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Wirtschaft

Beluga-Tochter zahlungsunfähig

Unternehmen stellt Insolvenzantrag. 100 Mitarbeiter betroffen. Reeder Stolberg bei der Staatsanwaltschaft

Bremen. In Bremen liegen die Gebäude der Staatsanwaltschaft und des Amtsgerichts direkt gegenüber. Mit gleich zwei Ortsterminen in der Ostertorstraße wurde somit gestern das nächste Kapitel um den Niedergang der Bremer Reederei Beluga aufgeschlagen. Gegen neun Uhr erschien zunächst der Reeder Niels Stolberg mit seinem Anwalt Hanns Feigen, um bei der Staatsanwaltschaft vorzusprechen. Gut eine Stunde später kam Roger Iliffe, der derzeit die Geschäfte von Beluga führt, und meldete für die Reederei-Tochter Chartering GmbH Insolvenz an. "Sie wurde mit Zahlungsunfähigkeit begründet", sagte die Sprecherin des Amtsgerichts, Ellen Best, dem Abendblatt. Das Gericht bestellte wenig später den Bremer Rechtsanwalt Edgar Grönda zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Was Stolberg zur Sache zu sagen hatte, blieb offen. Er erwarte von der Vernehmung "nur das Beste" sagte Feigen. Nach Stolbergs Aussagen müsse nun geklärt werden, ob sich der Tatverdacht bestätige, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frank Passade. Wie rasch dies geschehen könne, sei nicht abzuschätzen. Stolberg und weitere leitende Angestellte von Beluga stehen unter Verdacht des Betrugs in einem besonders schweren Fall und der unrichtigen Darstellung. So sollen sie seit dem Jahr 2009 Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und damit Kapitalanleger getäuscht haben. Die Ermittlungen bei Beluga hatte der US-Finanzinvestor Oaktree ins Rollen gebracht, der 49,5 Prozent an dem Unternehmen hält.

Von dem Insolvenzantrag, zu dem juristische Berater der Firma der Chartering GmbH geraten hätten, sind 100 der 500 Mitarbeiter von Beluga in Bremen betroffen. Die Reederei-Tochter kümmert sich um die Mietverträge (Charter) für die Schiffe, ihre Besatzungen und Ladungen. Damit gehört sie zum Kerngeschäft der Reederei.

"Die Schiffe fahren zunächst weiter bis in die Zielhäfen", so Beluga-Sprecher Klaus-Karl Becker. Hintergrund des Insolvenzantrags seien "Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf Umsatz und Liquidität." Die Muttergesellschaft Beluga-Gruppe und weitere Tochterfirmen seien nicht betroffen.

Allerdings haben inzwischen Emissionshäuser und Schiffsfonds, deren Anleger an den Beluga-Schiffen beteiligt sind, ihre Frachter von der Reederei abgezogen. So hat die Hamburger HCI zum 13. März alle laufenden Verträge fristlos gekündigt. "Jetzt haben nur noch einzelne Fonds Forderungen gegenüber den Gruppe", sagte HCI-Sprecher Olaf Streuer. 20 Schiffe aus 17 Fonds des Emissionshauses betreut nun die Hammonia Reederei, an der neben HCI auch die Peter Döhle Schiffahrts-KG und General Electric Transportation Finance beteiligt sind. "Die Reederei ist erfahren und kann gute Raten erzielen", so HCI-Sprecher Streuer.

Dennoch fürchtet die Bremer Anwaltskanzlei KWAG, dass Anlegern bei Veränderungen der Charter "empfindliche Einbußen" drohen könnten. Hintergrund: Die Spezialisten für Kapitalanlagerecht, die Investoren von Beluga vertreten, schätzen die derzeit erzielbaren Charterraten als deutlich niedriger ein als jene, die mit Beluga bisher vereinbart waren. "Wir gehen derzeit für einen gut 130 Meter langen Mehrzweckfrachter von einer Differenz von 30 Prozent aus", sagte Jan-Henning Ahrens von KWAG. Dies sei auch bei weiteren Schiffen der Flotte zu erwarten.

Zudem müssten die Anleger fürchten, dass Banken einer Sanierung nur zustimmen würden, wenn im Gegenzug gewinnunabhängige Ausschüttungen zurückgezahlt würden. Schließlich könnten die Banken vor dem Hintergrund niedrigerer Charterraten und dem damit sinkenden Wert der Schiffe sogar Darlehen kündigen. "Wenn ein Schiff verkauft werden muss, wird dies kaum reichen, um die Bankschulden zu begleichen", sagte Ahrens. Er rechnet daher damit, dass die Anleger bis zu 82 Prozent ihres Geldes verlieren könnten.

Auch für die Beluga-Gruppe sei die Lage ernst. Ahrens hält Anschlusskonkurse in der Gruppe für möglich. Das sieht der Bremer FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Staffeldt ähnlich. Breche das Kerngeschäft weg, könne "es bei Beluga zu einem Dominoeffekt kommen, der das übrige Unternehmen mitreißt". Ob es soweit kommt, ist offen. Vom Gesellschafter Oaktree hieß es gestern: "Wir führen konstruktive Gespräche, um eine Lösung zu erreichen."

 

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