Karriere - darauf kommt es an
Wo gibt es freie Stellen, welche Fähigkeiten sind gefragt? Was der Personaldienstleister Jochen Kienbaum dazu sagt
ABENDBLATT: Herr Kienbaum, mehr als vier Millionen Menschen sind arbeitslos. Wann wird es eine Besserung geben? KIENBAUM: Wegen der Konjunktur- und Stimmungslage werden Positionen, die unter normalen Umständen zu besetzen wären, zurückgehalten. Das gilt für große Konzerne wie für mittelständische Unternehmen gleichermaßen. Wir brauchen mehr Klarheit in der Wirtschaftspolitik, damit wieder mehr Zuversicht kommt. Dann werden mit einer zeitlichen Verzögerung auch wieder Neueinstellungen erfolgen. Erste Anzeichen, dass sich die Lage bessert, sind schon da. ABENDBLATT: Wer wird noch gesucht? KIENBAUM: Im Top-Bereich sind es Unternehmensführer, die schnell Krisen bewältigen können, also in der Lage sind, neue Strategien zu entwickeln und zügig umzusetzen, um wieder aus der Krise herauszukommen. ABENDBLATT: Gibt es solche Leute? KIENBAUM: Die gibt es zwar nicht im Übermaß, aber es gibt genug Fachleute, die diese Qualitäten im Laufe ihres Berufslebens trainiert haben. Zudem gibt es zahlreiche Angebote im Interimsmanagement. Diese Experten müssen ja nicht immer festangestellt werden. Man kann sich diese Kompetenz ja auch über ein Projektteam holen. ABENDBLATT: Was wird auf dem Arbeitsmarkt noch nachgefragt? KIENBAUM: Grundsätzlich Macherqualitäten. Das gilt für Top- bis Nachwuchspositionen. Gesucht sind Menschen, die Veränderungsmanagement durchführen können. Aber auch Controller sind nach wie vor gefragt. ABENDBLATT: Stichwort Nachwuchspositionen: Wie kann sich ein junger Hochschulabsolvent in der heutigen Zeit positionieren? KIENBAUM: Wer Karriere machen will, muss nicht nur gut ausgebildet sein, sondern vollen Einsatz zeigen. Er muss signalisieren, dass man für neue Aufgaben immer ansprechbar ist. Er sollte zügig studieren, auch im internationalen Umfeld. Denn die Firmen werden künftig noch stärker internationalisieren, und dafür brauchen sie Fachkräfte. Gefragt sind neben dem Studium zunehmend Sprachkenntnisse. Wer neben Englisch die eine oder andere Sprache beherrscht, kann sich von Wettbewerbern abheben. Deshalb sind während des Studiums auch Sprachkurse sinnvoll. ABENDBLATT: Was noch? KIENBAUM: Grundsätzlich gilt: Fähigkeiten, die man nicht hat, aber die nachgefragt werden, sollten begleitend zum Studium antrainiert werden. Wer Defizite in Rhetorik, Überzeugungskraft oder Führungsfähigkeit hat, sollte kontinuierlich daran arbeiten, diese abzubauen. Man muss heute mehr als früher selbst investieren, um voranzukommen. Letztendlich muss man seine Fähigkeiten oder Konzepte, etwa im Projektteam, verkaufen können. ABENDBLATT: Wie ist derzeit der Verhandlungsspielraum beim Gehalt? KIENBAUM: Bei Fix-Gehalt ist dies sehr begrenzt. Aber leistungsabhängige Zusatzvergütungen sind verhandelbar. Eine generelle Faustregel gibt es nicht, durchschnittlich steigen die Gehälter von Führungskräften zwischen fünf und acht Prozent - auch wegen der leistungsbezogenen Bestandteile. ABENDBLATT: Gibt es Präferenzen in der Studienrichtung? KIENBAUM: Im naturwissenschaftlichen Bereich gibt es keine Knappheit. Die kann in fünf Jahren sehr groß werden. ABENDBLATT: Wie wirkt sich die derzeitige Lage auf dem Arbeitsmarkt für Ihr Unternehmen, eine Personaldienstleistung, aus? KIENBAUM: Im Recruitement, also der Suche und Auswahl von Führungskräften, spüren wir einen konjunkturbedingten Rückgang. Das trifft im Übrigen die gesamte Branche. Der Markt der Headhunter befindet sich derzeit in einem Konsolidierungsprozess. Große, internationale Firmen haben Niederlassungen in Deutschland geschlossen, kleinere haben aufgegeben. Die Zahl der Personalberater hat sich um rund 200 auf etwa 1600 reduziert. Wir sind aber nach wie vor Marktführer in Deutschland. Zudem profitiert Kienbaum davon, dass wir zwei Standbeine haben. Die Managementberatung hat Zuwächse.














