Lübecker retten Ufa-Kinos
Kieft & Kieft will 32 Häuser der insolventen Kinokette übernehmen. Hamburger Zentrale wird aufgelöst. Gläubigerversammlung muss noch zustimmen.
Hamburg. Die Geschwister gelten als diskret und effizient: Sie, die Finanzexpertin, er, der Stratege. In aller Stille haben Marlis und Heiner Kieft aus einem kleinen Lübecker Familienbetrieb den größten deutschen Kinokonzern geschmiedet. Deshalb war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die beiden Geschäftsführer von Kieft & Kieft (Cinestar) gestern ausgerechnet das etwas abseits gelegene Holiday Inn an den Elbbrücken für ihren ersten Auftritt in Hamburg wählten. In aller Stille präsentierten sie sich dort vor dem Betriebsrat als die künftigen Chefs der insolventen Kinokette Ufa. Zwar muss am kommenden Montag noch die Gläubigerversammlung der Ufa dem Plan zustimmen, einen Vorvertrag zur Übernahme von 32 der insgesamt 37 Ufa-Kinos haben die Lübecker aber schon in der Tasche. Zusammen mit dem Kinowerber RoWo Holding wollen sie eine Auffanggesellschaft für die Kinos gründen. Die meisten der etwa 1000 Ufa-Mitarbeiter werden übernommen. Unter den geretteten Häusern befinden sich auch die drei Kinos der Kette in Hamburg, die Ufa-Paläste am Gänsemarkt und am Grindel, sowie das Streit's am Jungfernstieg. Geschlossen wird hingegen die Hamburger Zentrale mit etwa 20 Mitarbeitern. Auch für fünf Kinos außerhalb Hamburgs, deren Mietverträge in diesem Jahr auslaufen, gibt es wohl keine Zukunft mehr. "Mit der Übernahme nutzen wir eine einmalige Chance", sagte Heiner Kieft gestern. "Die Kinostandorte ergänzen sich." Stark ist Kieft & Kieft vor allem in kleineren Städten und im Osten Deutschlands, wo nach der Wende der rasante Aufstieg des Unternehmens begann. In Hamburg sind die Lübecker hingegen gar nicht vertreten, genauso wenig wie in den Ufa-Hochburgen Düsseldorf und Köln. Nach der Übernahme hätte Kieft & Kieft 96 Filmtheater und 145 000 Sitzplätze und würde damit auch bei Großkinos den bisherigen Marktführer in diesem Bereich, die Hamburger Cinemaxx AG, überflügeln. Geht alles glatt, soll die Übernahme zum 1. April besiegelt sein. Der Einstieg von Kieft & Kieft wäre auch ein Erfolg für Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder, der in den vergangenen Monaten vor allem darum gekämpft hatte, dass die Ufa als Paket verkauft und nicht zerschlagen wird. Die Lübecker Geschwister hatten sich zunächst nur für eine Hand voll Filetstücke interessiert. Bis kurz vor der Unterzeichnung des Vorvertrags hatte es noch so ausgesehen, als würde der ehemalige Ufa-Chef Volker Riech das Rennen machen. Doch dann verlor Riech einen wichtigen Unterstützer im Kinokampf. Der Chef der RoWo Holding, Gert Rohrseitz, der sich zunächst zusammen mit Riech um die Ufa beworben hatte, wechselte die Seiten und bot nun mit den Lübecker Konkurrenten. Der Werbefachmann soll sich im Verbund mit Kieft & Kieft künftig um die Vermarktung der Theater kümmern. Ganz ausgebootet ist Riech, dessen Vater die Ufa-Kette aufbaute, aber dennoch nicht. Als Eigentümer von 15 Ufa-Häusern muss er einer Minderung der Mieten zustimmen, damit das Überleben der Häuser auch dauerhaft gesichert ist. Diese Verhandlungen laufen noch. "Die Mietminderungen sind entscheidend für den Erfolg des Sanierungskonzepts", sagte Insolvenzverwalter Schröder dem Abendblatt. Die zu Zeiten des Kinobooms ausgehandelten, hohen Mieten hatten der Ufa im vergangenen Jahr das Genick gebrochen. Der schwache Kinosommer führte schließlich dazu, dass das Unternehmen Anfang Oktober Insolvenzantrag stellen musste. Auch wenn die Ufa-Kinos gerettet werden: Verschwinden könnte der traditionsreiche Name. Die Lübecker überlegen nämlich, alle Häuser künftig unter der eigenen Marke Cinestar zu betreiben. Die Namensrechte sind im Übernahmepaket nicht enthalten. Sie liegen bei einer Bertelsmann-Tochter und müssten zusätzlich erworben werden.



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