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Wirtschaft

Wir brauchen Mut und Behutsamkeit

Hanno Wiedenhaus (Abendblatt): Geht die Tendenz bei der HafenCity eher dahin, spektakuläre Projekte zu machen? Meinhard von Gerkan: Der Konflikt liegt auch in der HafenCity doch genau darin, dass man einerseits spektakuläre Dinge möchte, die man aber nicht bezahlen kann. Man hofft also, profitbringende Bauten mit spektakulärem Potenzial kombinieren zu können, so dass beide Seiten ihr Recht bekommen. Der indirekte Nutzen architektonischer Bauten wie dem Eifelturm, den die Pariser nach der Weltausstellung eigentlich wieder abreißen wollten, ist ja unermesslich. Ein solches Bauwerk zieht Touristen an, die Besichtigung bringt Einnahmen. Doch wer soll in Vorkasse treten? Aus diesem Konflikt heraus glaube ich nicht daran, dass in der HafenCity ein Wunderkaktus entstehen wird, der sich rechnet und der Menschen anzieht. Das wäre eine eierlegende Wollmilchsau. Alexander Gerard (Architekt): Bewahren und Fortschreiben gilt auch für unsere Überlegungen zur weiteren Nutzung des Kaispeichers A. Wir wollen das Gebäude nicht abreißen, sondern darauf eine neue Philharmonie mit zwei Sälen bauen. Daneben entstehen ein Fünf-Sterne-Hotel plus Luxuswohnungen. Durch diese so genannte Mantelbebauung kann man einen großen Teil der Investitionskosten wieder reinholen. Karl-Heinz Ehlers (Sprinkenhof): Es gibt in der Bürgerschaft nicht unerhebliche Widerstände bei der Frage, ob das bisherige Konzept der Stadt für den Kaispeicher A, der Abriss und den Bau einer MediaCitySchool, gehalten werden kann. Ich glaube, es gibt eine Tendenz, dass, was Sie vorgeschlagen haben, als das zu beurteilen, was es ist. Nämlich ausgezeichnet. Es wird darauf ankommen, dass Sie es schnell realisieren. Aber klar ist auch, dass das Projekt ein nicht unerhebliches Risiko für die Stadt birgt. Nicht nur, dass wir das Grundstück verschenken sollen, sondern wir sollen anschließend auch einspringen, falls den Betreibern die Luft ausgeht. Wenn solch ein Betreiber die Gabel macht, würde die Stadt es weiterbetreiben müssen. Ich warte auf den Tag, an dem ein Bürgermeister dies ablehnen wird. Nikolaus W. Schües (Handelskammer): Unsere wachsende Stadt muss ein Gesamtkunstwerk werden. Die Stadt wächst nach Süden und deshalb finde ich den Vorschlag mit der Brücke - ob das nun eine Gondel ist oder nicht - interessant. Denn wir brauchen nach unserem Michel eine neue, wirkliche Attraktion. Für die HafenCity brauchen wir eine Einstellung zwischen Behutsamkeit und Mut. Mit Behutsamkeit meine ich, dass es nie wieder so etwas wie vor dem Michel geben darf. Da wurde ein Haus mit Turm gebaut, der die ganze Sicht nimmt. In der HafenCity brauchen wir gemischte Finanzierungen - öffentlich und privat. Aber es muss auch gemischte Preise geben. Große Unternehmen können vielleicht etwas mehr bezahlen als Mittelständler. Man darf nicht nur an Maximierung denken. Wir brauchen auch eine Lösung für die Verkehrsprobleme. von Gerkan: Da sind die Politiker gefragt und nicht die Architekten. Carl G. Grossmann: Hamburg sollte auf jeden Fall seine Identität erhalten. Wir als Makler sehen den Erfolg der HafenCity mittel- bis langfristig. Wir glauben, dass sie sich gut entwickelt, aber sie muss angenommen werden. Deutschlandweit geschieht dies schon, jetzt muss sie aber noch europaweit angenommen werden. Und es gilt, große Unternehmen für die HafenCity weltweit zu interessieren. Hadi Teherani (Architekt): Ich glaube schon, dass man auch in Hamburg Gebäude mit einer starken Identität bauen kann, die sich rechnen. Natürlich kann man nicht in einen Eifelturm Wohnungen hereinhängen, aber da gibt es andere Konzepte. von Gerkan: Da sind wir gleicher Meinung. Wiedenhaus: Wie kann die Finanzierung etwa einer Philharmonie organisiert werden? Andreas Leimbach (Dresdner Bank): Natürlich leben wir in einer Zeit, in der die Kommerzialität an Bedeutung gewinnt. Die Luft ist dünner geworden. Es geht nicht mehr darum, eine Rendite von fünf oder zehn Prozent zu erwirtschaften, sondern um die Frage, ob man überhaupt eine Rendite erzielt. Insofern müssen wir auch der Kommerzialität Platz lassen, ansonsten wird so ein Projekt später möglicherweise zum Bumerang. Rolf Hunck (Deutsche Bank): Die Rahmenbedingungen stimmen einfach nicht. Die offenen Immobilienfonds haben viel Geld, um Immobilien zu kaufen. Aber sie stellen Ansprüche. Ein Anspruch ist, dass der Anleger seine Rendite bekommt. Und die gibt es nur bei Vermietbarkeit. Michael Krämer (Architekt): Bei der HafenCity sollte die Stadt nicht den Fehler machen wie damals beim Hanseatic Trade Center. Nämlich aus dem Grundstück so viel herauszuholen, so dass der Investor damals nicht mehr in der Lage war, eine gesunde Mischung zwischen Büros und Wohnungen anzubieten. Für die HafenCity wünsche ich mir, dass wir bei Projekten, wo es städtebaulich sinnvoll ist, etwas zu erreichen, ein gewisses Entgegenkommen spüren das nicht nur auf der Kosten-Nutzen-Rechnung basiert. Also Stadt, Investor und Architekt müssten sich bei so genannten Landmarks zusammensetzen, um auch in der HafenCity Projekte mit Nachhaltigkeit errichten zu können.

 

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