VW baut Werke in Brasilien aus
Wolfsburger investieren 3,4 Milliarden Euro. Autobauer hält Südamerika für einen Zukunftsmarkt
São Paulo/Wolfsburg. Europas größter Autobauer Volkswagen drückt auch auf dem Wachstumsmarkt Südamerika aufs Tempo. 3,4 Milliarden Euro will der Konzern in den kommenden fünf Jahren in seine brasilianischen Standorte stecken. Mehr als jeder achtzehnte Euro, den VW bis 2016 in den Ausbau des weltweiten Werksnetzes sowie in die Entwicklung neuer Modelle und Technologien investiert, fließt damit in das südamerikanische Land. Und auch die Konkurrenz nimmt das Land, in dessen dünn besiedeltem Norden bislang noch wenige Autos verkauft werden, zunehmend ins Visier.
Mitte September hatte der VW-Aufsichtsrat vor dem Hintergrund sprudelnder Gewinne und einer prall gefüllten Kasse beschlossen, binnen fünf Jahren rund 62,4 Milliarden Euro an Investitionen lockerzumachen. Brasilien ist dabei aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn einer der wichtigsten Zukunftsmärkte für die Wolfsburger Autobauer. Damit seien die Weichen für ein nachhaltiges Wachstum gestellt, sagte Winterkorn am Montagabend zu den Ausbauplänen in São Paulo. Als fünfter Deutscher erhielt er dort den Titel "Deutsch-Brasilianische Persönlichkeit des Jahres".
"Wir sind hier seit über 50 Jahren fest verwurzelt", sagte Winterkorn. Der 1953 gegründete Ableger VW do Brasil betreibt in dem Land inzwischen vier Werke, mehr als 23 000 Mitarbeiter werden beschäftigt. VW ist damit einer der größten Arbeitgeber der südamerikanischen Automobilbranche. Täglich rollen etwa 3500 Fahrzeuge in 21 verschiedenen Modellvarianten vom Band.
Der Standort Anchieta in der Nähe der Millionenmetropole São Paulo ist das älteste Auslandswerk des Konzerns. Es wurde 1959 eröffnet. Gestern stattete Winterkorn dem Standort zusammen mit Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat David McAllister (CDU) einen Besuch ab. In Anchieta werden unter anderem die Modelle Gol, Saveiro, Parati und Polo hergestellt. VW produziert außerdem in Curitiba, São Carlos und Taubaté. In der gesamten Region werden große Zuwächse auf den Automärkten erwartet. Das Werk Pacheco in Argentinien steht am Sonnabend auf dem Besuchsprogramm.
"Spätestens im kommenden Jahr feiern wir 20 Millionen Volkswagen made in Brasil", kündigte Winterkorn an. Bis 2015 könnten pro Jahr bis zu fünf Millionen Fahrzeuge verkauft werden. McAllister sprach von "zukunftsweisenden Initiativen" für Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz: VW do Brasil habe 120 Millionen Euro in den Bau von zwei Wasserkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 48,2 Megawatt gesteckt, um künftig 40 Prozent des Strombedarfs mit Wasserkraft decken zu können.
Andere Autobauer nehmen das Land ebenfalls in den Blick: So plant der französisch-japanische Hersteller Renault-Nissan einem Bericht der Wirtschaftszeitung "La Tribune" zufolge Milliardeninvestitionen. Renault-Chef Carlos Ghosn will demnach morgen bekannt geben, 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) in den Bau eines neuen Nissan-Werkes im südöstlichen Bundesstaat Rio zu stecken. Die Produktionskapazität solle bei 200 000 Fahrzeugen jährlich liegen.




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