Rettung des Standorts" gerechtfertigt. Die Beiersdorf-Belegschaft zeigte sich mit der Lösung mehr als zufrieden. Viele Beschäftigte umarmten sich spontan vor Freude. "Wir sind sehr erleichtert", hieß es vom Betriebsrat. Die Mitarbeiter hatten den Abbau von zigtausend Stellen bei einer Übernahme durch Procter & Gamble befürchtet. Die "Hamburger Lösung" sieht im Detail wie folgt aus: Tchibo kauft von der Allianz 19,6 Prozent an Beiersdorf und stockt seinen Anteil an dem Kosmetikkonzern damit auf 49,9 Prozent auf. Die Stadt beteiligt sich mit zehn Prozent. 7,4 Prozent kauft Beiersdorf selbst zurück, drei Prozent gehen zudem an die Pensionskasse des Nivea-Herstellers. Zehn Prozent der Beiersdorf-Aktien halten die Erben des Beiersdorf-Gründers, die Hamburger Familie Claussen, die restlichen 16,1 Prozent liegen in den Händen vieler Aktionäre. Die Allianz behält 3,6 Prozent. An der Börse wurde die Nachricht mit Ernüchterung aufgenommen. Wegen der nun fehlenden Übernahmespekulation durch Procter & Gamble stürzte der Beiersdorf-Kurs bis zum späten Nachmittag um rund sieben Prozent auf 100 Euro ab. Zum Vergleich: Das Hamburger Konsortium musste an die Allianz pro Aktie im Schnitt 130 Euro überweisen.

HA
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