Wirtschaft
Tarifstreit
Keine Einigung - Morgen beginnen Airbus-Warnstreiks
06.10.2011, 13:16
Uhr
06.10.2011, 13:16
Uhr
Rolf Zamponi/abendblatt.de
Die Tarifgespräche bei Airbus sind abgebrochen worden. Für morgen sind erste Warnstreiks und Kundgebungen - auch in Hamburg - angekündigt.
Die Tarifverhandlungen bei Airbus wurden erneut abgebrochen
Foto: dpa/DPA
Hamburg.
Warnstreiks bei Airbus: Die IG Metall Küste hat rund 16 000 Mitarbeiter
aufgerufen schon morgen die Arbeit in den Werken Hamburg, Bremen, Buxtehude
und Stade niederzulegen. An den vier Standorten des Flugzeugbauers sind am
Vormittag Kundgebungen geplant. „Am Verhandlungstisch kommen wir nicht
weiter“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. Der
Ausstand soll um 9.15 Uhr in Hamburg sowie um 9.30 Uhr in Bremen, Buxtehude
und Stade beginnen, wie der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard
Geiken, mitteilte. Um 10.00 Uhr seien an den vier Standorten Kundgebungen
geplant.
Die Verhandlungen zwischen der IG Metall, den Betriebsräten und der
Geschäftsführung des Flugzeugbauers wurden gestern erneut ohne Ergebnis
abgebrochen. Den Beschluss für die Warnstreiks hatten die Betriebsräte und
Vertrauensleute von Airbus bereits am vergangenen Mittwoch gefasst. Er wird
nach dem Scheitern des Treffens wirksam. Das Treffen im Hamburger
Airbus-Werk endete gestern kurz nach 13 Uhr, nach gut zwei Stunden. "Durch
die Drohungen der Geschäftsführung, Produktion aus den Werken zu verlagern,
waren heute keine konstruktiven Verhandlungen möglich. Anscheinend braucht
die Gegenseite den Druck der Belegschaft", sagte der Verhandlungsführer
der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. "Die Gewerkschaft hat ihre
Forderungen erläutert, jedoch ohne darüber zu verhandeln",
entgegnete Airbus-Sprecher Florian Seidel. Airbus appelliert an die
Gewerkschaftsvertreter, „wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um
vernünftig miteinander zu reden“. „Wir müssen im Interesse aller eine Lösung
finden“, sagt Seidel. Airbus bekenne sich zum Standort Deutschland wie kaum
ein anderes Unternehmen und sei bereit, trotz der aktuellen
weltwirtschaftlichen Situation Tausende hoch qualifizierte Arbeitsplätze bis
2020 zu garantieren. „Das sind neun Jahre“, sagte Seidel. Die
Geschäftsleitung wolle die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus langfristig
sichern.
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Besprochen wurden gestern die Forderungen der Arbeitnehmer nach mehr
Mitbestimmung beim Einsatz von Leiharbeitern sowie bei der
Arbeitsorganisation. Dabei geht es unter anderem darum, wie unabhängig
einzelne Gruppen ihre Aufgaben erfüllen können oder wie viel Zeit für
einzelne Fertigungsschritte zur Verfügung steht.
+++ Betriebsrat beschließt Warnstreiks bei Airbus +++
+++ Airbus will Warnstreiks notfalls gerichtlich
untersagen lassen +++
+++ Den Bogen nicht überspannen +++
Den Anteil der Leiharbeiter wollen die Betriebsräte in der Serienfertigung auf
15 Prozent begrenzen. Airbus geht von 20 Prozent aus und will sich bei der
Einführung neuer Flugzeugtypen die Möglichkeit offenhalten, mehr
Leiharbeiter einzusetzen. Bei beiden Themen habe es aber bei den Gesprächen
keine Ergebnisse gegeben, teilte die IG Metall Küste gestern mit. Airbus
hält weiter daran fest, die Zukunft der Werke durch einen Tarifvertrag
abzusichern. Darin wird eine Beschäftigungssicherung bis 2020 gegen eine
über die Jahre steigende Produktivität angeboten. "Über
Einzelheiten kann noch verhandelt werden", sagte Seidel. Allerdings
sind beide Seiten bisher uneins darüber, wie stark die Produktivität steigen
kann.
Verhandlungsführer Friedrich geht davon aus, dass die Warnstreiks dieses Mal
länger dauern werden als im Juni. Damals hatten Arbeitnehmer aller vier
deutschen Werke erstmals für eine Stunde für einen neuen
Zukunftstarifvertrag demonstriert. Auch bei den jetzt geplanten Aktionen
werden wohl alle Standorte - neben Hamburg, Bremen, Stade und Buxtehude -
zum gleichen Zeitpunkt einbezogen sein. Insgesamt arbeiten 16 600 fest
angestellte Mitarbeiter für den Flugzeugbauer.
Das Vorgehen der Betriebsräte, die derzeit kaum mehr Überstunden genehmigen,
nannte der Airbus-Sprecher gestern "brandgefährlich". Es
könne nicht im Interesse der Arbeitnehmer sein, Liefertermine und das
Vertrauen der Kunden in das Unternehmen zu gefährden. Trete dies ein, könnte
als "ultimative Konsequenz" Produktion aus den Werken verlagert
werden. "Die Genehmigung von Überstunden sollte von den Gesprächen über
die Zukunftssicherung abgekoppelt werden", sagte Seidel. Bisher plant
Airbus, die Fertigung im Hamburger Werk bis Ende 2012 auszubauen.
Der Airbus A380 in Zahlen::
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