16.12.11

"FarmVille"-Anbieter

Zynga nimmt bei Börsengang eine Milliarde Dollar ein

Die Bereitschaft der User, in Spielen wie "FarmVille" für virtuelle Traktoren zu zahlen, bringt Zynga beim Börsengang echte Dollar ein.

Foto: dapd/DAPD
Zynga-Gründer Mark Pincus: Der Computerspiele-Gigant hat eine Milliarde Dollar beim Börsengang eingesammelt
Zynga-Gründer Mark Pincus: Der Computerspiele-Gigant hat eine Milliarde Dollar beim Börsengang eingesammelt

New York. Es ist der größte Börsengang eines amerikanischen Internet-Unternehmens seit Google: Der Onlinespiele-Spezialist Zynga nimmt bei seiner Aktienplatzierung eine Milliarde Dollar ein. Nach übereinstimmenden US-Medienberichten vom späten Donnerstag wurde der Entwickler von Hits wie "Farmville", "Cityville" oder "Mafia Wars" seine Aktien bei den Investoren zu jeweils 10 Dollar los.

Zusammen mit den Aktien, die noch bei den Alteigentümern verbleiben, wird Zynga den Angaben zufolge mit 7 Milliarden Dollar bewertet. Mit noch ausstehenden Optionen läge der Firmenwert bei 8,9 Milliarden Dollar.

Zynga betreibt eine Plattform für Online-Spiele, die meist eine virtuelle Welt simulieren: "Farmville" etwa bunte Äcker und Farmen, das akuell populärste Game "Cityville" eine Stadt. Das Spielen ist an sich kostenlos, Zynga verdient aber Geld, wenn sich Nutzer zusätzliche virtuelle Artikel wie einen Traktor oder Pflanzensamen kaufen.

+++ Spiele-Hersteller Zynga plant Börsengang +++

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Damit kommt auch bei niedrigen Preisen einiges zusammen: In den ersten neun Monaten 2011 verdiente Zynga rund 30 Millionen Dollar bei einem Umsatz von etwa 830 Millionen Dollar. Dafür reicht schon, dass nach jüngsten Angaben lediglich 6,7 Millionen der insgesamt mehr als 220 Millionen aktiven Spieler Geld bei Zynga-Spielen ausgeben.

Am Freitag (16. Dezember) wird die Aktie zum ersten Mal an der New Yorker Börse gehandelt. Der Sprung aufs Parkett gilt auch als Testlauf für einen möglichen Börsengang des Online-Netzwerks Facebook im kommenden Jahr. Die meisten Zynga-Nutzer kommen von Facebook. Die klare Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken dürfte alle bisherigen Internet-Börsengänge locker übertrumpfen: Bei Facebook steht eine Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar im Raum.

Noch hält Google den Rekord bei den Internet-Börsengängen. Im Jahr 2004 hatte der Aktienverkauf des Suchmaschinen-Betreibers knapp 1,7 Milliarden Dollar eingebracht, die Gesamtbewertung lag damals bei 23 Milliarden Dollar. Heute ist Google mehr als 200 Milliarden Dollar wert.

Der Börsenwert von Zynga fällt jetzt deutlich niedriger als erwartet aus. Noch zuletzt wurde mit einer Gesamtbewertung von zehn Milliarden Dollar gerechnet. Im Sommer war sogar über einen möglichen Börsenwert von 15 bis 20 Milliarden Dollar spekuliert worden. Seitdem hat sich das Klima für Internet-Börsengänge allerdings deutlich eingetrübt. Die Aktien mehrerer Firmen wie die Schnäppchen-Website Groupon oder das Internet-Radio Pandora rutschten nach einem anfänglichen Kursfeuerwerk sogar unter den Ausgabepreis.

Mit gut 14 Prozent bringt Zynga einen höheren Anteil am Unternehmen an die Börse als andere Online-Firmen in diesem Jahr. Der 45-jährige Chef und Gründer von Zynga, Mark Pincus, wird aber weiter fest die Kontrolle behalten. So wie andere frühe Investoren will er sich beim Börsengang nicht von Anteilen trennen. Außerdem hat Zynga eine Drei-Klassen-Aktienstruktur mit unterschiedlichen Stimmrechten. Laut Zynga-Unterlagen liegen gut 38 Prozent der Stimmen in der Hand des Gründers, so dass ohne ihn keine wichtige Entscheidung getroffen werden kann. Zu ordentlichem Geld kam Pincus bereits im Frühjahr: Damals kaufte ihm Zynga einen Teil seines Anteils für 109 Millionen Dollar ab – noch zu 14 Dollar je Aktie. (dpa/abendblatt.de)

Fakten zum Börsenneuling Zynga
Der Onlinespiele-Entwickler Zynga hat am 16. Dezember an der Nasdaq den größten Internet-Börsengang in den USA seit Google hingelegt. Mit dem Verkauf von 100 Millionen Aktien nahm das erst fünf Jahre alte Unternehmen eine Milliarde Dollar ein.
Zynga wurde im Januar 2007 von Mark Pincus gegründet.
Das US-Unternehmen ist der größte Anbieter von Spielen im sozialen Netzwerk Facebook. Die Spiele an sich sind kostenlos. Geld macht Zynga mit Zusatzangeboten wie Waffen oder speziellen Eigenschaften, für die die Teilnehmer bezahlen, um ihre Gewinnchancen zu verbessern.
Experten kritisieren die Abhängigkeit Zyngas von Facebook. Das Spiele-Unternehemen erwirtschaftet 95 Prozent seiner Umsatzerlöse allein über das Online-Netzwerk. In den ersten neun Monaten erzielte Zynga einen Umsatz von 828 Millionen Dollar. Im Gesamtjahr dürfte die Marke von einer Milliarde Dollar fallen. Im dritten Quartal lag der Nettogewinn bei zwölf Millionen Dollar.
Die bekanntesten Spiele sind FarmVille, Mafia Wars, FrontierVille, CityVille, ZyngaPoker, Adventure World und CafeWorld. Die Spiele werden von über 227 Millionen Nutzern im Monat gespielt. Zynga hatte rund 7,7 Millionen zahlende Nutzer per Ende September.
Größter US-Konkurrent ist Electronics Arts (EA) mit seinem Kriegsspiel "Battlefield'". EA bietet auch das Fußballcomputerspiel Fifa an. EA ist bereits an der Nasdaq notiert. Die Videospielindustrie wächst derzeit rasant, wovon die Unternehmen profitieren.
Der asiatische Konkurrent Nexon ging am 14. Dezember in Tokio an die Börse und erlöste dabei umgerechnet 1,2 Milliarden Dollar. Die Aktie des koreanischen Rivalen fiel beim Debüt unter ihren Ausgabepreis. Zuletzt gingen mit Groupon und LinkedIn auch andere aufstrebende Internetfirmen aus den USA an die Börse. Der IPO von Facebook ist für das erste Halbjahr 2012 geplant. Das rasant wachsende Unternehmen will dabei laut Medienberichten zehn Milliarden Dollar einnehmen. (Reuters)
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