Jeder fünfte Hamburger Arzt so gut wie pleite
Viele Mediziner müssen Honorare an Banken abtreten. Einige wollen auf Kassenpatienten verzichten.
Hamburg. Für viele Hamburger Ärzte geht es jetzt um die Existenz. Jeder Dritte der 3650 niedergelassenen Mediziner in Hamburg steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Nach Abendblatt-Informationen sind sogar 22 Prozent der Kassenärzte in der Hansestadt so stark verschuldet, dass sie ihre Honorarforderungen Monat für Monat an ihre Bank abtreten müssen. Die Bank wiederum teilt den Haus- und Fachärzten gerade das Notwendige für den privaten Unterhalt zu. "30 Prozent der Ärzte sind in einer liquiditätsmäßig engen Situation", beschreibt Hans-Rudolf Algier von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVH) in Hamburg das Problem. Die Zahl von 22 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Hamburg, die unter der so genannten Bankkuratel stehen, also nicht mehr frei über ihre Honorare verfügen können, wolle er "nicht bestreiten". Auch der Chef der KVH, Michael Späth, bestätigt die dramatische Situation: "Wir wissen von etlichen Praxen, die in Zahlungsschwierigkeiten sind." Hauptursache für die Not vieler Kassenärzte sind die rückläufigen Vergütungen durch die Kassenärztliche Vereinigung. Die wiederum verweist auf sinkende Einnahmen wegen der vielen Patienten, die in so genannte Billigkrankenkassen wechseln. Sie zahlen oft eine niedrigere Kopfpauschale pro Versicherten an Kassenärzte. Die Kassenärzte müssen mit vorgegebenen Praxisbudgets leben. "Ich erhalte nur rund 35 Euro pro Versicherten und Quartal", berichtet der Hamburger Allgemeinmediziner und Sportarzt Til Steinmeier. Doch mit diesen Einkünften könne er gerade sein Personal, Miete und Versicherungen zahlen. "Verdienen kann ich nur an meinen Privatpatienten." "Zum Glück habe ich 20 Prozent privat zahlende Patienten. Andere müssen mit nur drei Prozent leben." Wie ernst die Lage vieler Ärzte ist, belegt ein Krisentreffen in der Neustadt von rund 20 Medizinern am vergangenen Mittwoch. Nach Abendblatt-Informationen brodelte dort die Stimmung: "Ich werde meine Kassenzulassung zurückgeben und nur noch Privatpatienten behandeln", sagte einer der Teilnehmer. Es wurde auch überlegt, Arzthelferinnen zu entlassen, um über die Runden zu kommen.



Hartmann
JURA Gastro in Deutschland
Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



