Dienstag, 29. Mai 2012, 13:06

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

Wirtschaft

Bahn frei für Hamburg-Sylt

Nordostseebahn: Mit neuen Zügen von Hamburg nach Sylt. Was der Konkurrent der Deutschen Bahn vorhat. Interview mit NOBChef Karl-Heinz Fischer.

ABENDBLATT: Seit wenigen Tagen steht endgültig fest: Von Dezember 2005 an wird die Nordostseebahn (NOB) exklusiv mit Nahverkehrszügen zwischen Hamburg und Sylt fahren.Was erwartet die Kunden? FISCHER: Moderne Züge, stabile Preise und eine stündliche Verbindung. ABENDBLATT: Was für Züge und Loks setzen Sie ein? FISCHER: Die Züge sind nagelneu, kommen aus Spanien von der Firma Talgo und sind niederflurig - was den Einstieg erleichtert. Sie fahren bereits mit großem Erfolg in Spanien. Wir werden insgesamt 13 Züge bestellen, die zwischen sieben und 13Waggons haben. Gezogen werden sie vor allem von hochmodernen, sechsachsigen Dieselloks, die das Unternehmen Vossloh in Kiel herstellt. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass im strukturschwachen Schleswig-Holstein hunderte Arbeitsplätze gesichert werden. ABENDBLATT: Stockt auch die NOB ihr Personal auf? FISCHER: Ja. Wir werden eine Werkstatt für die Wartung der Züge bauen. Hierfür brauchen wir Personal. Zudem benötigen wir Lokführer und Kundenbetreuer. Insgesamt rechnen wir mit mehr als 200 zusätzlichen Stellen bei der NOB. ABENDBLATT: Wo bekommen die Kunden die Fahrkarten? FISCHER: Während der Fahrt oder am Schalter. In den Zügen werden Begleitpersonen sein, die Tickets verkaufen. Zudem wollen wir in jedem Zug mindestens einen Fahrkartenautomaten aufstellen. Desweiteren planen wir erstmals eigene Ticket-Schalter an wichtigen Bahnhöfen. ABENDBLATT: Die Deutsche Bahn AG wirft Ihnen vor, nur über ein Dumping-Angebot den Zuschlag des Landes Schleswig-Holstein für die Strecke Hamburg-Sylt bekommen zu haben. FISCHER: Das ist Unsinn. Wir haben einfach ein besseres Angebot als die Deutsche Bahn abgegeben. So ist der Wettbewerb. ABENDBLATT: Sie müssen nun aber mit relativ wenig Zuschüssen des Landes auskommen. Sind Preiserhöhungen für die Kunden da nicht programmiert? FISCHER: Wir als NOB können gar nicht wahllos die Fahrpreise erhöhen. Wir sind an den Schleswig- Holstein-Tarif, den das Land festlegt, gebunden. Im Vergleich zur Deutschen Bahn gehen wir von mehr Fahrgästen aus, die mehr Einnahmen bringen. Zudem wollen wir in den Zügen Snacks und Getränke verkaufen. ABENDBLATT: Warum sollten in Ihre Züge mehr Menschen einsteigen? FISCHER: Weil die Züge moderner sind und häufiger fahren als bei der Deutschen Bahn. Nehmen Sie zum Beispiel unsere sehr erfolgreiche Strecke von Kiel über Husum nach St.Peter-Ording. Hier befördern wir heute zwischen 15 und 20 Prozent mehr Passagiere als früher die Deutsche Bahn. Diesen Zuwachs peilen wir auch bei der Verbindung Hamburg- Sylt an. Zudem wollen wir das Schwarzfahren durch lückenlose Kontrollen nahezu unmöglich machen. ABENDBLATT: Sie werden ab Ende 2005 im Nahverkehr in Schleswig- Holstein einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent haben. Wo liegt Ihre Zielmarke? FISCHER: Mein Ziel ist erstmal eine erfolgreiche Betriebsaufnahme zwischen Hamburg und Sylt. Danach werden wir uns an weiteren Ausschreibungen des Landes Schleswig-Holstein beteiligen. ABENDBLATT: Auch an der Strecke Hamburg-Lübeck? FISCHER: Mit Sicherheit. Denn dabei handelt es sich um eine äußerst lukrative Verbindung. ABENDBLATT: Erst vor eineinhalb Wochen musste der private Bahnbetreiber Flex Insolvenz anmelden. Könnte der NOB dieses Schicksal auch ereilen? FISCHER: Nein. Denn sollten wir tatsächlich Liquiditätsprobleme bekommen, haben wir mit der französischen Veolia einen finanzstarken Konzern im Rücken. ABENDBLATT: Die NOB will nicht nur mit Nahverkehrszügen über den Hindenburgdamm nach Sylt fahren, sondern auch mit Autozügen. Wie stehen die Chancen, dass dies tatsächlich klappt? FISCHER: Die Deutsche Bahn weigert sich weiter, uns ihre Laderampen bei Niebüll zur Verfügung zu stellen. Das Eisenbahnbundesamt wird demnächst entscheiden, ob dies rechtens ist. Ich bin zuversichtlich, dass die Entscheidung zu unseren Gunsten fällt. INTERVIEW: OLIVER SCHADE

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus