Jetzt blüht das Geschäft
Die Pflanzensaison beginnt. Hamburger Gartenbauer legen gegen den Trend zu.
Hamburg. Joachim Schmädeke (52) blickt gen Himmel. Und strahlt. "Endlich scheint die Sonne. Dann brummt auch das Geschäft gleich besser", weiß der Gärtner aus Eidelstedt. Kaum gesagt, füllen sich auch schon seine glasüberdachten Gewächs- und Verkaufsräume mit Kunden. "Nach dem langen Winter sind jetzt viele Leute hungrig auf bunte Blumen und Pflanzen", so Schmädeke, der den Familienbetrieb Stoltenberg mit seiner Frau Antje (51) in nunmehr dritter Generation führt. "Und wir sind für die Nachfrage bestens gerüstet." In vielen der rund 600 Hamburger Gartencenter, Gärtnereien, Blumenläden und Wochenmärkte herrscht seit wenigen Tagen Hochbetrieb. Ob Hobby- oder Schrebergärtner, Hausbesitzer oder Mieter: Viele Hamburger schwärmen aus und kaufen sich die ersten Frühlingsboten für ihre Balkone und Gärten. "Wegen des kalten Winters hat die Pflanzsaison in diesem Jahr etwa zwei bis drei Wochen später begonnen", sagt Helmut Werner, Hauptgeschäftsführer vom Gartenbauverband Nord. Die Pflanzen seien in den Treibhäusern zwar schon gut gediehen, doch die Käufer hätten sich bisher aus Furcht vor Frost zurückgehalten. Trotz Konsumflaute geben sich die Hamburger Gartenbauer recht optimistisch: "Wir hatten zwar 2002 keinen Zuwachs, aber auch keine großen Rückgänge", so Werner. Im Schnitt geben die Deutschen statistisch zwischen 80 und 83 Euro im Jahr für Pflanzen aus. Ein ähnlich hohes Niveau hoffen die Pflanzenproduzenten auch 2003 zu erzielen. Schließlich setzen die Gärtner auch auf die neue Häuslichkeit: Wenn weniger verreist wird, werde vielleicht wieder mehr Geld für ein gemütliches Zuhause ausgegeben, so ihr Kalkül. Die Hamburger Garten- und Landschaftsbauer, die professionell Gärten und Parks gestalten und pflegen, konnten 2002 sogar gegen den Trend zulegen: Während bundesweit der Umsatz in diesem Bereich um fünf Prozent sank, steigerten die 250 Hamburger Fachbetriebe ihre Erlöse um 2,4 Prozent auf 150 Millionen Euro. Der Grund für den Erfolg, so vermutet der Vorsitzende des Hamburger Fachverbandes Garten- und Landschaftsbau, Hanns-Jürgen Redeker: "Immer mehr Hausbesitzer betrachten ihren Garten als Aushängeschild." Fast jeder Hamburger Eigenheimbesitzer lasse sich seinen ersten Garten von Profis gestalten. Die Kosten: zwischen 5000 und 25 000 Euro. Schließlich steigere eine gepflegte Außenanlage auch den Wert eines Grundstücks: "Der Garten ist die Visitenkarte." Ob Garten oder Balkon nun von Profis oder Hobbygärtnern bestellt wird: Die Auswahl an Pflanzen, Stauden und Bäumen ist riesig. Allein Schmädeke bietet mehr als 100 verschiedene Pflanzenarten an, die sich für das Frühjahrsbeet eignen: Primeln und Stiefmütterchen in allen Farbnuancen von zitronengelb, orange, rosa, rot bis dunkelblau und lila. Aber auch Osterglocken, Tulpen, Glockenblumen oder Veilchen finden jetzt beste Bedingungen. Sie erfreuen nicht nur durch ihre Farbkraft, sondern auch mit ihrem intensiven, frühlingshaften Duft. Allein das Geschäft mit Pflanzen ist in Deutschland ein Milliardenmarkt. Bundesweit gibt es rund 80 000 Gartenbaubetriebe - fast durchweg Mittelständler - mit 400 000 Beschäftigten. Der Jahresumsatz lag 2002 laut Zentralverband Gartenbau bei 25,9 Milliarden Euro. In Hamburg sind davon etwa 900 Betriebe mit 7000 Mitarbeitern tätig. An der Freude am Garten verdienen darüber hinaus aber auch noch Hersteller für Gartenmöbel und Geräte, Anbieter von Swimmingpools - und nicht zuletzt Verlage, die eine immer breitere Palette an Literatur für Hobbygärtner anbieten. Und das Geschäft floriert. Denn die Lebensdauer des Grüns ist nicht nur begrenzt, es unterliegt auch immer neue Moden. So ist der typische "Geranienkasten" für den Balkon längst out. "Gefragt sind bunte Kästen in leuchtenden Farben oder Pflanzen ganz Ton-in-Ton, passend zur Wohnungseinrichtung", weiß Schmädeke. Viel gekauft würden auch Pflanzen in Kübeln, die flexibel auf Balkonen, Terrassen und Gärten platziert werden. In Hamburger Gärten setzt sich zudem ein Trend zu hochwertigen, durchgestylten, aber naturbetonten Anlagen durch, berichtet der Gartenbauer Redeker. "Südostasiatische Feng-Shui-Gartenkunst, Steingärten und alles Mediterrane sind im Kommen." Statt Beton würden Natursteine, Granit oder edle Hölzer verwendet. Statt Zierkirschen werden früchtetragende Bäume gepflanzt. Der Rasen werde als Ruhepool, aber auch als Spielfläche genutzt. So seien Basketballkörbe oder Tischtennisplatten durchaus üblich. Zu den Rennern zählen Teiche, Springbrunnen - bis hin zu Schwimmbecken. Das klassische Gemüsebeet ist aus Erfahrung von Redeker meistens nur noch bei Familien mit Kleinkindern oder Schrebergärtnern zu finden. Stattdessen würden zunehmend Kräuter gepflanzt. Und auch der traditionelle Gartenzwerg findet immer weniger Liebhaber: "Die Hamburger stehen eher auf Kunst. Sie bevorzugen in ihren Gärten Bronzefiguren oder Lichtobjekte."




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