Lebensversicherungen
Immer weniger Geld bleibt fürs Alter
Nach 30 Jahren Laufzeit gibt es heute 15.000 Euro weniger als 1999: Die historisch niedrigen Zinsen lassen die Rendite künftig weiter sinken, sagen Experten.
Hamburg. Die Lebensversicherungen schütten an ihre Kunden immer weniger Geld aus, erzielen aber angesichts des niedrigen Zinsniveaus noch attraktive Renditen. Das geht aus der jüngsten Studie des Branchendienstes map-Report hervor. Wer in diesem Jahr nach 30 Jahren Vertragslaufzeit eine Kapitallebensversicherung ausbezahlt bekommt, erhält im Marktdurchschnitt 88 673 Euro. Das sind rund 2000 Euro weniger als vor einem Jahr.
Die map-Untersuchung fragt seit mehr als zehn Jahren, welche tatsächlichen Leistungen ein Angestellter, der jeweils jährlich 1200 Euro einzahlt, nach verschiedenen Ablaufzeiträumen erhält. Analysiert werden die Leistungen für eine Vertragslaufzeit von zwölf, 20 und 30 Jahren. "Die tatsächlich erreichte Ablaufleistung nach 30 Jahren gehört zu den aussagekräftigsten Kennzahlen im Lebensversicherungsvergleich", sagt Manfred Poweleit, Herausgeber des map-Reports, dem Abendblatt. Bei einem solchen Vertrag werden 36 000 Euro in drei Jahrzehnten eingezahlt.
Innerhalb von zehn Jahren ist die durchschnittliche Ablaufleistung bei einem Vertrag mit 30 Jahren Laufzeit um 15 Prozent gesunken. Wer also vor zehn Jahren einen vergleichbaren Vertrag ausbezahlt bekam, konnte sich über rund 15 000 Euro mehr freuen. Innerhalb eines Jahrzehnts ist damit auch die Rendite auf die eingezahlten Beiträge von 6,17 Prozent auf 5,32 Prozent gesunken.
"Das ist weder ein Grund zum Jubeln noch für Panik", sagt Poweleit. "Die gesunkenen Leistungen sind die Folge der amerikanischen Niedrigzinspolitik, der sich auch die Versicherer nicht entziehen können." Der Experte rechnet mit weiteren kräftigen Abschlägen bei künftigen Auszahlungen, wenn es bei dieser Niedrigzinspolitik bleibt. "Für einen 30-jährigen Vertrag, der erst heute abgeschlossen wird, sinkt die durchschnittliche hochgerechnete Ablaufleistung auf 68 137Euro, was einer Rendite von 3,85 Prozent entspricht", sagt Poweleit. Statt mit knapp 90 000 Euro können Allianz-Versicherte dann nur noch mit rund 71 000 Euro rechnen und auch bei der Debeka fällt die Ablaufleistung von rund 112 600 auf rund 81 000 für einen Kunden, der erst in diesem Jahr eine Lebensversicherung über 30 Jahre abschließen würde.
"Die Versicherer stehen angesichts der niedrigen Zinsen unter einem gewissen Anlagedruck", sagt auch Rainer Will, Chef der Ratingagentur Assekurata. Wenn die Anbieter mittelfristig eine höhere Rendite erwirtschaften wollten, müssten sie höhere Risiken, etwa durch Unternehmensanleihen, in Kauf nehmen.
Die Versicherung Debeka ist das einzige Unternehmen, das innerhalb von zehn Jahren seine Ablaufleistungen noch um 4,5 Prozent steigern konnte. Der Direktversicherer Cosmos musste innerhalb dieses Zeitraumes mit minus 20,5 Prozent die größten Abstriche machen. Auch bei der sogenannten Leistungsnorm, die die absoluten Veränderungen im Zusammenhang mit der Marktentwicklung betrachtet, rutschte die Versicherung innerhalb von zehn Jahren von 107 auf 101 Punkte ab. 100 Punkte sind der Marktdurchschnitt.
Auch die Neue Leben zahlt in diesem Jahr knapp 18 Prozent weniger aus als vor zehn Jahren. Hohe absolute Rückgänge im Zehn-Jahres-Vergleich müssen aber nicht zwangsläufig Ausdruck gesunkener Leistungskraft sein. So verringerte sich die Leistungsnorm der Neue Leben lediglich von 114 auf 112 Punkte.
Der Marktführer Allianz kommt nur noch auf den 18. Rang und hat seine Auszahlungen innerhalb von zehn Jahren um knapp 15 Prozent reduziert. Mit 101 Punkten in der Leistungsnorm ist die Versicherung kaum besser als der Markt.
Unterdurchschnittlich bei den Auszahlungen hat die R + V mit minus neun Prozent verloren. Das Unternehmen gehört zusammen mit der Debeka zu den lediglich zwei Gesellschaften, die es als große Versicherungen unter die zehn besten Anbieter geschafft haben. Unter den zehn Gesellschaften mit den schwächsten gemeldeten Ablaufleistungen sind mit AachenMünchener (82 700 Euro nach 30 Jahren), Württembergische (82 300), Generali/Volksfürsorge (81 800) und Victoria (80 800)gleich vier der zehn größten Lebensversicherer vertreten. Die Versicherungen Axa, Nürnberger, Zürich Deutscher Herold und Deutscher Ring haben ihre Zahlen nicht offengelegt.
Bei einer Laufzeit über zwölf Jahre zeigt sich am stärksten, wie niedrige Zinsen die Lebensversicherung beeinträchtigen. Denn nach zwölf Jahren beträgt die Ablaufleistung im Marktdurchschnitt 18 295 Euro, was einer Rendite von 3,63 Prozent entspricht. Vor zehn Jahren betrug die Rendite noch 6,26 Prozent. Einzahlungen über Jahrzehnte haben also den Vorteil, Niedrigzinsphasen überbrücken zu können. Allerdings halten nur wenige Kunden ihren Vertrag über eine so lange Zeit durch. Gut jede zweite Lebensversicherungspolice wird vorzeitig aufgelöst. "Wir raten deshalb grundsätzlich von Lebensversicherungen ab", sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg.





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