Halbleiterkonzern
Infineon mit Rekordgewinn und schlechten Aussichten
Der Chipkonzern Infineon legt einen Rekordgewinn von 1,12 Milliarden Euro vor - erwartet aber eine Talfahrt bei Nachfrage und Ergebnis.
Der Halbleiterhersteller Infineon werde sich trotz trüber Aussichten durch die Fokussierung auf die drei Kernfelder Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit ein „profitables Wachstum durch den Zyklus“ sichern, so Konzernchef Bauer
Foto: picture alliance
München. Einerseits Rekordgewinn von 1,12 Milliarden, andererseits trübe Aussichten: Der Halbleiterhersteller Infineon stellt sich nach dem besten Geschäftsjahr seiner Unternehmensgeschichte auf einen spürbaren Abschwung ein. Vor allem im Industriegeschäft läuft es für den Münchner Dax-Konzern inzwischen deutlich schlechter als noch vor einigen Wochen. Die Kunden hielten sich insgesamt zunehmend zurück, Umsatz und Gewinn dürften im neuen Geschäftsjahr deutlich sinken, kündigte der DAX-Konzern am Mittwoch an. Weiter gut sieht es hingegen im Geschäft mit der Autoindustrie aus.
+++Infineon will wieder regelmäßig Dividende ausschütten+++
Für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2010/11 legte der Vorstandsvorsitzende Peter Bauer eine Rekordbilanz vor. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro, und der Gewinn verdoppelte sich auf 1,12 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch 660 Millionen Euro verbucht wurden. Die Nachfrage nach Chips für Industrieanlagen, Waschmaschinen und Autos ließ bei Infineon die Kasse klingeln. Aber der Boom ist erst einmal vorbei. Vor allem im Industrie- und im Sicherheitskartengeschäft laufen die Geschäfte schlechter.
In den kommenden Monaten wird es wohl keine rekordverdächtigen Zahlen mehr geben: Im laufenden ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 kann Infineon auf Konzernebene bereits einen Umsatzeinbruch von etwa zehn Prozent absehen. Die Zurückhaltung der Industriekunden habe sich nochmals verstärkt. Die Gewinnmarge, die im abgelaufenen Jahr noch knapp 20 Prozent betrug, dürfte auf knapp 14 Prozent sinken. Und auch im Gesamtjahr erwartet Infineon einen Umsatzrückgang in einer Größenordnung von etwa fünf Prozent und eine Marge von nur noch etwa 10 bis 15 Prozent.
„Wir sind natürlich nicht immun gegen Konjunkturschwankungen“, sagte Vorstandschef Bauer. Er hatte den Konzern nach langjährigen Verlusten radikal umgebaut und in die Gewinnzone geführt. Bauer zeigt sich aber weiter optimistisch, langfristig auf Erfolgskurs zu bleiben. Der Konzernchef habe volles Vertrauen hinsichtlich des langfristigen Wachstums und der Margenentwicklung. Die Fokussierung auf die drei Kernfelder Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit werde Infineon „profitables Wachstum durch den Zyklus“ sichern. Die langfristigen Trends seien intakt.
Die Halbleiterbranche spürt als Zulieferer für viele Industrien das wirtschaftliche Auf und Ab besonders früh und gilt deswegen auch als Gradmesser für die Wirtschaftsentwicklung. Auch der US-Chiphersteller Texas Instruments und die europäische Branchengröße STMicroelectronics meldeten zuletzt schwächere Geschäfte.
Bereits bei der Vorlage der überraschend schlechteren Eckdaten für das Schlussquartal hatte Bauer seine Erwartungen nach unten geschraubt, nachdem der Konzern angesichts des kräftigen Aufschwungs zuvor sein Ausblick mehrfach nach oben korrigiert hatte.
Infineon hatte nach einer jahrelangen Durststrecke im Geschäftsjahr 2009/2010 erstmals wieder Gewinne geschrieben und das zweite Mal in seiner Geschichte überhaupt eine Dividende gezahlt. Ob es für das vergangene Jahr auch eine Dividende geben soll, blieb zunächst offen. Infineon war 1999 aus dem Siemens-Konzern ausgegliedert worden und ging im März 2000 an die Börse. 2009 war das Unternehmen von der Pleite der Speicherchiptochter Qimonda beinahe mit in den Abgrund gerissen worden.
Mit Material von dpa/dapd





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