Hamburg

Umfrage: Metaller im Norden arbeiten mehr als vereinbart

Gewerkschaft ist alarmiert und kündigt harte Tarifrunde an

Hamburg. Die Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie wollen weniger und flexibler arbeiten. Das geht aus einer Umfrage der IG Metall Küste in den Betrieben hervor. "Die meisten Beschäftigten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten und mehr Möglichkeiten, selbst über ihre Arbeitszeiten zu entscheiden", sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Die tatsächliche Arbeitszeit ist deutlich höher als die vertraglich vereinbarte.

So haben im Bezirk Küste 54 Prozent der Befragten eine 35-Stunden-Woche, doch nur bei 18 Prozent liegt die tatsächliche Arbeitszeit auf diesem Niveau. Als Folge sammeln sich auf den Arbeitszeitkonten viele Stunden an. "Das Problem ist, dass es keine klaren Regeln gibt, wann und wie diese Stunden abgebaut werden können", sagt Geiken. 56 Prozent fühlen sich bei der Arbeit gehetzt und unter Zeitdruck. 46 Prozent arbeiten länger, damit sie ihre Aufgaben überhaupt schaffen.

"Die Beschäftigten lehnen flexible Arbeitszeiten nicht ab, aber sie wollen im Gegenzug auch souverän entscheiden können, wann sie ihre Mehrarbeit abbauen", sagt Geiken. Ausgeprägt ist auch der Wunsch der Beschäftigten, die Arbeitszeiten zeitweise absenken zu können, etwa für die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung.

An der Umfrage beteiligten sich über 50.000 Arbeitnehmer im Norden, darunter auch Beschäftigte, die nicht Mitglied der Gewerkschaft sind. "Das zeigt, dass uns eine hohe Kompetenz bei dem Thema zugetraut wird", sagt Geiken. In der Tarifrunde 2018 werde es mit Sicherheit eine Arbeitszeitkomponente bei den Forderungen geben. Ende Juni wird darüber auf einem Arbeitszeitkongress in Mannheim beraten. "Wir wollen mehr Rechte, damit die Arbeitnehmer selbst über ihre Arbeitszeiten entscheiden können", sagt Geiken. Die IG Metall stellt sich auf harte und lange Verhandlungen mit den Arbeitgebern ein. "In diesem Punkt verbindliche Regelungen durchzusetzen, ist sehr schwer", sagt Geiken.

Die Arbeitgeber im Norden haben bereits reagiert. "Tarifverträge dürfen nur einen groben Rahmen abstecken, die Details müssten direkt auf Betriebsebene vereinbart werden können", sagt Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von Nordmetall. "Wir brauchen einvernehmliche Flexibilität vor Ort, statt von oben verordnete, starre Regeln."

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