Karlspreis-Träger Trichet will europäisches Finanzministerium
Aachen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet will die Spielregeln für die Euro-Länder fundamental ändern und die Währungsunion so vor neuen Schuldenkrisen bewahren. Er regte dazu die Gründung eines europäischen Finanzministeriums an. In Schwierigkeiten geratenen Ländern will der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Teil ihrer Souveränität entziehen und auf europäische Institutionen übertragen - etwa Haushaltsentscheidungen.
"Wäre es zu kühn, sich eine Union vorzustellen, die nicht nur einen gemeinsamen Markt, eine gemeinsame Währung und eine gemeinsame Zentralbank hat, sondern auch ein gemeinsames Finanzministerium?", sagte Trichet gestern in Aachen, wo er wegen seiner Verdienste um die europäische Einigung den Karlspreis erhielt. Ein solches Ministerium solle nicht unbedingt große Budgets verwalten. Stattdessen solle es sich um die Themen Haushaltspolitik und Wettbewerbsfähigkeit ebenso kümmern wie um den Finanzsektor sowie die EU in den internationalen Institutionen vertreten. Trichet nannte seine Idee eine "Langfristperspektive".
Zu den früheren Karlspreis-Trägern zählen Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008) und ihre Amtsvorgänger Konrad Adenauer (1954) und Helmut Kohl (1988), der frühere US-Präsident Bill Clinton (2000) sowie der spanische König Juan Carlos (1982).




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